Spannende Wanderung zur Dossenhütte (2663m)


Publiziert von Chrichen Pro , 19. September 2016 um 17:52.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:17 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:ca. 6-8 km pro Weg (gemessen und geschätzt)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug bis Meiringen, Postauto bis "Rosenlaui, Glescherschlucht"
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(Gleicher Weg umgekehrt)

Wie ein Adlerhorst liegt die Dossenhütte auf dem Grat zwischen Gstellihorn und Dossen. Der Normalzustieg zur Hütte von der Rosenlaui her führt durch eine imposante vom Gletscher geschaffene Landschaft. Die letzten 600 Höhenmeter bieten fast durchgängig anregendes Alpinwandergelände, was den Aufstieg besonders spannend macht. Aus diesen Gründen wollte ich diese Hütte schon länger einmal zusammen mit Aichen besuchen.

Vor dem eigentlichen Start lief es zunächst einmal nicht ganz nach Plan. Zwar war für unser verlängertes Wochenende hervorragendes Wetter vorhergesagt, wegen dem Schlechtwetter der Vortage soll der Hüttenweg aber noch von Neuschnee bedeckt gewesen sein. Nach einem kurzen Telefonat mit der Hüttenwartin am Freitag Nachmittag entschieden wir uns schliesslich, die Wanderung um einen Tag zu verschieben.

Geplant haben wir Auf- und Abstieg auf dem gleichen Weg. Alternativ bietet sich ein Abstieg ins Ürbachtal an. Dieser ist einfacher aber länger. Zur Zeit unseres Besuchs (Tourendatum) soll es noch ein etwas heikles Schneefeld auf diesem Weg gegeben haben. Im Rucksack hatten wir nebst dem üblichen Zeug das Gstältli für beide mit ein paar Schlingen und Karabiner, ein kurzer Pickel und ein leichtes 30m Seil. Das ist eigentlich ziemlich overdressed. Geübte Alpinwanderer können den Weg guten Gewissens ungesichert begehen. Die Schwierigkeiten sind nicht überaus hoch, beim Schlussaufstieg jedoch anhaltend im gehobenen T4-Bereich. Der Pickel war wie erhofft nicht nötig.


Tag 1: Aufstieg via Hüttenweg ab Rosenlaui Gletscherschlucht

Rosenlaui Gletscherschlucht - P.1487 - P.1673 (T2)
Bis anhin war die Rosenlaui für mich ein unbeschriebenes Blatt. Schon bei der Anreise mit dem Postauto zeigt sich, dass dies ein ganz schöner Fleck ist. Da wir gemächlich wandern wollen, starten wir bereits um 9 Uhr morgens bei der Haltestelle Rosenlaui, Gletscherschlucht.

Als erstes besichtigen wir die lohnende Gletscherschlucht (kostenpflichtig). Auf gut ausgebauten Steigen geht es begleitet vom tosenden Wasser durch die tief eingeschnittene schmale Schlucht hinauf. Imposant sind die vielfältig geschliffenen Gesteinsformationen. Die Gletscherschlucht kann nur im Aufstieg begangen werden. Sie stellt zugleich einen effizienten Weg dar, den P.1487 zu erreichen, wo ein Tisch mit Bänklein zu einer ersten Pause einlädt.

Über einen hervorragend ausgebauten Wanderweg mit zahlreichen Stufen geht es nun durch Wald hinauf zum P.1673. Zusammen mit der Engelhornhütte ist die Dossenhütte gut angeschrieben. Ziemlich zu Beginn überquert man einige ehemals vom Gletscher glattgeschliffene Felsplatten und kommt dabei in den Genuss eines ersten Ausblicks hinauf zum Rosenlauigletscher.

P.1673 - P.2068 (T3)
Beim P.1673 trennen sich die Wege zu den beiden Hütten, und wir folgen dem mit "Dossenhütte" angschriebenen wbw-Wegweiser ins Tal hinein. Der Pfad verläuft in einigem Abstand mehr oder weniger parallel zum anfänglich tief eingeschnittenen Bach und ist nach wie vor unschwierig. Allmählich wird die Landschaft wilder. Gras und Bäume weichen Steinen und Felsen. Der Bach rückt näher an den Weg. Nachdem ein Weilchen lang nur wenig an Höhe gewonnen wurde, geht es nun wieder etwas steiler durch die vom Gletscher geprägte Landschaft hinauf. Tosend fliesst das Gletscherwasser über eine geneigte Felsstufe hinab. Noch laufen wir im Schatten der gigantischen Felswände der Engelhörner, aber schon kurz nach der Stufe erreichen wir wieder die wärmende Sonne. Ab und zu werden wir überholt, einmal von einer grösseren Gruppe, die im selben Postauto war. Auf einem glatten Stein direkt am Bachlauf machen wir eine längere Rast und begutachten den weiteren Weg über die östliche Seitenmoräne hinauf zum P.2068.

