Bettlerkarspitze (2287 m) - Schaufelspitze (2308 m)


Publiziert von gero Pro , 18. Januar 2009 um 12:07.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:17 Juni 2005
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m

Von den Hagelhütten / Rißbachtal (oder alternativ etwas kürzer von der Gernalm / Achenseeseite - dorthin ist es aber dann ein LANGER Rückweg !) geht es zunächst beschildert und markiert bis ins Plumsjoch hinauf.
Dort folgt man einem markierten Steig Richtung Bettlerkar - Schaufelspitze, der um den Brantlkopf westseitig herumführt und dann, zusehends steiler, auf den Vorgipfel der Bettlerkarspitze hinaufleitet. Bis hierher Gehgelände ohne jegliche Schwierigkeiten.

Der nun folgende Übergang auf den Hauptgipfel der Bettlerkarspitze (und auch der Weitergang zur Schaufelspitze) erfordern absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit - kurzum: alpine Erfahrung. Man folgt den verblaßten Markierungen und Pfadspuren, bis man kurz vor dem Gipfel der Bettlerkarspitze an die mit Abstand schwierigste Stelle der Tour gelangt: ein 5m langer Überhang ist mit Hilfe eines herunterhängenden Seiles zu überwunden. Ohne dieses sicher ein oberer IIIer - mit dem Fixseil einmal kräftig und mutig hinpacken, und schon hat man das Hindernis überwunden. Ich habe mich hier mit Brustgeschirr an den Schlaufen des Fixseils selbst gesichert. (Das 2005 etwas vergammelte Seil ist angeblich inzwischen erneuert worden).

So, dann steht man nach wenigen Minuten am kleinen Gipfelkreuz der Bettlerkarspitze.

Der Weiterweg zur Schaufelspitze ist technisch nicht mehr so schwer, aber hochalpin. Es geht immer am Kamm entlang, hier und da wird den diversen Erhebungen ausgewichen. Die schwierigste Stelle kommt nach dem Passieren des tiefsten Punktes etwa in der Mitte des Kammes, dort ist ein Köpfl notgedrungen direkt zu überklettern. Diese Stelle ist ausgesetzt und verlangt etwas Mut - vielleicht Grad II auf 5m Höhe.

Dann geht es nochmals dem Kammverlauf entlang, bis man zuletzt an den Gipfelaufschwung der Schaufelspitze gelangt (kurz davor ist der Kamm sehr schmal und etwas ausgesetzt, aber nicht wirklich schwierig, etwa I). Der Aufstieg hinauf zur Schaufelspitze bewegt sich in gerölligem Einsergelände - nicht schwer, aber etwas unzuverlässig und ausgesetzt.

Der Abstieg von der Schaufelspitze ist nicht schwierig, aber es ist zweckmäßig, wenn man ihn von einer vorherigen Besteigung kennt - so wie dies bei mir der Fall war, da ich die Schaufelspitze als eigenständige Tour im vorherigen Herbst unternommen habe (s. eigener Eintrag).

Insgesamt eine rassige, absolut einsame Unternehmung, die in meinen Augen zu Unrecht gelegentlich als langweilig, mühsam bzw. unlohnend abgewertet wird. Nur: man muß ihr unbedingt gewachsen sein, ein Umkehren ist spätestens nach dem Sattel zwischen Bettlerkar- und Schaufelspitze sehr unzweckmäßig. Wer am Überhang kurz vor der Bettlerkarspitze wirkliche Probleme hat, sollte dort lieber umdrehen!

Tourengänger: gero

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Kommentare (4)


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Chiemgauer hat gesagt:
Gesendet am 6. August 2011 um 16:37
Servus gero, scheint ja eine super Tour zu sein! Steht auch sehr weit oben auf meiner Liste (allerdings bereits über Falzthurnjoch). Vielleicht kannst du mir noch kurz Fragen dazu beantworten.
So wie es sich liest gibt es am Grat diese eine II-Stelle und alles andere ist "leichter"?
Kann man sich im Abstieg leicht verhauen oder ist er eigentlich doch offensichtlich, wenn man etwas Gespür fürs Gelände hat?
Danke,
Hans

gero Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 6. August 2011 um 21:05
Servus Hans,

die technisch schwierigste Stelle ist der Überhang unmittelbar vor dem Hauptgipfel der Bettlerkarspitze. Dort ist aber wohl inzwischen ein neues Seil eingebaut - einfach ausprobieren, man kann zu dieser Stelle schlecht etwas sagen. Notfalls umkehren, das ist hier ohne weiteres möglich.

Dann kommt noch - schon viel weiter drüben Richtung Schaufelspitze - eine IIer Stelle, dort gibt es keine künstliche Sicherung. Man muß sich einfach trauen. Aufpassen, dort ist das Gelände ausgesetzt und etwas brüchig.

Mit am entscheidensten ist der Schlußaufstieg zur Schaufelspitze - er ist technisch nicht schwierig, aber ausgesetzt und etwas bröselig.

Insgesamt ist der Übergang sehr zutreffend als "alpin" zu bezeichnen.

Wenn Du diesen Übergang geschafft hast, sollte der Abstieg von der Schaufelspitze kein Problem für Dich sein. Technische Schwierigkeiten gibt es keine .. das von Dir angesprochene "Gespür fürs Gelände" ist aber notwendig. Vor allem am Schluß, wenn man nach der von Latschen flankierten Rinne in den Wald kommt, geht es ziemlich weglos hinunter - da kann zwar nichts passieren, aber man muß .. naja, zusehen, das man am Schluß bei den Hagelhütten herauskommt. Was aber kein Problem sein sollte, da man ja auf alle Fälle den Forstweg vom Tal richtung Plumsjoch quert. Spätestens dort ist man auf dem richtigen Weg.

Entschuldige, daß ich keine wirklich präzisen Angaben machen kann ... man muß eben alpine Erfahrung in solch etwas abgeschiedenem Gelände mitbringen. Und ein GPS hatte ich damals noch nicht, deshalb ist von mir kein Track verfügbar.

Eines ist aber sicher: es sollte unbedingt trocken und für einige Stunden beständiges Wetter sein. Und an diesen Voraussetzungen hapert es in diesem Sommer gewaltig!

Gruß und viel Erfolg, der Georg

gero Pro hat gesagt: RE: Ergänzung
Gesendet am 6. August 2011 um 21:09
Wenn ich sehe, daß Du den Kleinen Watzmann schon überschritten hast, solltest Du mit Bettlerkar- Schaufelspitze keine Probleme haben. Mir war damals die Schlüsselstelle am Kleinen Watzmann - die kurze, ausgesetzte Kletterei oberhalb der Waldgrenze, wo man über dem unteren Watzmannkar herumturnt - zu heikel. Dort bin ich umgedreht.

Chiemgauer hat gesagt: RE: Ergänzung
Gesendet am 7. August 2011 um 18:17
Danke Georg, für die weiteren Infos! Mit präzisen Angaben ist mir klar, dafür müsste man die Fähigkeiten des anderen kennen.
Wenn ich weiß es ist nur diese IIer Stelle, dann weiß ich was mich erwartet. Gibt ja auch Grate die durchgehend II sind und das ist dann auch nichts mehr für mich.
Gruß,
Hans


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