Gwächtenhorn 3420m - Vorder Tierberg 3091m


Publiziert von Bergamotte Pro , 11. Mai 2016 um 17:50.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 8 Mai 2016
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Steingletscher / Tierberglihütte

Bereits letztes Jahr wollte ich die Susten-Gwächtenhorn-Combinata begehen. Entnervt bin ich damals im kompletten Whiteout auf dem Steingletscher umgekehrt. Auch dieses Mal hatte ich ein paar Fragezeichen bezüglich Wetterentwicklung, denn am Vortag konnte ich beobachten, wie rasch Clariden und Tödi in den Quellwolken verschwanden. Deshalb sollte es heute ein früher Start richten. Das half zwar und die Morgenstimmung auf dem Steingletscher möchte ich nicht missen. Trotzdem hat es nicht gereicht, den Schlussaufstieg zum Gwächtenhorn musste ich im Blindflug absolvieren. Unter diesen Umständen liess ich das Sustenhorn natürlich sausen.

Nach Übernachtung im Alpin Center laufe ich um 5:25 vom Steingletscher (1865m) los. Um diese Zeit herrscht noch relative Ruhe im beliebten Sustengebiet. Zunächst gemächlich ziehe ich zum Chööbärgli hoch. Irgendwann bin ich warm gelaufen und erhöhe das Tempo. Auf dem Steingletscher herrscht eine herrliche Morgenstimmung. Plötzlich taucht vor mir das Gwächtenhorn auf, darüber stahlblauer Himmel. Es scheint der perfekte Tourentag zu werden, gut eingepackt lässt sich auch der kalte Föhn aushalten. Natürlich sind alle Gipfel im Gebiet perfekt eingespurt, der Schnee griffig, die Harscheisen kommen nie zum Einsatz. Als ich kurz vor der 3000m-Linie stehe, geht hinter dem Sustenhorn die Sonne auf. Meine Laune überschlägt sich beinahe.

Und dann, keine zehn Minuten später, bilden sich am Sustenhorn Quellwolken. Wenig später ist der Gipfel komplett verhüllt. Das Gwächtenhorn erhält noch eine letzte Gnadenfrist, ich geb Vollgas. Doch es reicht nicht, auf 3200m verschluckt mich das Whiteout. Ein unangenehmes Gefühl, ohne GPS wäre ich nun umgekehrt. Denn mit der grossen Spalte, die ich vorhin passiert habe, möchte ich keine Bekanntschaft schliessen. Ich überhole eine letzte Gruppe vor mir und spurte die mässig geneigte Ostflanke hoch. Gipfelgefühl gibt's auf dem Gwächtenhorn (3420m) keines, nur ein paar gelbe Flecken im Schnee. Abfellen und langsames Abrutschen der Spur nach. Irgendwann verliere ich sie und muss mich aufs GPS verlassen. Nicht gerade meine Vorstellung von Hochgebirgstouren, aber in Notfällen ist das Gerät wirklich Gold wert.

Natürlich könnte ich das Sustenhorn ebenfalls erzwingen, aber das wären Perlen vor die Säue. Besser wiederkommen und geniessen, wenn die Verhältnisse stimmen. Also Abfahrt zurück zum Steingletscher in der Hoffnung, dass wenigstens der Vorder Tierberg noch freiliegt. Tatsächlich umspielen die Wolken den Gipfel bloss und es ergeben sich immer wieder spektakuläre Ausblicke. Nach einem Schlenker zur Tierberghüttli (2795m) warten nochmals 300Hm Aufstieg. Die sind schnell geschafft und bieten technisch keinerlei Schwierigkeiten. Das gilt auch für den kurzen Fussaufstieg. Die Szenerie auf dem Vorder Tierberg (3091m) ist eindrücklich: ein Kampf der Elemente! Angesichts dessen verschiebe ich die Pause erneut auf später und mach mich an die Abfahrt. Die Wolken und Temperaturen haben eine Auffirnung natürlich komplett verhindert, also ruppige Rally bis zum Chööbärgli, wo die Unterlage aufweicht. Zurück im Steingletscher (1865m) ist erstmal Verpflegung angesagt. Natürlich studiere ich dabei bereits an einem dritten Sustenhorn-Versuch rum...


Zeiten
3:00  Gwächtenhorn
1:30  Vorder Tierberg
0:45  Steingletscher

Tourengänger: Bergamotte

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