Von hier aus scheint der Aufstieg zum P.2068 kurz, tatsächlich fehlen aber noch ca. 200 Höhenmeter. Die Felsbarriere jenseits vom P.2068, über die der weitere Weg führen wird, scheint schier unüberwindbar. Winzig klein sind Leute zu erkennen, die unterhalb davon pausieren.

Nach unserer Rast geht es weiter durch zunehmend steiniges Gelände der Möräne entgegen. Mitten durch einen Einschnitt führt der nur noch stellenweise erkennbare aber gut markierte Weg hinauf. Es kommt erstmals ein Feeling von T3 auf. Nach dem kurzen schweisstreibenden Aufstieg gelangen wir schliesslich in das kleine Tälchen östlich des Moränenschutts, durch das der Weg nun weiter hinaufführt. Etwas zu früh steigen wir zur Moräne hoch und gehen mehr oder weniger auf deren Grat weiter hinauf, bevor wir wieder auf den viel besser zu begehenden offiziellen Weg treffen. Auf der westlichen Seite bricht die Moräne recht steil in haltlosen Schutt ab. Im Zickzack führt der Pfad weiter nach oben zum Plateau beim P.2068. Hier kann man nochmals gut eine kleine Pause machen, bevor es richtig losgeht. Die grössere Gruppe von vorhin macht sich gerade auf den Weiterweg, als wir ankommen.

P.2068 - Rosenlauibiwak - Dossenhütte (T4+, I)
Ab P.2068 beginnt nun der anspruchsvolle Teil des Hüttenzustiegs. Über die folgenden 600 Höhenmeter werden die Schwierigkeiten mehr oder weniger anhaltend im T4-Bereich bleiben. Wir versorgen die Stöcke und ziehen vorsorglich den Klettergurt an.

Ein kleines unschwieriges Schneefeld muss noch überquert werden, um zum Einstieg der klettersteigartigen Passage zu gelangen, die die bevorstehende Geländestufe linksseitig von einem kleinen Wasserlauf überwindet. Es geht rasch zur Sache, wobei dieser spektakuläre Abschnitt komfortabel mit zahlreichen Drahtseilen, einigen Stiften und z.T. künstlich geschaffenen Tritten ausgerüstet ist. Zwei Leitern helfen kurze Steilstufen zu überwinden. Hier ist es stellenweise recht feucht, was erhöhte Vorsicht verlangt. Insgesamt ist die Passage dank der zahlreichen Installationen gut zu schaffen. Schneller als erwartet befinden wir uns wieder im einfachen Gelände und folgen dem breiten Pfad bis zum Rosenlauibiwak, welches sich auf ca. 2330m Höhe an den Fels schmiegt. Hier gibt sich erneut eine gute Möglichkeit für eine landschaftlich schöne Pause. Die Eisabbrücke des Rosenlauigletschers beeindrucken und das Gletschervorfeld lässt sich gut einsehen. Kurz vor dem Rosenlauibiwak kann man schon einen Blick hinauf zur Dossenhütte erhaschen, die hier horizontal nur noch gut 400m entfernt ist, aber ca. 350m höher liegt.

Beim Rosenlauibiwak sind die Schwierigkeiten bei weitem nicht vorbei. Steil ziehen die Markierungen ungefähr dem unscheinbaren NW-Grat folgend empor. Manchmal gibt es gute Wegspuren, manchmal darf gekraxelt werden. Die Hände kommen öfters zum Einsatz. Hie und da helfen Drahtseile, vor allem bei leicht exponierten Querungen. Im Gegensatz zum unteren Teil sind aber weite Strecken im steilen Kraxelgelände ohne die Hilfe von Fixseilen zu bewältigen. Wir bewegen uns eher langsam und werden ab und zu von anderen Hüttenbesuchern überholt. Grund zur Eile gibt es keinen, es steht noch viel Zeit zur Verfügung. Das Gelände ist in der Regel gut gestuft und griffig. So macht das Kraxeln viel Spass. Vom befürchteten Neuschnee ist fast nichts mehr übrig geblieben.

Obwohl es steil in die Höhe geht, zieht sich der Weg erstaunlich in die Länge. Endlich erreichen wir die oft fotografierte ausgesetzte Querung mit Drahtseilsicherung. Danach bewegt man sich ein Weilchen lang vermehrt in der westlichen Flanke, bis schliesslich der nun deutlich ausgeprägte Grat erreicht wird. Während dem Aufstieg präsentiert sich das Gstellihorn zunehmends eindrücklich und fotogen. Einige der schmalen Gratpassagen sind bestens mit Stahlseilen gesichert. Ab und zu muss auch frei gegangen werden. Noch einmal geht es kurz in die Westflanke, bevor die Hütte definitiv in greifbare Nähe rückt. Wir fühlen uns von der Hüttenterasse aus beobachtet, denn wohl als letzte Gäste treffen wir glücklich und zufrieden ein.

