Gross Ruchen (3138m) via Chli Ruchen Nordflanke


Publiziert von Bergamotte Pro , 3. April 2016 um 14:13.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 2 April 2016
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 7:45
Aufstieg: 1930 m
Abstieg: 2560 m
Strecke:23km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Unterschächen, Ribi, dann LSB Ribi-Wannelen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Unterschächen, Post
Kartennummer:246S (R. 820)

Passionierte Berggänger kennen das "Problem": Von jeder gelungenen Tour bringt man mindestens drei neue Gipfel- oder Routenideen nach Hause. So geschehen auch vor zwei Wochen, als ich auf dem Griessstock stehe (*klick). Gebannt blicke ich in die steile Nordflanke des Chli Ruchen, durch welche sich eine saubere Aufstiegsspur zieht. Nach kurzer Recherche zuhause steht fest: So und nicht anders will ich den Gross Ruchen - mein wichtigstes Frühlingsziel - begehen.

Wenig überraschend fällt das Projekt bei Kollege Mueri auf fruchtbaren Boden. Ohnehin kann ich, sichere Verhältnisse vorausgesetzt, diese Variante jedem ambitionierten Skitürler empfehlen. Sie ist etwas anspruchsvoller, aber abwechslungsreicher als der lange Aufstieg durch die Ruch Chälen. Und mit dem Wäspen und Sattelhoren überschreitet man zwei zusätzliche Gipfel. Höhenmetermässig bleibt man dank der Seilbahn nach Wannelen unter der magischen 2000.


Um 6:15 bringt uns das reservierte Bähnli nach Wannelen (1630m) hoch. Hier macht sich erstmal Ernüchterung breit: Es ist viel zu warm und die Unterlage stark aufgeweicht. Kein Wunder, die dichte Bewölkung und Saharastaub haben jegliche Abstrahlung verhindert. So müssen wir, statt zügig über Hartschnee aufzusteigen, durch Nassschnee frisch anspuren. Trotzdem erreichen wir den Wäspen (2435m) relativ zügig nach 100 Minuten. Hatten wir bis hierhin im eigenen Schweiss gebadet, trifft uns nun die volle Wucht von Väterchen Föhn. Wir fellen sofort ab und fahren die 150Hm nach P. 2202 ab. Auch die hierbei zu querende, steile Westflanke - immerhin schon deutlich über 2000m gelegen - ist stark aufgeweicht, an der Felswand des Griessstocks konnte sich die Wärme wohl lange halten. Persönlich kommen mir Zweifel an der Durchführbarkeit unseres Projekts: Wie wird das erst in fünf Stunden in der Ruch Chälen aussehen!? Das garstige Wetter schlägt ebenso auf die Motivation. Mit Föhn hatten wir natürlich gerechnet, aber ebenso mit Aufhellungen. Doch der Himmel führt eine einzige Symphonie in Grau auf.

Immerhin, die Unterlage ändert sich schlagartig, als wir in die Nordflanke des Chli Ruchen einsteigen. Selbst Ende März gelangt kaum Sonne hier rein und der Schnee konnte nie anschmelzen. Wir gewinnen zügig an Höhe, auch wenn der Aufstieg über die windgepresste Unterlage viel Kraft kostet. Laufend müssen wir die Bretter in den Schnee rammen, um nicht abzurutschen. Die harmlose Felsstufe auf 2520m ist bestens eingeschneit. Auf ca. 2700m wird man durch das Gelände automatisch nach links in ein Couloir geleitet (bis 40° auf 150m). Gemäss den wenigen Einträgen auf dem Konkurrenzportal (Suchwort "Chli Ruchen") wird dieses meist zu Fuss durchstiegen. Bei Hartschnee sind Pickel und Steigeisen hier unabdingbar, ein Abrutscher keine Option. Heute aber erlauben die Schneebedingungen einen durchgängigen Skiaufstieg. Unzählige Spitzkehren (und manchen Fluch) später flacht das Gelände ab und wir ziehen nach rechts (Westen) weg auf den Grat zwischen Chli Ruchen und Sattelhoren. Ersterer wird im Winter kaum begangen, der Fels wäre aber aper gewesen. Stattdessen ziehen wir mit Skiern aufs nahe Sattelhoren (2880m). Dieses kann auch als Trostgipfel herhalten, wenn nach dem Normalaufstieg durch die Ruch Chälen die Batterien fast leer sind. Tatsächlich kreuzen wir in der folgenden Abfahrt eine Dreiergruppe. Unnötig zu erwähnen, dass wir auf dem Gipfel bereits von unserem Freund Föhn erwartet wurden. Dieser bescherte Mueri heute so manchen Kampf mit flatternden Fellen...

