Von Schaffhausen zur Klosterinsel Rheinau und zurück ...


Publiziert von Runner , 10. April 2016 um 21:25.

Region: Welt » Schweiz » Schaffhausen
Tour Datum: 9 April 2016
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SH   CH-ZH   D 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 380 m
Abstieg: 391 m
Strecke:Schaffhausen - Altenburg (D) - Rheinau - Dachsen - Kohlfirst (Feuerthalen) - Schaffhausen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit ÖeV nach Schaffhausen
Unterkunftmöglichkeiten:Div. Hotels in Schaffhausen

 An diesem Samstag soll es wieder einmal eine „heimische“ Runde sein; entlang dem Rhein von Schaffhausen bis Rheinau und über den Cholfirst zurück. Das ergibt schöne und spannende 28 Kilometer mit vielen schönen Ausblicken an interessanten Schauplätzen.

Man legt am Bahnhof in Schaffhausen los und überquert nach den ersten paar dutzend Metern den „Herrenacker“, mitten im Herzen der Stadt. Hier findet alljährlich das „Stars in Town“, ein jeweils prominent besetztes Open-Air, statt. Auch das Theater und das Casino sind hier daheim.  Kurz darauf ist das Nordufer des Rhein erreicht. Wenig ansprechend präsentiert sich die Gegend vom Kraftwerk bis zur Kläranlage Neuhausen und doch ist hier an schönen Tagen fast kein Durchkommen. Wer den Rheinfall zu Fuss besuchen möchte, der bewegt sich hier entlang … Heute ist das Wetter nicht ganz so perfekt und so läuft es sich angenehm und locker bis runter zum Rheinfall.

 

Der Rheinfall gehört zu den drei grössten Wasserfällen in Europa – allerdings auf die Wassermenge und nicht auf die Höhe bezogen. So beträgt die Höhe des Falles gerade einmal 23 Meter, die Breite ungefähr 150 Meter. Bekannt ist der Felsen in der Mitte, welcher mit einem Ausflugsboot erreicht wird und über eine Treppe erklommen werden kann. Ich muss allerdings gestehen, dass ich selber noch nie dort oben war …

Heute ist der Rheinfall ein Touristenmagnet, welcher alljährlich von hunderttausenden Ausflüglern besucht wird. Gemäss Wikipedia sollen es im Jahre 2013 1‘300‘000 (!) gewesen sein. Ob dies heute so wäre, wenn die in der Vergangenheit mehr als einmal auf den Tisch gebracht Nutzungspläne für Wasserkraftwerke zur Ausführung gekommen wären, bleibt fraglich.

Ich lasse den Rheinfall im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen“ und nähere mich dem Weiler „Nohl“. Dieser ist insofern speziell, als er – zur zürcherischen Gemeinde Laufen-Uhwiesen gehörend – auf der Nordseite des Rheins liegt und vollständig vom Kanton Schaffhausen sowie vom deutschen Altenburg (Jestetten) umgeben ist. Oberhalb des Weilers liegt der Nohlbuck, wo sich auch eine hübsche Taverne mit Aussichtsterrasse über dem Rhein befindet. Ist die recht steile Strasse dort hinauf erst einmal bezwungen, befindet man sich auch schon auf deutschem Boden.

Die Gemeinde Altenburg, welche zu Jestetten gehört, wurde wohl schon in Keltischer Zeit auf einer Inselschlaufe im Rhein errichtet. Aus jener Zeit dürfte auch die „Schanz“ stammen, ein Wall, welcher Teil einer grenzüberschreitenden spätkeltischen Siedlung darstellt. Die Fortsetzung der Anlage findet sich auf der Rheinauer-Seite wieder. Altenburg ist rasch durchquert. Was auffällt, sind die vielen Neubauten hier. Ob Altenburg nun vermehrt junge Familien beherbergen wird oder eher zum „Altenheim“ à la Büsingen mutiert, kann ich auf den ersten Blick nicht sagen. Wobei dies kein Seitenhieb sein sollte. Weder gegen die ältere Generation, noch gegen Büsingen.

Wieder am Rheinufer angelangt, muss erst einmal ein guter Kilometer westwärts gelaufen werden, ehe die Rheinbrücke und damit der Grenzübergang erreicht ist. Bei dieser Holzbrücke handelt es sich um eine sogenannte Pfahljochbrücke. Architekturstudenten werden begeistert sein, für mich bleibt es eine Holzbrücke mit Dach und recht schmaler Fahrspur. Ausgelegt ist die Brücke für maximal acht Tonnen – der Schwerverkehr bleibt den Gemeinden Altenburg und Rheinau also erspart. Nach der Querung dieser Brücke steht man vor dem Restaurant „zum Salmen“, ein Fischrestaurant mit Hotelbetrieb. Dienstag und Mittwoch ist Ruhetag. Im selben Gebäude ist auch die Grenzwachtstube untergebracht.

