Alpstein-Durchquerung mit Marwees


Publiziert von Bergamotte Pro , 21. März 2016 um 18:53.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:19 März 2016
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 5:45
Aufstieg: 2350 m
Abstieg: 2310 m
Strecke:25km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Wasserauen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Unterwasser, Post
Kartennummer:237S

Meine erste Alpstein-Durchquerung führte mich 2014 von Unterwasser über den Säntis nach Wasserauen (*klick). Ich war damals von der landschaftlichen Schönheit dermassen angetan, dass ich bereits auf der Rückfahrt in der Appenzeller Bahn neue Pläne schmiedete. Für deren Umsetzung waren mir nur die allerbesten Verhältnisse gut genug. Das ist wohl der Grund, weshalb ich zwei ganze Jahre warten musste.

Ursprünglich wollte ich erneut in Unterwasser zur grossen Traversata aufbrechen. Aber das macht wenig Sinn, speziell im Frühling. Bei Start in Wasserauen folgt man nämlich ideal der tageszeitlichen Erwärmung. So firnt die Marwees früh auf, während die Westhänge am Rotsteinpass lange schattig bleiben. Ganz unabhängig davon ist die Ost-West-Richtung deutlich schneller: Den mit viel Flachlauf verbundenen Zustieg zum Rotsteinpass kann man abfahren, während in den Steilaufstiegen zu Bogartenlücke und Marwees die Höhenmeter nur so dahinpurzeln.


Um 6:45 starte ich beim (noch) verwaisten Parkplatz in Wasserauen (868m). Das erste Ziel, die Bogartenlücke, scheint bereits zum Greifen nah. Kein Wunder, sie liegt gerademal drei Kilometer entfernt. Die Route verläuft zunächst durchs rauhe Hüttentobel, kein typisches Skigelände. Im Vergleich zum engen Wanderweg ist das nahe Brüeltobel geradezu eine Autobahn. In der Abfahrt würde ich dringend davon abraten und stattdessen den Umweg via Seealpsee in Kauf nehmen. Im Aufstieg stört das weniger, ohnehin ist die Hüttenalp zügig erreicht. Hier nun unbedingt den Wanderweg verlassen und auf der Westseite vom kleinen Tobel unschwierig nach Mar (1433m) aufsteigen (bis 35°, Route). Auch der Schlussaufstieg in die Bogartenlücke (1710m) erreicht zuletzt nochmals um die 35°. Das gesamte Gelände bis zur Alp runter erhält im Winter übrigens kaum Sonne und verspricht häufig Pulverschnee. Der Übergang dient denn auch regelmässig als (anspruchsvollere) Fortsetzung der klassischen Säntisabfahrt.

In der Lücke erstmal aufatmen: Die Abfahrt nach Chalberweid ist noch durchgehend schneebedeckt, keine Selbstverständlichkeit in den sehr steilen und südexponierten Hängen. Da der ideal geneigte Aufstieg ab Wasserauen zügig vonstatten ging, gönn ich mir eine erste Pause und geniesse die Morgenstimmung. Es ist windstill und bereits angenehm warm. Wer mag, kann noch das Bogartenmannli erkraxeln, es apert schnell aus.

Wer die Bogartenlücke abfährt (bzw. aufsteigt, was der Normalfall ist), sollte im Frühling rechtzeitig dran sein. Tatsächlich sind die Osthänge Richtung Marwees bereits angenehm weich. Weiter unten hingegen, im engen Felstobel, gilt es pickelharte Lawinenkegel zu queren. Diese sind so hart, dass es mir einmal glatt den Ski vom Schuh reisst (trotz aggressiver Bindung). Unten raus dann wieder schöner Sulz bis zur Chalberweid. Von hier geniesst man den bekannten Blick auf die Dreifaltigkeit.

Nach dem Wiederanfellen zügiger Aufstieg in einer lasch gelegten Spur zur Widderalp (1644m). Von hier kann man die Hänge der Marwees gut einsehen. In weiser Vorausahnung entscheide ich mich für den Direktaufstieg und gegen den Sommerweg via Widderalpsattel, dieser wäre praktisch aper gewesen. In dieser Variante aber unbedingt die tageszeitliche Erwärmung beachten. Fünfzig Höhenmeter vor der Marwees (2056m) deponier ich die Skier und steige zu Fuss über den grösstenteils aperen Grat zum unauffälligen Gipfel hoch. Was für ein schöner Moment: herrliches, mildes Wetter mit stahlblauem Himmel, dazu ein umfassendes Panorama in den Alpstein. Zeit für einen gemütlichen Lunch.

Eine halbe Stunde später breche ich auf. Höhenmetermässig wäre natürlich die direkte Abfahrt in den Widderalpsattel am effizientesten. Doch hierfür liegt zu wenig Schnee. Skier tragen? Wohl kaum - was sind schon 150Hm angesichts der ideal aufgefirnten SE-Flanke. Vorsicht: Die Abfahrt ist von oben nur beschränkt einsehbar. Will man auf Nummer sicher gehen, hält man eher ostwärts. Am direktesten ist aber meine Variante "rot". Anfellen und kurzer Wiederaufstieg in den Widderalpsattel (1856m), wobei mir tröpfchenweise andere Türler entgegenkommen. Anschliessend quere ich in vorhandener Spur zum Bötzelsattel (1865m), bei sicheren Verhältnissen wie heute im Bereich des Sommerwegs, sonst kurze Zwischenabfahrt in die Ebene.

Vom "Bötzel" bekomme ich einen ersten Eindruck vom Treiben auf der Säntisabfahrt. Diese wurde heute von geschätzt 100-150 Türlern begangen. Die Westhänge am Bötzelsattel sind stark windbearbeitet. So schenke ich mir die Abfahrt zum Spitzigstein und quere stattdessen ziemlich hoch dem Fählenschafberg entlang nach Westen. Das geht nur bei sicheren Verhältnissen. Es verbleiben etwa 440Hm in den Rotsteinpass (2122m) hoch, wo gerade Nöldi Forrer und Kollegen glatte Trinksprüche zum Besten geben.

Die Abfahrt über Flis-Schafboden zur Thurwies runter ist äusserst lohnend: ideal geneigtes Gelände, welches sehr spät auffirnt. Ich hätte problemlos noch eine bis zwei Stunden auf dem Pass vertrödeln können. In den breiten Hängen sind zahlreiche Linien möglich, man lasse sich hier von der tageszeitlichen Erwärmung leiten. Ein Kilometer nach Laui geht der Schnee zur Neige und man wähnt sich mitten im Frühling. Die Skier wandern an den Sack und ich gemütlich runter nach Unterwasser (906m). Die Warterei hat sich gelohnt, genauso hatte ich mir das zwei Jahre lang vorgestellt. Und natürlich schmiede ich auf der (äusserst umständlichen) Heimreise bereits Pläne für neue Alpstein-Durchquerungen.


Zeiten
1:30  Bogartenlücke (gespurt)
1:35  Marwees (teils gespurt)
1:40  Rotsteinpass
0:55  Unterwasser
 

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. März 2016 um 08:46
eine beachtliche Unternehmung - Respekt und Gratulation!


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