Biwak auf dem Hochgamatsch 2368m


Publiziert von Bergamotte Pro , 13. Juli 2016 um 16:05.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 6 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Spitzmeilengruppe 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2550 m
Abstieg: 2550 m
Strecke:35km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis P. 1343, Weiterfahrt bis Kohlschlag-Vorsäss möglich (Alpbeiz)
Kartennummer:1154 / 1155

Das Spitzmeilengebiet bildet flächenmässig die grösste Region im Glarner Alpinführer. Es dominieren weitläufige Weideflächen, die sich prima zum Wandern eignen, auch wenn das Wegnetz nicht gerade dicht ist. Gipfel lassen sich beinahe nach Belieben sammeln, was ich auch rege gemacht habe. Die grosse Rundtour wollte ich unbedingt mit einem Biwak kombinieren. Das steigerte zwar den Erlebniswert, dafür musste ich das ganze Gepäck den langen zweiten Tag mitschleppen...

Um 15:30 starte ich bei der Skihütte P. 1343 eingangs Cholschlag. Abstellplätze finden sich reichlich der Strasse entlang. Zunächst folgt die Querung zur Schönhalden (1484m) rüber. Das im April 2015 abgebrannte Berghaus befindet sich mittlerweile im Wiederaufbau. Der Seilbahnbetrieb ruht zurzeit wegen Revision, ansonsten könnten ÖV-Benutzer die Rundtour natürlich auch hier starten. Auf jeden Fall findet die Trödelei hier ihr Ende und es folgt der - wegen des Gepäcks - strenge Aufstieg zur Guscha (2132m). Dieser ist durchgehend markiert, nach Regenfällen aber schnell sumpfig. Gipfelkreuz und Buch befinden sich übrigens auf einem aussichtsreichen Vorsprung weiter nördlich. Ursprünglich wollte ich hier biwakieren. Das wäre auch insofern lohnender gewesen, als der Hochgamatsch die meiste Zeit in den Wolken steckte. Doch ich wollte die zweite Tagesetappe nicht unnötig verlängern - im nachhinein ein weiser Entscheid.

Nach der Guscha steigt der Wanderweg direkt nach Mädems ab. Drum ziehe ich weglos über die Weiden zum Steingässler (2251m). Die wenig markante Kuppe verdankt ihre Bekanntheit vornehmlich den Skitürlern. Das Plateau östlich vom Hochgamatsch lässt sich von hier direkt über den Grat erreichen, wie Trittspuren unmissverständlich anzeigen. Das übersteigt kaum die leichte Kraxelei (T4). Hier oben findet sich massenhaft Platz für ein Biwak. Wobei ich zunächst noch dem Hochgamatsch (2368m) einen Besuch abstatte. Der längliche Gipfelaufschwung lässt sich am einfachsten von Osten angehen, je nach Linie T4+ bis T5. Oben eine positive Überraschung: Auf dem relativ schmalen Gipfelgrat finde ich neben einem grossen Stein eine genügend grosse Fläche für meinen Biwaksack. Für ein Zelt wär's aber definitiv zu eng. Also zurück aufs Plateau, wo ich zuvor den Rucksack deponiert hatte.

Für einmal muss ich mir den Sonnenuntergang ans Bein schmieren. Von der prognostizierten Aufhellung im Laufe des Nachmittags ist noch wenig zu spüren, meist beträgt die Sicht hier oben gar nur wenige Meter. So wird's auch rasch empfindlich kühl, dank Daunenjacke aber gut auszuhalten. Als ich dann nachts um 1:30 aus dem Sack spähe, haben sich die Wolken komplett verzogen und ich kann ausgiebig den Sternenhimmel bewundern. Innert einer Viertelstunde zähle ich vier Sternschnuppen. So viele Wünsche muss man erstmal parat haben...

Nach dem Reinfall am Vorabend erscheint mir der Sonnenaufgang um 5:30 hinter der Gauschla umso perfekter. Nach einem üppigen Frühstück verstaue ich meine Ware, der Sack erscheint mir weiterhin viel zu schwer, und steige den Gipfelaufschwung wieder nach Nordosten ab. Wer Richtung Hochfinsler will, umgeht den Hochgamatsch nun auf dessen Westseite. Das ist ausgesetzt, aber gute Wegspuren sind vorhanden (T4). Anschliessend steigt man wenig nach Osten ab, um das kecke Zigerchnörri zu umgehen. Nach dieser Traverse steigt man über steiles Grasgelände zur Ostflanke vom Hochfinsler (2421m) auf, wo man auf den Wanderweg trifft (Route, T5-).

Vom Gipfel führen Wegspuren nach Süden, wo man unschwierig zum Heuloch absteigt (ganz kurz T4). Nun folgt die Überschreitung der Apöstel: ein sanfter Grat, unterbrochen durch einige Felsaufschwünge. Diese lassen sich allesamt begehen falls gewünscht. Um die Chläuifurggla (2200m) zu erreichen, muss dann kurz nach Westen ausgewichen werden. Von hier könnte man bereits zum Guli hochsteigen, doch der folgt später. Stattdessen quere ich mehr oder weniger weglos zur Lauifurggla (2192m) rüber, wo ich das Gepäck deponiere - was für eine Erleichterung. So lassen sich die folgenden vier Gipfel zügig begehen. Der Hüendri (2322m) lässt sich komplett überschreiten, auf der Ostseite erreicht man da eine moderate T5. Der Schlenker zum Oxni (2394m) und dessen Westgipfel verläuft durchgehend über (wenig begangene) Bergwanderwege, heikel (um diese Uhrzeit) im Moment noch ein hartes Altschneefeld vor der Siezfurggla.

