Via Sunnigberg zum Nünalphorn


Publiziert von D!nu , 13. Juli 2016 um 20:07.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:10 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Östliche Melchtaler Alpen   CH-NW   CH-OW   Stanserhornkette   Ruch- und Walenstockgruppe 
Zeitbedarf: 8:00

Ein unvergesslicher Tag in den Bergen erwacht. Wir marschieren von Grafenort zur Talstation der "Mettlenbahn". Die Bahn führt in zwei Etappen zum "Eggendossli" hinauf. In der Mittelstation "Hinterrugisbalm" hat man eine gute Sicht auf den in den Wald geschnittenen Tunnel, durch welcher die Seilbahn fährt. Oben angekommen wandern wir zum "Lutersee" und von dort hinauf auf die "Bockialp", wo wir auf eine Gruppe Gamsen treffen. Diese verflüchtigen sich sofort in zwei Richtungen. 

Oben auf dem Sattel "Bocki-Rotisand" angekommen machen wir unsere Mittagspause und montieren unsere Kletterutensilien. Gemächlich geht es in der Dreierseilschaft am kurzen Seil über den ersten Grathügel. Der Grat wird zunehmend schwieriger. Nach dem ersten Abstieg stehen wir vor der ersten Schlüsselstelle, einer ca. 6 Meter hohen Wand, die es zu bezwingen gilt. Diese haben wir - mit Schlingen & Expressen gesichert - bestens gemeistert. Anschliessend geht es auf dem Grat weiter, der Trampelpfad jeweils gut sichtbar. Stellenweise geht es über ausgesetzte Felspassagen, welche mit Grasbüscheln gespickt sind. Das Gestein oft griffig, manchmal aber auch lose. So hatten wir einige Male einen losen Stein in der Hand. Wenn man weis, dass die Steine nicht immer halten: Geringes Risiko. Auf dem Grat sind uns auch zwei Gamsen begegnet, diese querten den Grat kurzerhand von der einen auf die andere Seite, wie wir einen Fussgängerstreifen überqueren.

Die zweite Schlüsselstelle ist dann auch einfacher als dass sie im Rückblick aussieht. Es handelt sich um den Abstieg vom Sunnigberg, eine ca. 20 Meter hohe, breite Felswand, die auf der westlichen Seite der Front - via Kamin - am einfachsten zu bewältigen ist. Im Rückblick sieht diese Wand sehr Eindrucksvoll aus, so auch die vor uns liegende "Nünalphorn-Nordwand" ;-) Bis zu dieser geht es nochmal über Stock und Stein, der Grat lädt teilweise sogar zu einer Pause ein. Der Schlussaufstieg war dann noch die letzte Schlüsselstelle. Doch auch hier, mitten in der Wand, sieht es einfacher aus als von der Ferne. Trittsicherheit ist auf dem gesamten Grat gefordert, teils klaffen hohe Wände in die Tiefe. Mit dabei hatten wir mehrere Schleifen in zwei grössen, mehrere Friends und ein 50 Meter Seil. Unterwegs trafen wir lediglich auf zwei, schlecht erhaltene Bohrhacken.

Auf dem Nünalphorn hat man ein phänomenales Panorama. Dieses wurde bei unserer Ankunft noch durch einen auf ca. 3000 Metern Höhe kreisenden Bartgeier verschönert. Ein majestätisches Tier. Es deutete darauf hin, dass es einer der jungen Bartgeier war, der vor wenigen Monaten auf der Frutt ausgesetzt wurde, denn er zog immer wieder in Richtung Engstlensee.

Der Abstieg war dann alles andere als erholsam. Über das Juchli gelangten wir in den Geröllkegel hinein, welcher fast bis hinunter zur Wanghütte reichte. Eine spontane Idee - mit dem Trottinett von "Unter Trübsee" nach Engelberg zu rauschen - versüsste den langen Tag in den Bergen.


Tourengänger: D!nu


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Kommentare (4)


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dominik hat gesagt: Top!
Gesendet am 14. Juli 2016 um 08:51
Diese Tour hatte ich seit meinem Besuch auf dem Nünalphorn vor einigen Jahren schon im Kopf. Danke fürs Dokumentieren.

D!nu hat gesagt: RE:Top!
Gesendet am 14. Juli 2016 um 12:04
Bitteschön, die Tour wird für dich ein Genuss sein wenn ich so deine Berichte anschaue ;-) Viel Spass dann!

roger_h Pro hat gesagt: Cool
Gesendet am 14. Juli 2016 um 13:09
Die Tour vor meiner Haustür habe ich auch noch auf dem Radar.
Sie ist übrigens im einigermassen neuen Buch "Engelberg Outdoor Guide" dokumentiert!

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 27. Oktober 2016 um 09:53
nichts für mich - doch spannend, vom Stuhl aus mitzuverfolgen; Gratulation!

lg Felix


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