Bocktschingel 3068m mit Abfahrt Tüfelsjoch


Publiziert von Bergamotte Pro , 10. Mai 2016 um 23:14.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 7 Mai 2016
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-UR   Claridengruppe 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1410 m
Abstieg: 1870 m
Unterkunftmöglichkeiten:Claridenhütte
Kartennummer:246S (R. 602a, 604, 605)

Die Tour zum Gemsfairenstock mit Abfahrt vom Tüfelsjoch wird ziemlich häufig gemacht, denn die Hänge beim Rot Nossen sind äusserst lohnendes Abfahrtsgelände. Hinzu kommt das landschaftliche Spektakel rund um die hochalpine Claridenarena. An und für sich ist der Übergang am Tüfelsjoch bereits rassig genug. Aber wem das nicht reicht, der besucht vorher noch den nahen Bocktschingel. Über die Steilheit dessen Ostflanke war ich vor Ort dann doch einigermassen überrascht.

Um 6:15 entschwebe ich mit einer Frühfahrt Richtung Fisetenpass (2036m). An den Bergen schätze ich nicht zuletzt die Stille, um diese Tageszeit sowieso. Das hirnlose Geplapper in der Kabine kommt deshalb Folter gleich. Immerhin, Vielschwätzer sind selten Schnellläufer... so hat sich das Problem dann für den Rest des Tages erledigt. Bei meinem ersten Besuch des Gemsfairenstocks lag bis kurz vor den Gipfel dichter Nebel. Drum kommt mir der Aufstieg wie eine neue Route vor. Die weitläufige, wenig spannende Passage zur Steilstelle hab ich zum Glück schnell abgespult. Der Schnee ist herrlich griffig, so dass ich diese gut ohne Harscheisen begehen kann. Über den Lang Firn erreiche ich schliesslich den Gemsfairenstock (2972m), gemeinsam mit einem einheimischen Türler. Das Panorama hier oben zählt nach wie vor zum Besten, was ich bisher erleben durfte. Nicht zuletzt der kühle Föhnwind verhindert, dass ich zu viel Zeit vertrödle. 

So fahre ich via Gemsfairenjoch zum Claridenfirn ab. Vergnügen bereitet das im harten, zerfahrenen Gelände keines. Der Kessel zwischen Tüfelsjoch und Bocktschingel ist schnell erreicht. Letzteren erreicht man - wie auch sonst - über dessen NE-Flanke. Vor Ort muss ich leer schlucken angesichts der Steilheit: 35-40° auf 150m, sehr sichere Verhältnisse zwingend. Wie meist bei heiklen Passagen gebe ich Vollgas und spure äusserst steil den Hang hoch. Im Schlussaufschwung wird das Gehen mit Skiern durch Verwehungen zunehmend erschwert. Also Skidepot 20 Meter unterhalb des Wintergipfels und Fussaufstieg. Der Bocktschingel (3079m) selber kann über einen luftigen Grat erreicht werden. Mit Pickel und Steigeisen wage ich einen Versuch, breche aber an einem Aufschwung nach etwas Wühlerei ab - viel zu heikel. Wenig Glück haben heute übrigens die zahlreichen Clariden-Begeher (die meisten ab Jägerbalm), der Gipfel verschwindet bereits vor zehn Uhr in den Wolken. Was wohl meine Bähnli-Schwätzer dazu meinen!?

Der Steilhang zurück in den Kessel ist passabel zu fahren, weil der untere Teil bereits aufgeweicht ist. Ich versuche möglichst wenig Höhe zu verlieren und quere unterhalb vom Tüfelsjoch. Zu faul wieder anzufellen steige ich die verbleibenden 20 Meter zu Fuss hoch. Was für eine Schnapsidee im nassen Schnee, mit Fellen wäre ich x-Mal schneller gewesen. Nach einer Verpflegungspause steige ich luftig die Eisenbügel hoch. Anschliessend durch Steilschnee ins Tüfelsjoch (2919m). Hier wären Steigeisen kein Luxus gewesen, doch ich hatte es versäumt, sie vor den Bügeln zu montieren und nachher geht das wirklich nicht mehr. Aber natürlich kommen sie für den Abstieg drauf. Dieser wäre zwar mit Drahtseilen gut versichert, doch nicht immer liegen alle frei, so auch heute.

Das Abfahrtsgelände um den Rot Nossen mag wie erwähnt sehr lohnend sein. Die Schneeverhältnisse sind es zurzeit nicht. So würg ich mich halt irgendwie zum Tüfels Fridhof runter, wo langsam Sulz einsetzt. Zehn Minuten vor dem Jägerbalm (1539m) wandern die Skier an den Rucksack. Von dort nimmt mich glücklicherweise ein Glarner Türler zurück zur Talstation auf dem Urner Boden und erspart mir so knapp 30 Minuten Fussmarsch.


Zeiten
1:45  Gemsfairenstock
1:30  Bocktschingel Skigipfel
0:30  Tüfelsjoch
1:15  Jägerbalm

Tourengänger: Bergamotte

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