Ab Siezfurggla gewinnt man anschliessend direkt den Schnüerligrat (2454m). Aus der Distanz sieht das sehr stotzig aus, tatsächlich übersteigt man im gut gestuften Grasgelände nie die T4. Der felsige Grat Richtung Rotrüfner bietet willkommene Abwechslung im sonst so sanften Spitzmeilengebiet. Meist kann man direkt auf dem Grat verbleiben. Einfach mal probieren, wird's zu schwierig, können die Aufschwünge auch umgangen werden (T4-T5). Der kurze Wiederaufstieg zum Rotrüfner (2462m) entpuppt sich aus der Nähe als ebenfalls gut machbar (T4). Schwache Trittspuren führen geschickt durchs Felsgewirr.

Wer wie ich zurück zur Lauifurggla (2192m) muss, braucht den Schnüerligrat kein zweites Mal zu überschreiten. Das Alpgelände auf dessen Ostseite ist unschwierig zu begehen. Mein Gepäck liegt nach wie vor gut versteckt in der Furggla. Wer soll's in diesem abgelegenen Winkel auch mitgenommen haben!? Nun wieder schwer beladen steige ich den breiten Grasrücken zum Guli (2355m) hoch, einsamer Endpunkt einer Wintertour im 2011, als ich noch mit Schneeschuhen unterwegs war (klick). Auf dem benachbarten Walachamm (2342m) folgt endlich die lang erwartete Mittagsrast inklusive Powernap. 

Im Abstieg zum Madseeli kreuze ich erstmals an diesen zwei Tagen Mitwanderer. Beim Hüttli P. 2159 werden offenbar Getränke verkauft, darauf verlassen sollte man sich nicht. Ab Madfurggl besuche ich die wenig markanten Galans Chöpf (2183m). Obschon der Wannenchopf von hier nur noch zehn Minuten entfernt wäre, kehre ich um. Irgendwie fehlt mir plötzlich die Lust und Zwang in Verbindung mit einem Hobby wäre nun wirklich fehl am Platz (auch wenn ich dieser Erkenntnis nicht immer gleich treu bin...). Gemäss LK führt eigentlich eine Wegspur von Süden auf den Madchopf (2236m). Doch diese ist komplett zugewachsen, weshalb der Gipfel meist von Ost nach West überschritten wird. Anschliessend in wenigen Minuten via Rundchopf (2162m) zum Hüenerchopf (2171m) rüber. Dieser erhält auch im Sommer regelmässig Besuch, obschon die Zustiege meines Erachtens wenig attraktiv sind.

Was nun folgt, ist ewig lange Gwaggelei zurück zum Ausgangspunkt. Die Variante via Broch (2064m), Tamons-Vorsäss und Cholschlager Bach (P. 1302) kann ich nicht wirklich weiterempfehlen. Aber Alternative gäbe es nur eine, der weglose Direktabstieg ins Cholschlag, zumindest von oben auch nicht das Gelbe vom Ei. Anschliessend schaue ich noch beim Sennenbeizli auf Kohlschlag-Vorsäss vorbei. Das ist ganz hübsch gemacht und bei den Einheimischen äusserst beliebt, auch wenn man im engen Tal keinerlei Aussicht geniesst.


Zeiten
1:40  Guscha Kreuz
1:10  Hochgamatsch (Biwak)

1:25  Chläuifurggla
1:10  Oxni
1:05  Rotrüfner
1:05  Walachamm
1:00  Hüenerchopf
1:45  Cholschlag P. 1343



Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (3)


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Primi59 hat gesagt:
Gesendet am 14. Juli 2016 um 18:45
Hoi Bergamotte
wiederum schöne Bilder und toller Bericht und was ich ganz gut finde bei dir, ist jeweils der Routenverlauf, so weiss man gleich von Anfang an wo du dich rumtreibst ;-)

Lg
Priska

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. Juli 2016 um 21:24
Danke Primi. Ja, den eingezeichneten Routenverlauf erachte ich als äusserst nützlich. Schliesslich sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Ich wünschte, mehr Users würden sich die Mühe nehmen.
Leider wurde die Software Swiss Map online eingestellt und ich fand bisher keinen valablen Ersatz. Drum verwende ich bis auf weiteres map.geo.admin, was sehr mühselig und weniger schön ist.

Primi59 hat gesagt:
Gesendet am 16. Juli 2016 um 20:12
Finde das mit dem Routenverlauf sieht doch gut aus auch wenn das Andere für dich einfacher wäre... ja es gibt nicht viele die jeweils die Routen bildlich aufzeichnen, also ich schätze dies..
Lg Priska


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