Vorderer Schmied (3122m) - Aussichtsloge par excellence über der Weißkugelhütte


Publiziert von Fabse_94 , 6. August 2016 um 19:45.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:28 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:Melag - Melager Alm - Weißkugelhütte - Fernerzunge Langtauferer Ferner - Weißkugelhütte - Vorderer Schmied - Weißkugelhütte - Schäferhütte Falgin - Melag [~18 km]
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Graun am Reschensee durch das Langtauferer Tal nach Melag
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Großer gebührenfreier Parkplatz in Melag
Unterkunftmöglichkeiten:Weißkugelhütte
Kartennummer:Kompass Karte Nr. 52 Vinschgau/Val Venosta

Quasi als Vorlauf zu unserem 1-wöchigen Südtirol-Urlaub wollten wir eine Tour zum Schmied inklusive Übernachtung auf der urigen Weißkugelhütte, Bergsteiger-Stützpunkt am Talschluss des Langtauferer Tals, unternehmen. Der Schmied ist eine relativ unscheinbare Erhebung wenig südlich der deutlich höheren Weißseespitze im italienischen Teil der Ötztaler Alpen. Auf den Vorderen Schmied, den niedrigeren der beiden Gipfelpunkte, führt ein Steig von der Weißkugelhütte.

1. Tag: Melag - Weißkugelhütte - Fernerzunge Langtauferer Ferner (3:15h; T3):
Vom großen, kostenlosen Parkplatz in Melag (1915m) gibt es zwei Möglichkeiten, um zur Weißkugelhütte zu gelangen. Entweder man wandert eben taleinwärts zur Melager Alm und dann zur Hütte, oder über den Höhenweg via Falginer Schafalm. Wir wählten für den 1. Tag den Aufstieg über die Melager Alm und für den 2. Tag den Abstieg über den Höhenweg.
Vom kleinen Weiler Melag wandert man in einer halben Stunde beinahe eben über Wiesen und Kiesanlandungen des Karlinbaches bis kurz vor die Melager Alm (1973m), wo es dann über den Weg Nr. 2 in Serpentinen durch lichten Wald zu einem Marterl mit Weißkugel-Blick geht. Von dort geht es dann geradeaus über Matten zur sichtbaren Materialseilbahn und weiter wieder etwas steiler zur Hütte (2544m). Der Aufstieg zur Hütte nahm etwa 2:15 Stunden in Anspruch.
Da wir noch nicht ausgelastet waren und uns noch etwas in der ungewohnten Höhenluft bewegen wollten um nachts besser zu schlafen (ich war seit Oktober nicht mehr auf 2000m Höhe gewesen), wanderten wir auf Empfehlung der Hüttenwirtin noch in einer halben Stunde zur Fernerzunge des Langtauferer Ferners (ca. 2450m). Dabei folgt man dem Gletscherlehrpfad bis zur alten Moräne, steigt diese etwas abschüssig hinab (T3) und geht über den Vorbereich des Gletschers mit vielen Bächen und Gerinnseln zum blauen Gletschertor. Auf denselbem Weg ging es dann zurück zur Hütte, wo ein leckeres 4-Gänge-Menü auf uns und die etwa 12 anderen Gäste wartete. Der Abstecher zum Ferner nimmt insgesamt etwa eine Stunde und 100 zusätzliche Höhenmeter in Anspruch.