Vorbei am Kraftwerk – der Rhein macht hier eine grosse Schlaufe – führt der Weg ein kurzes Stück bergan, bevor der Wanderweg erreicht wird. Über weite Felder, hoch über dem Rhein, wird das altehrwürdige Kloster nach weiteren zwei Kilometern erreicht. Freilich, man könnte die Strecke abkürzen und die Klosteranlage auf direktem Wege schon nach sechshundert Metern erreichen, aber dann bliebe einem die schöne Rheinuferpartie verwehrt. Das Kloster Rheinau wurde ungefähr im Jahre 778 gegründet und diente einst als Benediktinerabtei. Heute beherbergt das Kloster u.a. die Staatskellerei des Kantons Zürich und dient als „Musikinsel“.

Der Rhein beschreibt um Rheinau eine grosse Schleife, welche erst in Dachsen (Kt. Zürich) wieder endet. Hier befinden wir uns gute zwanzig Meter über dem Rhein. In Dachsen leben etwas mehr als zweitausend Menschen, entsprechend beschaulich kommt die Gemeinde daher. Alte aber schön renovierte Riegelbauten und gut eingefügte moderne Häuser prägen das Dorfbild. Vorbei am Bahnhof nähere ich mich wieder dem Rheinufer, bleibe aber auf der Höhe. Der Blick wird frei zum Nohlbuck, quasi ein Blick zurück. Unter mir tummeln sich trotz bedecktem Himmel ein paar dutzend Ausflügler, welche sich das Spektakel des Rheinfalles nicht entgehen lassen möchten. Der Parkplatz ist allerdings noch nicht übervoll. Ganz anders präsentiert sich da die Lage an wirklich schönen Tagen.

Vorbei am unvermeidlichen Souvenirshop und durch den Hof des Schlosses Laufen – es wird auch Gastronomie geboten – fällt der Weg bald wieder steil ab ans Rheinufer. Hier ist es lauschig und im Sommer ist man dankbar für die Schatten spendenden Bäume. Schon wenige Minuten später erreiche ich Flurlingen. Hier badet es sich im Sommer sehr angenehm, zumal die N4-Rheinbrücke nur wenige Meter oberhalb des Rheineinstieges den Fluss in gut zehn Metern Höhe überspannt. Irgendwann werde ich mich zu den „Jungen“ gesellen und den Sprung auch wagen.

Nun heisst es aber noch einmal den kleinen Gang einlegen. Auf kurze Distanz sind nochmals immerhin 183 Höhenmeter zu überwinden, dann ist der letzte Aussichtspunkt der heutigen Runde erreicht – der 96 Meter Hohe Cholfirstturm, ein Stahlfachwerkturm mit Sendeanlage und Aussichtsplattform auf 42 Metern über dem Boden. Die Aussicht ist grandios und bei schönem Wetter sähe man weit bis in den Schwarzwald hinein. So aber bleiben selbst die nahen Hohenstoffeln und Hohentwiel nur diesig sichtbar. Dafür aber geniesst man einen Panoramablick über die heutige Runde und darf sich auch den Munot einmal von oben betrachten.

Was nun noch bleibt ist der Abstieg über Feuerthalen, die nördlichste Gemeinde im Kanton Zürich und die Rückkehr über den Rhein nach Schaffhausen. Ein „Schaffuser Züngli“ mit einem Kaffee – echt sind sie nur in der Confiserie Reber – rundet den heutigen Tag ab.





Laufzeit:           je nach Trainingszustand
Wanderzeit:    ca. 7-8 Stunden
 


Tourengänger: Runner


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Kommentare (4)


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Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. April 2016 um 19:32
schöne und ziemliche lange Tour, puh ... - aber offensichtlich war doch noch genügend Zeit für's Fotografieren ... ;-))
Merci jedenfalls für den detaillierten Bericht aus einer mir vertrauten Region

Runner hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. April 2016 um 22:10
Gern geschehen :-). Mit Laufen ist man etwas rascher unterwegs als mit Wandern, da bleibt dann noch Zeit für's Fotografieren... Ich hoffe, keinen "Seich" geschrieben zu haben. Nächstes Mal werde ich es ruhiger angehen lassen und den ein oder andern Ort etwas länger besuchen ;-)

Gelöschter Kommentar

Runner hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. April 2016 um 12:25
Danke. Wobei, mit den interessanten Berichten stehe ich Dir nun weit hinten nach. Aber ich bin noch am Üben ;-)


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