Die Dossenhütte ist eher klein, relativ frisch renoviert und für ihre Grösse gut ausgesattet. Die Bewirtung ist äusserst freundlich. Gleich bei unserer Ankunft erhalten wir eine kleine Führung. Das Zimmer mit dem Massenlager ist hübsch in Abteile mit Raum für ca. drei Personen unterteilt. Wir erhalten zu zweit ein Abteil. Das Abendessen ist währschaft fein. Sogar einen Salat gibt es nach der Suppe. Abends nach dem verdienten Bier mache ich noch einige Fotos vom Sonnenuntergang, bevor es ins Bett geht.


Tag 2: Abstieg auf gleichem Weg

Dossenhütte - Rosenlauibiwak - P.2068 (T4+, I)
Am nächsten Morgen frühstücken wir um 7 Uhr und starten kurz nach 8 Uhr. Wir haben uns definitiv entschieden über den Aufstiegsweg abzusteigen. Die meisten Gäste wählen hingegen den Weg ins Ürbachtal. Wir bewegen uns vorsichtig und lassen uns viel Zeit für Fotos. Der Abstieg geht ganz gut, ist aber recht anstrengend und fährt in die Beine. Wir sind kaum schneller unterwegs als beim Aufstieg am Vortag. Von oben kommend, kriegt man nochmals einige neue Einblicke in die Landschaft und den abwechslungsreichen Weg. Auch bergab zieht es sich. Umso mehr freuen wir uns, als wir das Rosenlauibiwak erreichen und eine ausgedehnte Pause einlegen können. Der restliche Weg bis zum P.2068 ist dank der zahlreichen Installationen ganz angenehm. An einer besonders steilen und ausgesetzten Stelle sichere ich Aichen kurz mit dem Seil. Beim P.2068 ist der Zauber schliesslich vorbei, und wir stellen uns auf einen gemütlichen weiteren Abstieg ein.

P.2068 - P.1673 - P.1487 - Rosenlaui, Gletscherschlucht (T3, T2, T1)
Weiterhin auf bekanntem Weg geht es wieder über und an der Moräne vorbei ins Tal hinab und bis zum P.1673. Mehrmals treffen wir auf Leute, die zur Hütte aufsteigen. Der Weg hinunter zum P.1487 ist stärker bevölkert. Die vielen liebevoll geschaffenen Treppenstufen sind eine grosse Erleichterung für die müden Beine. Vom P.1487 aus geht es dieses Mal über den breiten Wanderweg hinunter zur Postautohaltestelle. Dieser Weg ist auch ganz hübsch. Wir beeilen uns etwas und erreichen haargenau das Postauto.


Der Besuch der Dossenhütte war für uns ein tolles Erlebnis. Die eindrückliche Landschaft, der spannende Hüttenweg und die Gastfreundschaft auf der Hütte hinterliessen viele gute Erinnerungen. Ich würde schätzen, dass sich der Zustieg eher im oberen Bereich von T4 bewegt und habe deshalb ein T4+ vergeben. Es ist aber durchaus möglich, dass die Länge der anspruchvollen Passagen eine höhere Schwierigkeit vortäuscht als tatsächlich vorhanden. Wirklich schwierig ist der Weg nie, man bewegt sich aber über weite Strecken in sehr steilem Gelände. Besonders beeindruckt haben die Eisabbrücke des Rosenlauigletschers und das Gstellihorn.

Tourengänger: Chrichen, Aichen


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Kommentare (3)


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Stevo47 Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. September 2016 um 22:04
Herzliche Gratulation zu dieser wunderbaren Tour! Die Qualität deiner Fotos ist wieder mal erstklassig mit einzigartigen Perspektiven. Das Gstellihorn hast du ja schön in Szene gesetzt :-). Viele Grüsse, Steve

Chrichen Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. September 2016 um 07:49
Hi Steve!
Die Wanderung zur Dossenhütte war wirklich klasse und hat die Erwartungen sogar übertroffen. Insgesamt habe ich gut 1000 Fotos gemacht, wovon vermutlich deutlich über 200 vom Gstellihorn waren :-)
Viele Grüsse, Christian

amphibol Pro hat gesagt: Super Bilder!
Gesendet am 20. September 2016 um 15:26
..und eine wahrhaft schöne Tour an einem der schönsten Flecken im Berner Oberland! Die Bilder sind ausserordentlich! Gratuliere dir herzlich...
Viele Grüsse
amphibol


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