2. Tag: Weißkugelhütte - Vorderer Schmied - Weißkugelhütte - Melag (4:30h; T4-, I):
Nach unruhiger Nacht (die Weißkugel-Aspiranten machten ab vier Uhr morgens Rabatz im Lager) wurden wir am Morgen von der Hüttenchefin mit der Aufgabe bedacht, das alte Gipfelbuch auf dem Schmied durch ein neues zu ersetzen. Die zwei Schweizer, die das Buch am Vortag schon hinauf bringen sollten, hatten den Gipfel aus mir nicht bekannten Gründen nicht erreicht.
Von der Hütte folgt man dem Höhenweg für wenige Meter Richtung Melag, bis rechts der gut markierte "Adlersteig" zum Schmied abzweigt. Über mäßig steiles Schrofen- und Grasgelände (T3) geht's aufwärts bis zu einer Senke wenig unterhalb eines Gupfes ("Falginkopf", 2809m). Nun wird es etwas anspruchsvoller; der teils bröselig-rutschige Steig leitet durch Felsgelände mit Seilsicherung am Ende einer Rinne zum Westgrat hinauf. Diesen Teil hatte ich aufgrund des noch recht feuchten und rutschigen Geländes mit z.T. schlechten Griffen als recht problematisch in Erinnerung, meiner Meinung nach ist die Einstufung als T4- somit gerechtfertigt.
Über bzw. leicht neben dem Westgrat gelangt man in nun besser zu gehendem Blockgelände zum höchsten Punkt des Vorderen Schmieds (3122m), zum GK trennen einen nun noch etwa 30 Höhenmeter Abstieg. Das Kreuz (mit Bank) befindet sich am Südabbruch des Schmieds und bietet einen tollen Blick auf die Langtauferer Gletscherwelt rund um Weißkugel, Bärenbartkogel und Co. und einen eindrücklichen Tiefblick auf die 600 Meter tiefer liegende Weißkugelhütte. Der Aufstieg von der Weißkugelhütte dauert etwa 1:45 Stunden.
Nachdem wir unsere Mission erfüllt und die Gipfelbücher ausgetauscht hatten, stiegen wir über den östlichen Adlersteig (Mark. 2A) ab. Dazu geht man vom GK geraude aus weiter nach Südosten in eine breite Senke (bei den "Milanzen"). Von dort über ein Meer voller Felsen und Blöcke (auf die Haxen aufpassen!) ostwärts, bis sich der Steig auf ca. 2820m nach Süden wendet. Über Schrofen und im unteren Teil Grasgelände gelangt man zum breiten Richterweg, dem man nur noch wenige Minuten bis zur Hütte folgen muss. Alles in allem ist der östliche Teil des Adlersteigs etwas leichter einzustufen als der unangenehmere westliche Aufstieg.
Nach einem Belohnungs-Schlehenschnapserl für den erfolgreichen Austausch des Gipfelbuches wanderten wir über den problemlosen und ausgeschilderten Höhenweg (T2) über die Schafalm  in anderthalb Stunden zurück nach Melag.

Schwierigkeiten:
Melag - Weißkugelhütte:T2 (Wanderweg)
Weißkugelhütte - Fernerzunge: T3 (anfangs Wanderweg, später Steinmännchen)
Weißkugelhütte - Schmied via westl. Adlersteig: T4-, I (Schrofen- und Blockgelände, teils rutschig, eine Stelle gesichert)
Schmied - Weißkugelhütte via östl. Adlersteig: T3+ (Blöcke, Schrofen- und Grasgelände)
Weißkugelhütte - Melag: T2 (problemloser Höhenweg)


Fazit:
Der Schmied ist eine vorzügliche Aussichtskanzel über der Weißkugelhütte, der auf einem leidlichen Steig ohne Gletscherberührung erklommen werden kann. Direkt gegenüber die markante Weißkugel, die "heimliche Königin der Ötztaler Alpen" und davor die Bärenbartkögel, die allesamt ihre immer noch recht eindrucksvollen Gletscher gen Tal senden. Trotz des überschaubaren Anstiegs von der Hütte sollte man den Schmied nicht unterschätzen; man bewegt sich in alpinem Gelände in über 3000m Höhe fort, ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit und vor allem Trittsicherheit sind Grundvoraussetzung. Sicher wäre der Schmied aufgrund der "nur" 1300 Hm auch an einem Tag zu schaffen, jedoch kann ich jedem empfehlen, noch einmal in der urtümlichen Weißkügelhütte mitsamt Halbpension zu nächtigen, bevor sie in absehbarer Zeit durch einen modernen Neubau ersetzt wird.


Tourengänger: Fabse_94


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Kommentare (2)


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alpensucht hat gesagt: Gut zu wissen,
Gesendet am 6. August 2016 um 20:13
dass die Weißkugelhütte nochmal besucht werden sollte! Da gibt's ja noch so einige schöne Routen in der Gegend.

Danke für die schönen Bilder - Erinnerungen werden wach an Juli 2012, als ich leider nur kurz dort war. Irgendwie taugt mir das Langtauferer Tal besonders.

Grüße

Fabse_94 hat gesagt: RE:Gut zu wissen,
Gesendet am 7. August 2016 um 13:03
Ein bisschen Zeit hast Du wohl noch, denn laut der Hüttenwirtin ist der Neubau wohl (erst) in 2-3 Jahren fällig (er wurde wohl schon verschoben). Über den Sinn oder Unsinn des Projektes lässt sich sicherlich streiten, aber da möchte ich nicht näher drauf eingehen.
Aber wenn es in der neuen Hütte auch so einen coolen Lastenaufzug für das Essen und Trinken gibt, will ich mal nicht meckern ;).
Das Langtauferer Tal bietet wirklich interessante Ziele, auch für Nicht-Bergsteiger. Es war zwar mein erstes, aber bestimmt nicht mein letztes Mal dort.

Grüße


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