Klein Melchtal Ost


Publiziert von Bergamotte Pro , 1. Juli 2016 um 18:34.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:22 Juni 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Westliche Melchtaler Alpen   CH-OW 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 2075 m
Abstieg: 2075 m
Strecke:24km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Taliwald, Ausweichstelle 100m westlich von P. 1147 (Weiterfahrt Richtung Arni auch möglich, kein Fahrverbot signalisiert)
Kartennummer:1190 Melchtal

Nun ist er da, der Sommer! Das muss mit einer zünftigen Gipfelrunde gefeiert werden. Vor vier Wochen war ich bereits einmal im Klein Melchtal unterwegs (*klick) und hab dabei auch die Gipfel auf dessen Ostseite bewundert. Grosse Beliebtheit geniesst hier vor allem der Wandelen, doch die Gegend hält weitere Leckerbissen bereit. Tatsächlich können die unbekannten Aussichtsbalkone Vorstegg, Stucklichrüz und Höch Dossen als wahre Geheimtipps bezeichnet werden. Mit Ausnahme des schattigen Schlussabstiegs vom Vorstegg kann die Überschreitung übrigens bereits früh im Jahr absolviert werden.

Es ist gar nicht mal einfach, die Gipfel zwischen Melchtal und Klein Melchtal einigermassen effizient zu überschreiten. Vor allem wenn man den Rämisgütsch berücksichtigen möchte, welcher östlich vom Hauptkamm liegt. Schlussendlich finde ich mit PW-Unterstützung doch eine ganz passable Lösung und starte kurz nach P. 1147 im Taliwald. Tatsächlich könnte man weit Richtung Alp Arni hochfahren, zumindest ist kein Fahrverbot signalisiert. Aber Vorsicht, die Alpstrasse ist sehr eng und streckenweise sind kaum Ausweichstellen vorhanden... Wie meist muss man sich auch hier die lohnende Überschreitung mit einem Erstanstieg verdienen. Dieser verläuft zunächst ohne grossen Höhengewinn über aufgeweichte, wenig begangene Pfade Richtung Norden. Erst bei der Hütte von Chaltibrunnen (1428m) steilt der Weg auf, und zwar richtig. So fliegen die Höhenmeter dahin und bald schon erreiche ich den Grat kurz vor dem Höch Dossen (1877m). Dank seiner vorgeschobenen Lage geniesst man von hier einen herrlichen Tiefblick nach Norden, trotz der eher geringen Höhe unbedingt ein selbständiges Tourenziel. Wieso auf Hikr zwischen einem Haupt- und einem Vorgipfel unterschieden wird, erschliesst sich mir nicht. Bei P. 1885 - dem vermeintlichen Hauptgipfel - handelt es sich in Tat und Wahrheit um eine unbedeutende, namenlose Kote. Das sieht auch der SAC-Führer so.

Genauso unspektakulär präsentiert sich der Hohmad (1934m), eine unauffällige Graterhebung einige Minuten weiter südlich. Gleich anschliessend folgt der Gegenabstieg zur Stockalp, denn einen Besuch vom Stucklichrüz (1802m) lass ich mir nicht entgehen. Auch dieser kleine Aussichtsbalkon (mit umso massiverem Kreuz) bietet einen unverstellten Blick nach Norden. Zurück in der Stockalp beginne ich mit dem Aufstieg Richtung Arnigrat, ab hier blau markiert. Bis zur Grathöhe verläuft der Weg nicht immer deutlich, aber das stört kaum im harmlosen Gelände. Oben treffe ich dann wieder auf gute Wegspuren, welche geschickt über den Arnigrat führen. Schwierig ist das nicht, sofern man trittsicher ist. Einen Sturz in die steilen Flanken möchte man nicht erleben, eine T4- durchaus gerechtfertigt. Unterwegs überschreitet man das Astelhorn (2084m), um wenig später den bekannten Wandelen (2105m) zu erreichen. Dieser wirkt weit weniger markant als seine Nachbarn, zum Beispiel das Wengenhorn (2099m). Die beiden Gipfel lassen sich ohne grossen Umweg kombinieren. Das gilt mehr oder weniger auch für den Hanen (2015m), der eigentlich aus zwei Gipfeln besteht. Das Kreuz befindet sich auf dem tieferen Nordgipfel, ein ebenso formidabler Aussichtsbalkon wie zuvor Stucklichrüz und Höch Dossen.

