Alpinerunning Zinalrothorn Solo


Publiziert von jakobme , 2. August 2016 um 18:35.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:30 Juli 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 9:15
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2600 m
Strecke:23.2 km
Unterkunftmöglichkeiten:Zeltplatz Zermatt

[Disclaimer: Dieser Bericht soll kein direkter Ansporn zu Nachahmung sein sonders schildert nur meine Unternehmungen und soll eventuell inspirieren]

Nach meiner Tour aufs Rimpfischhorn zwei Tage vorher fühlte ich mich wieder ausgeruht und hoffentlich etwas besser akklimatisiert. Also war das Zinalrothorn als nächstes Ziel geplant.
Da man ja immer wieder von Stau im Felsteil unterhalb vom Gipfel liest und, da ich den Firngrat im Abstieg nicht zu spät passieren wollte habe ich mich diesmal für einen sehr frühen Start um 2:15 Uhr entschieden.
Direkt nachm aufstehen noch etwas fröstelig war ich kurze Zeit später schon in T-Shirt und Shorts in Richtung Rothornhütte unterwegs. Nach etwa 2:20 Stunden hab ich diese erreicht und dort wärmere Kleider sowie den Klettergurt angezogen. Die ersten Seilschaften die den Rotgrat angingen waren etwa eine Stunde vorher von der Hütte gestartet aber die meisten Seilschaften auf der Normalroute sind auch etwa dann los. Der Gletscher bis zum Wasserloch war perfekt gefroren und auch ohne Steigeisen super griffig und ich habe diese erst für die Schneefelder oberhalb des Felsbandes angezogen. Beim Firngrat zu Punkt 3912 hatte ich alle vor mir gestarteten Leute überholt und hatte dann alle Kletterstellen für mich alleine. Auch wenn ich überhaupt kein Morgenmensch bin und damit auch kein Fan von Sonnenaufgängen muss ich sagen, dass das schon kein schlechter Platz war bei der Kulisse.
Der Fels was trocken und ein Genuss zu klettern und da alles super fest ist auch gut alleine machbar (solange man den Schwierigkeitsgrat sicher beherrscht). Die ungefähre Routenführung war mir klar und die teilweise vorhandenen Schlingen und Bohrhacken weisen einem ja auch etwas den Weg, jedoch finde ich es bei der Tour klasse, dass sie weder übertrieben markiert noch gesichert ist. So habe ich mich zwar ein paar mal leicht verstiegen jedoch war der Abenteuerfaktor einfach höher und es hat super Spass gemacht.
Eine dieser Stellen war der Gendarm kurz vor der oft beschriebenen Kanzel. Viele Steigeisenspuren führten nach rechts (in Aufstiegsrichtung) wo es jedoch extrem exponiert ist und der Weiterweg nicht ganz klar. Auf der linken Seite ist es auch etwas exponiert (wenn auch es nicht gerade 600m senkrecht runter geht) und nicht ganz klar. Im Endeffekt bin ich dann gerade rüber geklettert was wahrscheinlich etwa ein IVer ist aber dafür überhaupt nicht exponiert. Danach schön auf dem Band rechts an der Kanzel vorbei und schon war ich aufm Gipfel. Für den gesamten Aufstieg ab Zermatt hab ich etwas mehr als 5 Stunden gebraucht und etwa 2,5 Stunden ab der Hütte.
Nach einer etwa 15 Minütigen Gipfelrast habe ich mich dann wieder an den Abstieg gemacht. Da ich kein Seil mit genommen hatte war abklettern angesagt was ich aber eh in diesem Schwierigkeitsbereicht (und bei guten Bedingungen!) bevorzuge. Gleich hinter der Kanzel kam mit der erste Bergführer mit Kunde entgegen welche den Gendarm tatsächlich auf der im Aufstieg rechten Seite passierten also bin ich diesmal auch da durch. Etwas Nervenkitzel ist das bei der Exposition schon jedoch habe ich dann gesehen, dass es direkt da einen Fixpunkt mit Schlinge hat also konnte ich mich mittels einer Bandschlinge selbstsichern und es konnte eigentlich nichts passieren. Es sind aber schon ein paar komische IIIer Züge und ein grosser Spreizschritt nötig. Auf der Biner-Platte kamen mir dann andere Seilschaften entgegen welche mich aber immer direkt vorbei gelassen haben und so musste ich nirgends gross warten. Wenn jedoch einer 3er Seilschaft an einer entgegenkommende 3er Seilschaft vorbei will kann ich mir jedoch schon vorstellen, dass das ziemlich zu Stau führen kann. Der Firngrat und der Gletscher waren dann immer noch schön fest, sodass der weitere Abstieg bis zur Hütte dann recht zügig ging. Zeitlich war der Abstieg nur unwesentlich schneller als der Aufsteig wobei ich mich aber auch überhaupt nicht beeilt habe sondern noch ein paar nette Unterhaltungen mit den entgegenkommenden Bergsteigern hatte. Einige waren etwas überrascht, dass ich mit Turnschuhen unterwegs war aber niemand hat sich negativ darüber geäussert was ab und zu schon mal vor kommt.
Bei der Hütte habe ich dann noch mal meine Flaschen gefüllt und die lange Hose ausgezogen bevor ich zurück ins Tal gejoggt bin. Insgesamt habe ich für den Auf- und Abstieg 9:10 Stunden gebraucht und war rechtzeitig für ein Mittagsschläfchen wieder aufm Zeltplatz.


