Girenspitz 2369m, Schafberg 2456m


Publiziert von Bombo , 15. Dezember 2008 um 12:42. Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum:14 Dezember 2008
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:St. Antönien Rüti - Mittelsäss - Girenspitz - Schafberg - Mittelsäss - St. Antönien Rüti
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Landquart - Küblis - St. Antönien - Rüti
Unterkunftmöglichkeiten:St. Antönien, Carschinahütte SAC
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 238 S "Montafon"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


"Föhnsturm & erhebliche Lawinenstufe - das Konkordanz-System hilft weiter"


Schon wieder ein Tag, wo die Lawinenwarner die Flagge auf „Erheblich“ hieven… Nicht, dass es sonst schon schwierig genug ist, interessante Tourenziele für diese Warnstufe zu finden, nein, heute ballert auch noch ein Föhnsturm über die Schweiz – Böenspitzen mit bis zu 150 km/h auf den Bergen werden prognostiziert (wie man der Presse entnehmen konnte, wurden sogar 252 km/h gemessen!). Schlumpf’s und meine Ideenküche wäre ja eigentlich gross genug, doch mit diesen Voraussetzungen kommen auch wir ins Grübeln.

 

Ähnlich wie bei der kürzlich stattgefunden Bundesratswahl, gab’s auch bei uns eine Art „Konkordanz“ (Unwort des Jahres 2008…), sodass, wie kürzlich bei den Parteisitzen die SVP, für uns das Prättigau klar gesetzt war. Im Unterschied zu den BR-Wahlen hatten wir jedoch nicht nur einen unbrauchbaren und doch gesetzten Kandidaten, bei uns waren alleine schon nach kurzem Kartenstudium gleich die meisten Kandidaten unbrauchbar (Ronggspitz, Riedchopf, Rotspitz, Röbi-Spitzen, etc.). Ob das daran gelegen sein mag, dass alle diese „Kanditaten“ auf der rechten Seite des Schanielabachs gelegen sind, sei dem phantasievollen Leser überlassen.

 

Also zurück zur Politik: es müssen noch gesetzte, brauch- oder auch halbwegs brauchbare Kandidaten her und selbstverständlich darf auch ein Sprengkandidat nicht fehlen… Gerade vorweg, unser Sprengkandidat war der Schollberg Nordgipfel 2543m – welcher im Gleichschritt zu den kürzlichen Wahlen auch erst im letzten Wahlgang ausgeschieden ist und dies – wie könnte es anders sein – natürlich auch wegen genau einer einzig fehlenden Stimme.. Was in Bern dem „Sprengkanditaten“ den Kopf kostete, kostete in unserem Verfahren dem Schollberg den Gipfel. Es waren die letzten paar Höhemeter oberhalb des Silbertälli, welche für ein „Nein“ verantwortlich waren – zu unsicher erschien uns dieser Aufstieg. Der Sprengkandidat stand somit für einen weiteren Wahlgang nicht mehr zur Verfügung und so kam es, dass die bereits zum Voraus bekannten und gesetzten Kandidaten das Rennen machten – übrigens auch ein „Zweier-Ticket“... Namentlich waren dies Girenspitz 2369m und Schafberg 2456m.

 

Im Unterschied zu den oben erwähnten Bundesratswahlen durften wir wenigstens das gesamte Zweier-Ticket wählen und so geschah es dann auch, dass wir einstimmig und ohne Gegenstimmen („Anzahl gültige Stimmen 2, ungültig 0, gewählt ist…) oben erwähntes Gipfel-Duo absegneten und selbstverständlich – wie es sich für einen Eidgenossen gehört – vereidigten. Auf die Siegerfotos haben wir verzichtet, diese findet man gut dokumentiert im Graubünden SAC-Skitourenführer. Wie in der Politik bleibt jetzt nur noch ein Wehrmutstropfen übrig: Halten die Kanditaten auch das ein, was sie im Vorfeld auch versprochen haben? Wir lassen uns wie im realen Leben überraschen….

