Corn Suvretta 3072 m - Corn Margun 3034 m - Eine wilde Überschreitung bei Nebel


Publiziert von Ivo66 Pro , 1. August 2016 um 18:17.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum: 1 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 950 m
Abstieg: 950 m
Strecke:Alp Güglia - Valletta dal Güglia - Fuorcla Chamuotsch - Corn Suvretta - Corn Margun - Fuorcla Margun - Valletta dal Güglia - Alp Güglia
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Die beiden im Sommer kaum besuchten Gipfel Corn Suvretta und Corn Margun hoch über dem Julierpass auf der Engadiner Seite sind durch einen ziemlich zerhackten und brüchigen, etwa einen Kilometer langen Grat miteinander verbunden, dessen Überschreitung ein kleines, aber lohnendes Abenteuer ist.

Erhält der etwas höhere Corn Suvretta im Winter durch Skitourengänger öfters Besuch, fristet der Corn Margun das ganze Jahr hindurch ein Mauerblümchendasein. Nicht aus Mitleid, sondern aus Liebe zu ihm, haben wir vor drei Jahren auf seinem Haupt ein Gipfelbuch deponiert. Bis heute finden sich darin allerdings erst 15 Einträge, wobei deren 9 von uns selbst stammen. Unser heutige Eintrag war der erste in diesem Sommer, der letzte stammt von meiner Winterbegehung im März dieses Jahres. 

Etwas schöneres Wetter haben wir uns für die heutige Gratüberschreitung schon versprochen, doch die vielen Restwolken wollten sich nicht den Prognosen entsprechend bald verziehen. Im Gegenteil: Hingen die Wolken zu Beginn noch hoch über den Gipfeln, schienen sich dieselben in hartnäckigen Nebel zu verwandeln und hüllten bald einmal die höheren Bereiche ein. Nur ab und zu bestand für kurze Zeit Hoffnung auf etwas Sonne und blauen Himmel.

Wie fast immer waren wir auch heute ganz alleine im weitläufigen Gebiet unterwegs, da weit und breit kein Wanderweg Ortsunkundige dazu verleitet, die Schönheit dieser wilden Bergwelt zu erkunden. Als auf der Fuorcla Chamuotsch sich von Süden einige blauen Löcher am Himmel bemerkbar machten, waren wir guter Dinge, bald bei Sonnenschein das herrliche Gipfelpanorama auf dem Corn Suvretta geniessen zu können. Doch der Nebel aus dem Oberhalbstein machte diesen Wünschen rasch ein Ende.

Sofort traten wir die Gratüberschreitung Richtung Corn Margun an, die wie immer spannend verlief und natürlich auch bei dichterem Nebel keine Orientierungsprobleme bereitet. Kurz vor dem zweiten Gipfel schien der blaue Anteil am Himmel nochmals zu dominieren beginnen, doch war auch diese Hoffnung sofort in Keime erstickt. Aber es war mehr als ein Trost, dass das Gipfelbuch den Winter unbeschadet überstanden hatte. Zum vierten Mal hintereinander trugen wir uns darin ein.

Kurze Zeit begleitete uns dann doch noch etwas Sonne im Abstieg, aber insgesamt müssen die heutigen Prognosen als Reinfall bezeichnet werden; der Sommer 2016 ist aber seiner Linie treu geblieben: Der August hat so begonnen, wie der Juli geendet hatte.

Routenbeschreibung:

Alp Güglia - Fuorcla Chamuotsch (T3)
Beim kleinen Parkplatz an der Julierpassstrasse bei der Alp Güglia überquert man die Passstrasse und überquert ein kleines Brücklein. Gleich anschliessend steigt man das Valletta dal Güglia hinauf, wobei man mit etwas Aufmerksamkeit auf einen Pfad trifft, der im Aufstieg rechts des Bachs hinaufführt. Auf einer Holzbrücke wird der Bach zu Beginn einer ziemlich flachen Ebene wieder nach links gequert. Der Pfad verliert sich bald einmal.

Man wandert einfach weiter im Talboden und umgeht grosszügig die Felsbastion "Il Nes" auf der Westseite und hält sich dann nach Nordosten gegen die Fuorcla Chamuotsch zu.
 
Fuorcla Chamuotsch - Corn Suvretta (T4)
Über den Südostgrat steigt man beliebig auf den höchsten Punkt. Man kann einige Gratabschnitte umgehen. Im oberen Teil verliert sich der Grat in der Gipfelschutthalde.

Corn Suvretta - Corn Margun (T5)
Zunächst wandert man über den langen, im oberen Teil gut begehbaren Grat weiter in westlicher Richtung. Nach einigen Kletterstellen, wobei man sowohl in die Nord- als auch Südflanke ausweicht, erreicht man bei P. 2972 m den tiefsten Punkt im Verbindungsgrat zwischen den beiden Gipfeln.

Der Aufstieg von P. 2972 m über den Ostgrat zum Corn Margun erfordert dann nochmals beherztes Zupacken in oft ausgesetztem Gelände. Einige Zacken umgeht man in der abschüssigen, schuttigen Südflanke, kehrt aber baldmöglichst wieder zum Grat zurück. In Gipfelnähe wird das Gelände wieder gemütlicher. Den letzten Steilaufschwung begeht man von Vorteil direkt über die Gratschneide und sollte sich nicht zu sehr von Ausflügen in die dort sehr brüchige Nordflanke verleiten.

Corn Margun - Fuorcla Margun (T5)
Ganz kurz über den Westgrat und bald durch die Südflanke, immer nahe der Gratfelsen, stiegen wir zur Fuorcla Margun ab.

Fuorcla Margun - Alp Güglia (T3)
Im weiteren Abstieg ist man in der Routenwahl ziemlich frei. Wir nutzten bestmöglich die sanften Altschneefelder und hielten in gutmütigem Gelände auf das Valletta dal Güglia zu, wo wir auf der Aufstiegsroute zum Ausgangspunkt zurückwanderten.

Tourengänger: Ivo66, Lena

Galerie


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