Die Ausrüstung die ich für die Tour benutzt habe:
- Trailrunning-Schuhe (Salomon Sense Pro 2 aber spielt eigentlich keine Rollte welche. Ich hab welche mit flacher Sohle genommen, da ich auf Schnee eh die Steigeisen anziehen kann und der Rest entweder klettern oder Wanderweg ist)
- SealSkinz Wasserdichte Socken (Für den Teil auf Schnee. Meiner Meinung nach ist die Kombination um Welten besser als GoreTex Schuhe, da kein Schnee oben rein kommen kann und man atmungsaktive Schuhe mit normalen Socken für den trockenen Auf- und Abstieg hat.)
- Kahtoola KTS Steigeisen
- Leichtpickel
- Helm
- Camp Alp Racing Klettergurt plus 2 Bandschlingen und 2 Karabiner
- Salomon Peak 20 Rucksack (gross genug aber mit dem Tragsystem eines Laufrucksacks viel besser zum laufen und mit praktischen Flaschen und Fächers für Snacks auf der Vorderseite. Die Pickelhalterung musste ich jedoch selber dran modifizieren.)
- Shorts und ne lange Softshell Hose für den oberen Teil.
- winddichte Jacke
- Handschuhe, Mütze, Sonnenbrille, etc.

 

Tourengänger: jakobme


Galerie


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Kommentare (3)


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dominik hat gesagt:
Gesendet am 2. August 2016 um 20:26
Top Sache!

Kondition wäre bei mir ebenso vorhanden, nur der Mut zum Ausführen fehlt (noch). Gerade das ungesicherte Klettern im vierten Grad mit Trailschuhen stelle ich mir irgendwie knackig vor... Aber vielleicht geht Probieren auch über Studieren :-)

Könnte sein, dass am Montag ein ähnlicher Bericht (wenn auch alpintechnisch weniger anspruchsvoll) von mir hier bei Hikr erscheinen wird. Habe da seit ein paar Tagen eine Idee...

Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. August 2016 um 21:09
coole sache. turnschuhe und steigeisen hab ich schon. der rest ist für mich aber unerreichbar. so kann ich nur lesen, staunen und gratulieren.

nb: mit sealskinz hab ich die erfahrung gemacht, dass die membran bei gröberer beanspruchung nicht lange hält. stattdessen nehm ich neoprensocken aus dem tauchshop.

Sputnik Pro hat gesagt: Hut ab!
Gesendet am 2. August 2016 um 21:34
Gratuliere dir zur grandiosen Besteigung! Das Zinalrothorn habe ich auch in bester Erinnerung, ein herrlicher Berg!



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