Rund um die Lobhornhütte + Schwalmere


Publiziert von Bikyfi , 12. Juli 2016 um 09:39.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Berner Voralpen
Tour Datum: 3 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 2320 m
Abstieg: 2320 m
Strecke:Sulwald Lobhörner Schwalmere Lobhornhütte Sulegg
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Interlaken Wilderswil Isenfluh (parken) Sulwald

Am Sonntag setzte ich mich um 14 Uhr in den kleinen Lift in Isenfluh und fuhr die paar Minuten steil hinauf Richtung Sulwald um dort meine Tour zu den Lobhörnern zu beginnen.

Ich erkundigte mich zuvor an der Talstation, wie denn die Schneelage zur Schwalmere hinauf ist. Ich konnte nicht einschätzen ob noch Schneeschuh erforderlich sein könnten. Zuvor hatte ich via Webcam des Schilthorns einen Blick auf den Südhang der Schwalmere geworfen, dieser war Schneefrei. Doch von der Nordseite her konnte ich nirgends Infos finden. Der Kassierer am Lift meinte, mit Schneeschuhen geht keiner mehr rauf. So ließ ich Gamaschen als auch Schneeschuh im Auto zurück, löste mein 24h Ticket für den Parkplatz und fuhr mit der Gondel hinauf. Innerhalb kürzester zeit waren etliche Höhenmeter überwunden, so steil fährt die Seilbahn rauf.
In Sulwald genoss ich die ersten Ausblicke auf das EMJ-Massiv und marschierte kurzerhand los, den Schildern Richtung Lobhornhütte folgend. Das Wetter war freundlich mit mässiger Bewölkung.

In Sulwald auf 1910m angekommen teilte sich der Weg in mehrere Richtungen. Mein Ziel Schwalmere lag noch 3h30 entfernt. Also gings ab dann über Grashänge ins steilere Gelände, hier und da noch etwas matschig. Nach dem Sausegg gabelte sich der Weg nochmals auf und wuzrde zusehends steiler. Der Matsch wich ausgetretenen Pfaden mit Geröll und den ersten Flecken Schnee die zu queren waren. Kurz nach 16Uhr erreichte ich die Lobhörner. Was für ein Anblick. Ich kann mir nicht helfen, aber sie erinnern mich immer wieder an die Drei Zinnen in den Dolomiten. So majestätisch und allein stehend ... toll.

Ich querte die Lobhörner direkt unterhalb auf dem schmalen, teils ausgesetzten Pfad. Über mir waren Kletterer unterwegs. Der erste Blick Richtung Schwalmere wurde nun frei und welch Überraschung: Schnee soweit das Auge blickte.
Ich beschloss vorerst auf das kleine Lobhorn zu steigen und eine kleine Pause zu machen. Von hier oben konnte ich dann auch die Lage sondieren welchen Weg ich wählen würde zum Gipfel der Schwalmere. Wie beim verrückten Labyrinth suchte ich mir einen Weg durch die einzelnen Geröllfelder mit möglichst kurzen Passagen durch Schnee, unwissend bis dato wie trittsicher dieser war.

Ab dem kleinen Lobhorn gings wieder ein Stück weit bergab. Ein Schafherde geriet fast in Panik als ich mich an Ihnen vorbei schlich. Das war dann auch das letzte Stück Zivilisation was ich für ein paar Stunden sah. Ab diesem Punkt war ich allein und bahnte meinen Weg durch den Schnee, der doch überraschend griffig war.

Ich beobachtete immer wieder wie schnell sich die Schleierwolken von Süden über den Gipfel der Schwalmere in den Himmel schraubten. Das Wetter hielt trotzdem weiter beständig. Ich zog meine Bahnen, teils gestützt durch den markierten Wanderweg auf meinem GPS um nicht ganz den Faden zu verlieren. Ich stand zuletzt in einem steilen Geröllfeld etwa 200m unter dem Gipfel und erkannte, ich müsste unterhalb einer Schneeabbruchkante ein grosses Schneefeld queren um zum Sattel zu kommen. Eine alte Spur von Vorgängern deutete darauf hin.

Ich schaute den steilen Nordhang hinauf zum Gipfel und beschloss diesen als Weg für mich. Ich wollte nicht hinüber zu Sattel durch den steilen Schneehang unterhalb des Schneebretts laufen. Der Schutthang schien machbar, ich startete den letzten Anlauf. Etwa 80m unterhalb vom Gipfel ging es nur noch auf allen Vieren weiter, die kleine Kletterstelle die ich ausgemacht hatte war doch schwieriger zu erreichen als ich vermutete. Jeder Schritt musste 2x gemacht gemacht werden weil alles ins rutschen geriet worauf man sich stellte. Umso schöner war das Gipfelglück als ich dann endlich oben war nach etwas herumplagen. Aus diesem Grund auch die Einstufung als T4. Mein Pech: Es zog direkt nach dem Gipfelsturm zu, erst hier oben  spürte man die steife Brise. Ich hielt mich nur rund 20 Minuten hier auf und brach um 18:30 Uhr den Rückweg an. Ich nahm den Pfad hinab Richtung Sattel. es ging zügig voran. Das geplante Hohganthorn und Drättehorn war zum greifen nah ... müssen aber auf das nächste Mal warten.

Am Sattel angekommen lief ich Richtung Abbruchkante im Schnee um einen Weg hinunter zu suchen. Dieser war dann an einer 40-45° steilen Stelle gefunden. Die kürzeste Strecke, gerade hinunter, lief sich wie auf einer Treppe. Mit jedem Schritt rammte ich die Ferse in den griffigen Schnee der die rasanten Tiefenmeter immer toll abfederte. Eh ich mich versah war ich schon wieder im Anstieg zu den Lobhörnern. Der Blick zurück zum Gipfel zeigte eine dichte Suppe aus Nebel. Mein geplantes Biwak abzubrechen war offenbar die richtige Entscheidung.

Ich telefonierte kurz in die Lobhornhütte, fragend um ein Nachtlager. Kein Problem sagte Irene, die Hüttenwartin. Gegen 21 Uhr setzte ich mich auf die Terrasse der Hütte und genoss die letzten hellen Minuten des tages bevor ich mich im Schlaflager bettete.

Am folgenden Morgen um 7 Uhr gab es ein reichhaltiges Frühstück mit einem wolkenlosen Blick auf EMJ in der Morgensonne. Balsam für die Seele.

Ich entschied, wohl wissend das mein Parkticket noch bis kurz vor 14Uhr gilt, noch eine Runde zu drehen. So brach ich 8 Uhr auf um das Sulsseewli herum, machte ein paar Fotos und stieg anschliessend auf die Sulegg 2412m hinauf. Wieder war ich allein, genoss herrliche Tiefblicke auf die Hütte, Richtung Interlaken zwischen Brienzer und Thuner See und auf die Lobhörner. Ich folgte nach 30 Minuten Panorama anschauen dem Grat Richtung Lobhörner. Hier und da eine ausgesetzte Stelle und ein steiles Schneefeld unter dem kleinen Lobhorn machten nochmal Spass zum Schluss.

Der Weg zurück hinter den Lobhörnern war nun schon bekannt für mich, ich ließ mir Zeit im Abstieg und kam gegen 12:15 Uhr in Sulwald am Lift an.


Tourengänger: Bikyfi


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