Zurück im Sattel P. 1940 quere ich höhenneutral durch die Wengenhorn-Südflanke. Im Schlussaufstieg zum Heitlistock (2146m), mehrheitlich dem breiten Grasgrat folgend, macht sich das Pensum langsam bemerkbar. Macht nichts, denn oben ist ohnehin eine ausgiebige Rast angesagt. Mehr als eine Stunde verbringe ich auf dem Gipfel und brutzle in der heissen Mittagssonne - noch ungewohnt in diesem Jahr. Ausgiebig studiere ich die Gipfelriesen auf der Ostseite des Melchtals - allen voran der Huetstock - und schmiede bereits Pläne für deren Begehung. Irgendwann geht jede Faulenzerei zu Ende, sprich ich ziehe weiter. Einem kurzen Abstieg in den Sattel P. 1970 folgen nochmals 100Hm Aufstieg zum Bocki (2073m), weglos, aber unschwierig über dessen grasige Nordostflanke (T3). Gleiches Gelände treffe ich beim Wiederabstieg nach Süden zur Bachegg (1858m) an. Natürlich wäre dieser Schlenker nicht nötig (ausser man peilt Älggi an), doch wenn immer möglich, begehe ich Wege nicht mehrmals.

Von hier blickt man zum Vorstegg (2082m) rüber, an und für sich eine harmlose Weidekuppe zu Füssen des weit prominenteren Heitlistocks. Erstmals oben bin ich aber positiv überrascht: Man geniesst fast noch die schöneren Ausblicke als vom Nachbarn, gerade auch ins Tal runter. Nun verbleibt der Schlussabstieg inklusive einem letzten Gipfelchen. Ursprünglich wollte ich dem Wanderweg folgen. Doch beim Erstaufstieg am Morgen konnte ich von Unterflüe die wilde NE-Flanke relativ gut einsehen - aus der Distanz schien sie begehbar. Das bestätigt sich vor Ort. Der erste Abstieg nach Tumeli erfolgt über den Grat und übersteigt die T4+ nicht. Im zweiten Abstieg verpasse ich vermutlich die ideale Linie und lasse mich zu fest nach Westen abdrängen (zu P. 1959). So gerate ich in eine heikle Querung, T5. Besser ist, man verbleibt auch dort in Gratnähe. Unten läuft das Gelände harmlos aus und wenig später stehe ich auf dem Rämisgütsch (1862m). Der Aufstieg (sprich mein folgender Abstieg) zu diesem Hubel ist wenig ergreifend, der Tiefblick hingegen schon. So wird er denn vorab von Einheimischen besucht. Auch ein Skitürler verirrt sich ab und zu hier hoch. Ja eben, der Abstieg, der gibt nichts her. Man folgt der Fahrstrasse, welche fast bis zum Gipfel führt. Umso froher bin ich, dass mein treues Gefährt im Taliwald und nicht erst ganz unten im Melchtal wartet.

@Bombo: Wie Du siehst, hat das Klein Melchtal - bei schönem Wetter - einiges zu bieten!  ;-)


Zeiten
1:35  Höch Dossen
0:35  Stucklichrüz
1:05  Wandelen
1:10  Heitlistock
1:00  Vorstegg
1:10  Taliwald

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (1)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 1. Juli 2016 um 21:02
Unglaublich, aber wahr :-) Und das Schlimme ist, dass ich mich eigentlich an jede Tour im Detail erinnere, seit ich alpinmässig in die Berge gehe. Kein Gipfel ohne Erinnerung - bis auf die Melchtalrunde. Ich erinnere mich an 3 Dinge: keine Sicht, immer dem Grat entlang sowie der Mittelpunkt der Schweiz. Um so schöner, dass ich die Tour jetzt nochmals "erleben" durfte - wenn auch nur digital. Thx!

Cheers


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