Wetterhorn (via Willsgrätli)


Publiziert von xaendi , 12. Juli 2016 um 22:24. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 9 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Strecke:Abzw. Gleckstein - Ischpfad - Glecksteinhütte ( - Wyssbachorn - ) - Chrinnengletscher - Willsgrätli - Wettersattel - Wetterhorn - Wettersattel - Wellhornsattel - Dossensattel - Dossenhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Grindelwald, Abzw. Gleckstein
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Rosenlaui, Gletscherschlucht
Unterkunftmöglichkeiten:Glecksteinhütte, www.gleckstein.ch; Dossenhütte, www.dossenhuette.ch

Das Wetterhorn ist eine beeindruckende Berggestalt - mächtig erhebt es sich über Grindelwald. Schon viel hatte ich davon und darüber gelesen und gehört, und immer schwang bei mir einiges an Ehrfurcht mit. Dieses Wochenende durfte ich nun diesen schönen Gipfel zusammen mit Danny besteigen.

Wir fahren früh morgens am Zürichsee los und gelangen mit dem Zug via Bern und Interlaken nach Grindelwald. Von dort geht es mit dem (kostenpflichtigen) Bus weiter in Richtung Grosse Scheidegg. Schon jetzt können wir das Objekt der Begierde bestaunen. Das Wetter ist schön - der Sommer ist definitiv angekommen - und wir sind besten Mutes. Bei der Haltestelle "Abzweigung Gleckstein" steigen wir aus und wandern auf dem Hüttenweg los in Richtung Glecksteinhütte.

Zustieg Glecksteinhütte (T3)
Der Aufstieg lässt keine Langeweile aufkommen: Keck schlängelt sich der Hüttenweg (auch "Ischpfad" genannt) durch die Flanken des Wetterhorn-Massivs, und die Tiefblicke auf die Schlucht des Oberen Grindelwaldgletschers sind beeindruckend. Weiter oben erfolgt der obligate Durchstieg durch den Wasserfall des Wyssbachs - die kühle Dusche ist heute willkommen. Je näher wir dem Gletscher kommen, desto imposanter sind die Blicke auf die Eismassen, die jederzeit in die Tiefe zu stürzen scheinen. Auf ca. 2050m, wo der Weg sich nach Norden dreht, geniessen wir die Mittagspause und die schönen Ausblicke. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Glecksteinhütte, die sich auf einer etwas flacheren Anhöhe befindet.

Klettern Wyssbachhorn (III)
Da der Nachmittag noch jung ist und wir noch voller Tatendrang sind, gehen wir am Nachmittag noch etwas Klettern. Unweit der Hütte befindet sich das Wyssbachhorn, über dessen Westgrat eine leichte Klettertour (bis im 3. Grad) führt. Zudem befinden sich in der Südflanke des Wyssbachhorns ein paar gut abgesicherte Kletterrouten, von denen wir eine ausprobieren. So geht der Nachmittag schnell vorbei, und schon bald ist Nachtessen angesagt.

Unterdessen verdecken Wolken die Sicht auf das Wetterhorn und den Aufstiegsweg von morgen. Später klärt es jedoch wieder auf, und wir können die Route einsehen.

Aufstieg Wetterhorn via Willsgrätli (ZS, III-)
Am nächsten Morgen weckt uns der Wecker um 3 Uhr. Nach dem Frühstück gehen wir bald los und wandern im Schein der Stirnlampen in Richtung Chrinnengletscher. Die Temperaturen sind jetzt bereits hoch, und wir kommen schon ins Schwitzen, bevor es hell wird. Bald einmal erreichen wir eine durchgehende Schneedecke beim Chrinnengletscher und können über diese zum Frühstücksplatz aufsteigen. Dazu montieren wir die Steigeisen, was jedoch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Nach dem Frühstücksplatz geht es auf dem Felssporn nordwestlich des Willsgrätli hoch, und wir suchen nach einer geeigneten Stelle, um die nasse Rinne (auch Dräckloch genannt) zu überqueren. Andere Seilschaften tun dies schon weiter unten; wir steigen über teilweise brüchiges Gelände schräg nach oben und gelangen so erst später auf das Willsgrätli. Auf dem Grat angekommen, ist der Fels wieder kompakt und sehr schön zu klettern. Die Aussicht auf die umliegenden Gipfel - von Schreckhorn über Fiescherhörner bis zu Mönch und Eiger ist toll. Weiter oben, bei einer etwas ausgesetzteren Stelle, möchte ich gerne ans Seil, und so klettern wir die letzten Höhenmeter zum Wettersattel am laufenden Seil.

Am Wettersattel empfängt uns die Sonne. Nach einer kurzen Pause geht es nun mit den Steigeisen weiter über den weichen Schneegrat und die Flanke hoch zum Wetterhorn-Gipfel. Die Sonne leistet ganze Arbeit und lässt uns ordentlich schwitzen. Zwei Stellen im Fels gilt es zu überwinden, und vier Stunden nach unserem Start in der Hütte dürfen wir alleine auf dem Gipfel stehen. Zwei weitere Seilschaften befinden sich bereits wieder im Abstieg; andere Seilschaften noch am Willsgrätli.

Abstieg über den Wellhorn- und Dossensattel zur Dossenhütte (WS, T5)
Nun gilt es auch für uns, wieder nach unten zu steigen. Die Flanke durch den aufgeweichten Schnee bewältigen wir teilweise im Rückwärtsgang. Zurück beim Wettersattel nochmals eine Pause, bevor es dann in grossen Schritten über den gut eingeschneiten Gletscher zum Wellhornsattel geht. Diesen überqueren wir und steigen auf den Rosenlauigletscher hinunter. Auf ca. 2900m halten wir die Höhe und queren unter den Dossensattel. Zusammen mit einer anderen Seilschaft steigen wir durch die sehr brüchige Rinne hinauf zum Sattel. Dieser Übergang empfiehlt sich im Nachhinein nicht; zu brüchig ist das Gestein, und man riskiert andere Seilschaften mit Steinschlag zu gefährden. Für den Übergang in die Dossenhütte steigt man wohl besser unter den Gipfel des Dossens und umgeht diesen auf der Westseite; dort soll es einen Pfad geben.

Der Abstieg vom Dossensattel zur Dossenhütte ist schnell erzählt: Bei den aktuellen Verhältnissen kann in grossen Schritten durch die Ostflanke (nach Süden ausholend) abgestiegen werden. Schon wenig später sitzen wir auf der Terrasse der Hütte und können auf den gemeinsamen Gipfelerfolg anstossen.

Am nächsten Morgen geht es weiter, über den Dossengrat und den Dossen, und weiter zum Ränfenhorn und über den Rosenlauigletscher nach unten.

Tourengänger: xaendi, leuti


Galerie


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T4 WS+ III
11 Jul 16
Dossen - Ränfenhorn · leuti

Kommentare (2)


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orome hat gesagt:
Gesendet am 13. Juli 2016 um 05:57
Klasse Fotos! Das Wetterhorn ist schon ein feiner Gipfel, der den großen Nachbarn um nichts nachsteht! Da gibts wirklich einen Weg durch die Dossenflanke, sogar mit bissl Bohrhaken. Wir sind da zufällig drauf gestoßen, weil die Rinne so fürchterlich ausgesehen hat. Im aktuellen Hochtourenführer hats für die Stelle sogar ein Foto ;)

Grüße
Manu

leuti hat gesagt: Danke...
Gesendet am 13. Juli 2016 um 06:04
... für den ausführlichen Bericht und deine Begleitung. Lass uns bald wieder etwas unternehmen.
Lg Danny


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