Dossen (3138m), Rosenhorn (3688m) & Ränfenhorn (3255m)


Publiziert von أجنبي , 3. August 2016 um 01:35.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:29 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3100 m
Abstieg: 1760 m
Strecke:Mürvorsess – Rohrmatten – Schmallauigädmer – Schrätteren – Illmestein – Enzen – Fleschen – Dossenhütte SAC – Dossensattel – Dossen – Ränfenjoch – Rosenlauigletscher – P. 3643 – Rosenhorn – P. 3643 – Rosenlauigletscher – Ränfenhorn – Gauligletscher – P. 2589 – Chammliegg – Gaulihütte SAC
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Mürvorsess
Zufahrt zum Ankunftspunkt:-
Unterkunftmöglichkeiten:Dossenhütte SAC bzw. Gaulihütte SAC
Kartennummer:LK 1:25.000: 1230 Guttannen

Vor zwei Jahren brachen wir am Dossensattel unsere Tour aufs Rosen- bzw. Ränfenhorn ab und begnügten uns mit der geglückten *Begehung des Dossengrats. Über Nacht hatte uns damals das Wetter unerwartet einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Resultat: Raureif, Eis und Schnee. In der selben Konstellation wie damals wollten wir es nun nochmals versuchen. Da wir via Gaulihütte absteigen wollten, starteten wir diesmal beim grossen Parkplatz im Ürbachtal.

 

Der Aufstieg zur Dossenhütte hat es in sich: Satte 1800 Höhenmeter sind zu meistern. Bis Illmestein eine ziemlich angenehme Sache, doch sobald der rauschende Wyssenbach überschritten ist, wird es richtig steil. Immerhin wartet in Enzen ein gemütliches Pausenplätzchen mit Brunnen, um frische Kraft zu tanken. Spätestens bei P. 1880 wird das Gelände wieder gemütlicher. Der Wanderweg folgt kleinen Bächlein. Hier verbringen die Schafe den Sommer. Die Gegend lädt zum Verweilen ein.

 

Als Schlüsselstelle des Hüttenzustiegs kann das Felsband auf 2500m bezeichnet werden. Zuvor führt der Weg eine steile Geröllhalde hoch, die bei unserer Begehung im oberen Bereich noch mit Altschnee zugedeckt war. Selbst Ende Juli ist hier also noch mit Schnee zu rechnen und das Mitführen eines Pickels nicht die dümmste Idee, zumal die Rutschbahn doch recht lange wäre. Die Schlüsselstelle ist mit Fixseilen gesichert. Auch unterhalb der Hütte stapften wir im Schnee herum. Nach geschlagenen fünfeinhalb Stunden erreichten wir die Dossenhütte. Mit Relaxen auf der Terrasse war nix: Statt der Sonne dominierten Wolken.

 

Die Hütte war zu gut zwei Dritteln gefüllt. Die meisten Gäste waren Wanderer, von denen wir später viele wieder in der Gaulihütte trafen. Cyrille und ihr Team gaben im Adlerhorst hoch über dem Ürbachtal ihr Bestes. Die Nacht im Massenschlag war erstaunlich schnarchfrei. Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir um 5.15 Uhr als erste Seilschaft auf. Wir waren uns der langen Tour bewusst und verzichteten deshalb auf die erneute Begehung des Dossengrats, um schneller beim Dossensattel zu sein. Etwas ernüchternd war das Wetter: Der Himmel präsentierte sich alles andere als wolkenfrei, weshalb der Schnee nicht richtig durchgefroren war. Optimal ist anders, doch waren wir zuversichtlich, dass wir's diesmal packen würden.

 

Am Dossensattel seilten wir an. Da wir eine Dreierseilschaft bildeten, übernahm S. den ganzen Vorstieg. Zu zweit hätten wir wohl etwa die Hälfte der Kletterei am laufenden Seil gemacht, doch so arbeiteten wir überwiegend mit Standsicherungen. Der Einstieg ist ziemlich brüchig. Etwas Vorsicht schadet hier nicht, insbesondere um keine Seilschaften im Steilhang unterhalb des Dossensattels mit Steinschlag einzudecken. Wir orientierten uns am Topo des Hochtouren-Topoführers „Berner Alpen“ von Daniel Silbernagel und Stefan Wullschleger, das wir als stimmig empfanden.

 

Je höher man klettert, desto besser wird der Fels. Man hält sich meist am Grat oder in dessen Nähe und steigt von Stufe zu Stufe, dies meist im zweiten Grad. Sporadische Bohrhaken bestätigten uns, dass wir auf der richtigen Route waren. Während vom Rosenlauigletscher her ein kalter Wind blies, wärmte uns aus Osten die Morgensonne. Glücklicherweise klettert man meist auf der Sonnenseite. Die Schlüsselstelle des Aufstiegs bildet eine Verschneidung (3a) kurz vor dem Gipfel. Hier findet man einige Bohrhaken. Für den Rest der Tour reichen ein paar Schlingen. Friends können hin und wieder auch angebracht werden. Wir sicherten etwa fünf oder sechs Seillängen (40m-Seil).