Unschwierig fahren wir die SSW-Flanke zum Ruchenfirn ab (kurze Stellen um 35°). Vorübergehend gibt sich das Wetter etwas gnädiger, sogar die milchige Sonne drückt durch. Wir geniessen den Blick auf den Gross Düssi, für mich einer der formschönsten Gipfel der Schweiz. Wir queren zur Normalroute rüber, die heute von etwa zwanzig Türlern gemacht wurde. Nach uns wird niemand mehr folgen. Nach einer guten Stunde erreichen wir das Skidepot, welches dem Föhn stark ausgesetzt ist. Der Fussaufstieg bietet heute beste Bedingungen und wir erledigen ihn zügig. Mittlerweile hat das Wetter äusserst garstige Züge angenommen. Und gemäss Prognose wird der Föhn auf den Nachmittag hin Sturmstärke erreichen, was vor Ort leider zutrifft. So belassen wir es auf dem Gross Ruchen (3138m) bei einer Handvoll Fotos und steigen wieder ab.

Bei der eigentlich ganz passablen Abfahrt Richtung Ruchchälenpass (2612m) prasseln uns die Schneekristalle wie Tausend kleine Messer ins Gesicht. Erleichert fahren wir in die Ruch Chälen ein, wo sofort Ruhe herrscht. Oben noch etwas rauh finden wir im Mittelteil schönen Sulz vor, weiter unten Übergang in Klebschnee. Die Beine brennen höllisch, als wir nach dieser 1200m Abfahrt auf der Brunnialp zu Kaffee und Bier einkehren. Die Strasse talauswärts weist bereits mehrere Lücken auf und auf Höhe Sittlisalpbahn wandern die Bretter definitiv an den Sack. 15 Minuten später erreichen wir das frühlingshafte Unterschächen (999m).


Zeiten (inkl. Pausen)
1:40  Wäspen
2:05  Sattelhoren
2:00  Gross Ruchen
1:55  Unterschächen (inkl. 20min Fussmarsch)

Tour mit Cornel und Mueri

Tourengänger: Bergamotte, Mueri


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Kommentare (2)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 3. April 2016 um 16:11
Gratuliere zum Gross Ruchen und dazu noch über diese wirklich spannende und nicht alltägliche Aufstiegsroute. Genau wie Ihr sind auch wir gestern von besseren Wetterbedingungen (Himmelsblau, Sonne) ausgegangen - da hat uns der Saharastaub kombiniert mit dem Leutschenbach'schen Wetterfrosch mal wieder einen tüchig "inebrännt" ;-)

Jä nu, das ist die Natur. Und Eure - wie auch unsere Tour beweist, dass man auch bei solchen Bedingungen absolute Freude haben kann - weiter so!

Lg,
Bombo

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. April 2016 um 16:55
Vielen Dank, trotz dem Wetter können wir von einer gelungenen Tour sprechen. Und nachdem ich kurz durch mein Tourenjournal gesurft bin, ist klagen ohnehin fehl am Platz: 90% der Skitouren im 2016 fanden bei Sonnenschein statt. Diesen Deal hätte ich anfangs Jahr blind unterzeichnet.


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