Gross Windgällen via NE-Flanke mit Föhn und Finnen


Publiziert von danski , 2. Mai 2016 um 20:58.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:30 April 2016
Ski Schwierigkeit: SS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Golzeren Egg - Nossplatten - Schisseneggen - Windgällenhütte - Stäfelifirn - NE-Flanke; Abfahrt dito
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Seilbahn Golzeren, Fahrten auch ausserhalb des Fahrplans mit 5 Franken Zuschlag

Eigentlich wollte ich an diesem Samstag mal nicht in den Schnee, zumal auch die Wetterprognosen mit Föhn eher einen durchzogenen Tag erahnen liessen. Doch dann kam dieser Anruf eines finnischen Kollegen, ob ich Lust hätte etwas "Abenteuerlicheres", sprich steileres in Angriff zu nehmen. Widerspruch war zwecklos und so einigten wir uns auf ein Ziel, das nicht in endloser Ferne zu finden aber doch spannend genug sein sollte: Windgällen NE-Flanke wir kommen!

Dass das Wetter nicht unbedingt auf unserer Seite sein würde, damit rechneten wir, hofften aber insgeheim, dass der Föhn den Himmel bis zum Mittag von Wolken freihalten würde. Ein früher Start war also angezeigt. Pünktlich, wie telefonisch vereinbart mit dem Seilbahnbetreiber, entschweben wir um 05:00 Bristen. Gegen den wirklich fairen Aufpreis von 5 CHF können Fahrten ausserhalb des offiziellen Fahrplans vereinbart werden. Noch in der Dunkelheit schultern wir unsere Skis und machen uns auf den Weg Richtung Windgällenhütte. Schnee liegt an den Südhängen kaum mehr, was den Aufstieg via Hüttenweg erleichtert. Andererseits würden wir auch gerne etwas Last von den Schultern an die Beine verlagern. Nach mehr als einer Stunde skibuckeln, irgendwie haben wir es verpasst die Skis aufzubinden, können wir beim P. 1877m die Skis endlich einsetzen. Die Morgenstimmung ist spektakulär dank vieler Wolken, die bereits um die Gipfel wabern. Eine kurze Rast bei der Windgällenhütte und wir sind bereits auf dem Weg unter die beeindruckende Südwand des Gross Windgällen. Es hat noch viel Schnee und dieser ist oberflächlich tragfähig gefroren, was für schnelles Vorwärtskommen sorgt. Auf dem Stäfelfirn erhalten wir einen ersten Einblick in die NE-Flanke. Verglichen mit Referenzbildern aus anderen Jahren sieht sie sehr gut eingeschneit aus. Wir würden alles fahren können. Der Gipfel ist bereits in dichte Wolken gehüilt und der Wind ist dank Schneefahnen sichtbar. Damit ist die Sicht auf das obere Drittel der nicht allzu langen, aber doch ernsthaften Flanke verdeckt. Dieser Umstand ist zwar nicht besonders förderlich für unsere Motivation, was nichts an unserer Einstellung ändert, das Ding zu knacken. Auf rund 2840m lagern wir Material und bauen auf bootpack-Modus um. Die ersten Schritte sind wenig motivierend. Wir sinken durch die brüchige Kruste weit über die Knie ein. Entlang den Felsen finden wir härteren Schnee, doch immer wieder haben wir weiche Passagen zu bewältigen. Von rechts her kommend gewinnen wir immer leicht traversierend Höhe. Da wo im Sommer oder bei wenig Schnee eine Felsbarriere zu überwinden ist, können wir problemlos traversieren. Nur kurz ist die Schneeauflage dünn und man schart mit den Steigeisen auf den Felsen. Wir steigen ziemlich direkt in der Falllinie des Gipfels hoch. Eine Engstelle im Felsriegel bietet Zugang zum Gipfelschneefeld. Diese Linie dürfte nur bei den derzeitigen Verhältnissen möglich sein, denn alle anderen mir bekannten Begehungen gewinnen den Nordgrat weiter rechts. Das Ambiente ist mit Wind und etwas Spindrift nun durchaus recht abenteuerlich. Steilheit und Exposition nehmen zu, je näher wir dem Gipfel kommen. Tiefblicke sind keine zu geniessen, denn die Wolken haben uns vollständig verschluckt. Rund 20m unter dem Gipfel beenden wir das Unternehmen. Wind und Nebel ersticken unsere Gipfelambitionen im Keim. Der Rückweg wird nicht unbedingt eine entspannte Abfahrt.

Unsere Augen suchen an der Aufstiegsspur Halt, als wir vorsichtig turn an turn reihen. Der Schnee ist decklig und die oberste Schicht gleitet jeweils ab. Flüssiges Fahren ist nicht möglich und jeder turn erfordert Konzentration. Die Schlüsselstelle folgt in Form der kurzen Rinne, die gerade mal breit genug für eine Skilänge ist. Wir rutschen auf griffigem Schnee ab, aber so ganz entspannt gehts auch nicht. Im Mittelteil nimmt die Steilheit ab und die Sicht bessert sich. Auch der Schnee ist deckelfrei und es lässt sich anständig kurven. Das untere Drittel ist wiederum weniger ein Genuss, denn hier erwartet uns eine knusprige Schmelzharschkruste. Wir sind nicht unglücklich als der steile, exponierte Teil unserer Abfahrt endet. Da die Sonne sich nun endgültig zurückgezogen hat, taut der Schnee auf dem Stäfelfirn natürlich nicht. Mehrheitlich ist die Kruste tragfähig, aber man muss bei jedem Bogen auf der Hut sein. Ab ca. 2400m wartet noch etwas Sulz auf uns, aber das Licht ist dermassen flach, dass wir kaum Konturen erkennen. Am meisten Abfahrtsspass kommt nach der Windgällenhütte auf, doch dieser ist kurz und endet bereits beim P.1877m. Auf dem Rückweg binden wir die Skis auf und folgen dem Hüttenweg zurück zur Bergstation der Golzerenbahn, 1395m. Müde aber glücklich über die gelungene Tour geniessen wir die wenigen Minuten des Schwebens hinunter nach Bristen, 832m.

Ich hatte dieses Mal das Vergnügen mit Mika Merikanto unterwegs zu sein. Er ist freischaffender Fotograf und schiesst meines Erachtens geniale Fotos in eindrücklichen Gegenden, die mich immer wieder träumen lassen. Hier findet man einige seiner hervorragend fotografisch dokumentierten Abenteuer: http://mikumerikanto.blogspot.ch/

Tourengänger: danski


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Kommentare (1)


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silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 3. Mai 2016 um 15:14
Als Photographie Liebhaberin werde ich Deine Aufnahmen so nadisna auf Deiner Homepage, bei mikumerikanto.blogspot.ch, Picasa und vimeo genauer zu Gemüte führen.


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