 

Nach rund 1h 15min (ab Dossensattel) erreichten wir den Gipfel. Über den Grat (T4+) zogen wir weiter in den Sattel vor P. 3144. Letzteren überschritten wir nicht: Einerseits wollten wir Zeit sparen, andererseits gibt es Interessanteres als einen derartigen Schutthaufen. Etwas unterhalb des Sattels zogen wir die Steigeisen an, erreichten bald die Route durch die Dossen-Westflanke und danach den Rosenlauigletscher. Auch hier hätten wir gerne etwas härteren Schnee gehabt.

 

Nun begann die lange Latscherei zum Fuss des Rosenhorns. In Richtung Ränfenhorn ausholend stiegen wir zur westlichen Wätterlimi hoch. Mittlerweile blies uns ein heftiger, kalter Wind entgegen. Eine Führerseilschaft, die den Dossen umgangen hatte, erspäten wir rund eine Stunde vor uns auf dem Gipfelgrat. Dieser lag halbwegs in den Wolken. Viel Aussicht würde man oben wohl nicht haben. Zuweilen kämpfte ich etwas mit der Motivation.

 

Als bei der Rosenegg der Blick auf den Mittellegigrat, das Schreckhorn und das Ischmeer frei wurde, stieg meine Motivation wieder. Über eine steile Flanke stiegen wir auf die Schneekuppe, die den Beginn des SO-Grats des Rosenhorns markiert. Bald deponierten wir die Steigeisen, denn nun standen wir wieder auf Fels. Im Nachhinein gesehen hätten wir hier auch Seil und Pickel deponieren können. Es folgte der wirklich einfache Gipfelgrat, den ich doch etwas schwieriger oder ausgesetzter erwartet hatte. Die Kraxeleinlagen sind selten, kurz und einfach. Zuweilen weicht man etwas in die SW-Flanke aus. Um 11.15 Uhr, exakt sechs Stunden nach Abmarsch in der Dossenhütte, erreichten wir den Gipfel des Rosenhorns und freuten uns, dass uns dank des Windes wenigstens ab und zu Aussicht gewährt wurde.

 

Wirklich gemütlich war es auf dem Gipfel jedoch nicht. Zudem waren wir uns bewusst, dass uns noch ein langer Abstieg zur Gaulihütte blühte, der durch den weichen Schnee nicht besser würde. Immerhin kamen wir besser vorwärts als erwartet und standen rund eineinhalb Stunden später bereits auf dem Ränfenhorn. Dessen Besteigung bietet keinerlei Schwierigkeiten. Hier rasteten wir nun ausgiebig.

 

Gespannt stiegen wir danach Richtung Gauligletscher ab. Aus dem Führer wussten wir, dass die Orientierung nicht gerade einfach würde und hofften auf möglichst viel Schnee. Zunächst peilten wir P. 2995 an. Wir stiegen östlich davon in den Kessel ab. Nun kam die eigentliche Krux: Der Abstieg zum Gletscher. Direkt neben dem Bach erspähten wir Steinmännchen und beschlossen nach einigem Zögern, ihnen zu folgen, obschon die Sache von oben nicht gerade aussichtsreich ausschaute. Bald überschritten wir den Bach und siehe da: Wenige Meter links davon führten Steinmännchen über Felsstufen in die Tiefe. Danach waren noch ein paar Dutzend Meter im Geröll zu absolvieren und schon standen wir auf dem Gletscher.

 

Nun wartete eine lange, eintönige Gletscherlatscherei auf uns, die durch die prächtige Kulisse immerhin etwas aufgewertet wurde. Alle drei von uns waren das erste Mal im Gebiet. Die nächste Herausforderung lautete, den Gauligletscher an der richtigen Stelle zu verlassen. Auf ca. 2560m erspähten wir auf den vom Gletscher geschliffenen Felsen Steinmännchen und weiter oben blau-weisse Markierungen. Nun war Vertrauen in die Schuhsohlen gefragt. Was zunächst etwas heikel aussah, entpuppte sich als einfacher Aufstieg. Gekrönt wurde dieser alsbald mit einem erfrischenden Bad im Seelein nordwestlich von P. 2589.

 

Bis zur Gaulihütte wartete noch ein gutes Stück Weg auf uns. Immerhin ist dieser gut markiert und problemlos zu finden. Allerdings steigt man zunächst noch etwas in die Höhe, bis es nach dem Propeller der 1946 abgestürzten Dakota endlich in die Tiefe ging. Eine Stunde später, gegen 17.15 Uhr, erreichten wir die Gaulihütte. Inklusive Pausen waren wir zwölf Stunden unterwegs. In den folgenden Stunden bewegten wir uns nur noch so viel, wie nötig war, denn am Folgetag blühte uns neben dem Hangendgletscherhorn noch der lange Abstieg ins Tal.


Tourengänger: أجنبي


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