 

Kurz vor 8 Uhr starten wir beim kostenpflichtigen Parkplatz (CHF 5.00) in St. Antönien Rüti und laufen auf der Strasse dem Schanielabach entlang bis zur Brücke 1607m, welche kurz vor Untersäss 1637m ist. Mehr oder weniger dem Sommerweg geht’s hinauf nach Mittelsäss 1942m, wo die Alphütte wie im Führer beschrieben wirklich erst im letzten Moment auftaucht. Bereits spüren wir die Auswirkungen des prognostizierten Föhnsturmes – unsere linke Gesichtshälfte wird regelmässig „ge-schnee-strahlt“ und wir sind nicht unglücklich, als wir bei der Alphütte im Windschutz unseren ersten Znünihalt machen.

 

Weiter geht es nun in nordwestliche Richtung und schon wenige Meter nach Mittelsäss bringt uns ein Wegweiser (siehe Foto) ein wenig ins Grübeln. Die meisten Spuren vom Vortag zweigen links weg (richtung Alp Garschina), eine schon fast einsame Spur folgt dem Sommerweg geradeaus weiter. Eigentlich wollten wir zur Umgehung der steileren Osthänge rechts ausholen – also müssten wir nun geradeaus weitergehen und dann via Obersäss diesen Umweg in Kauf nehmen. Der Lemming-Effekt hat jedoch gesiegt und wir lassen uns von den Spuren überzeugen, welche links hoch zur Alp Garschina 1997m führen. Dort war dann aber fertig mit den Spuren – der Föhn hat auch hier sein Unwesen getrieben und wie ein Meisterdieb alle Spuren fein säuberlich verwischt. Ein erneutes Kartenstudium bestätigt jedoch unsere Routenwahl und wer am heutigen Tag einer Skispur gefolgt ist, welche direkt unter einer Kinderschaukel hindurch führte, dem sei ein persönlicher Gruss des Verfassers dieses Berichtes gewidmet :-)

 

Mit dem ersten Tagesziel vor Augen (Girenspitz 2369m) ziehen wir steil und sportlich als Tageserste gegen Westen hin unsere Spuren und geniessen immer wieder das Natur-Schauspiel des Föhns (mittlerweilen haben wir die Gore-Tex-Jacke montiert und entsprechend lässt uns dieser Sturm kalt bzw. „warm“). Beim Fürggli 2320m sehen wir zum ersten Mal zum Muttner Augstberg hinunter und nehmen gleich noch die letzten steilen Höhenmeter zum Gipfel des Girenspitz 2369m in Angriff. Oben angekommen fragen wir uns zuerst einmal, ob jetzt dies der effektive Gipfel ist oder derjenige, welcher 50 Meter weiter vorne tront. Die Landeskarte bestätigt jedoch unseren ersten Eindruck und um einfach ganz sicher zu gehen – mehr aber auch aus purer Freude – besuche ich zu Fuss noch kurz den nördlichen Punkt 2365 – ich nenne ihn jetzt einfach mal Girenspitz Nord 2365m.

 

Vom Girenspitz sehen wir nun auch das zweite Tagesziel, den Schafberg 2456m, den höchsten Punkt dieser gesamten Gratkette. Uns ist bewusst, dass keine „offizielle“ Spur vom Girenspitz zum Schafberg führt, entspechend freuen wir uns über das klein bisschen Pioniergeist. Aufgrund der latenten Lawinengefahr verzichten wir auf die Abfahrt über den Osthang des Girenspitz, was bei sicheren Bedingungen einer sehr rassigen und mutigen Abfahrt gleich käme. Wir folgen mehr oder weniger der Aufstiegsspur bis wir unterhalb der 2300er Höhenlinie in etwa gegen Norden drehen und dort nach einer pulvrig-deckligen Abfahrt erneut die Felle ankleben und dann via Ostflanke des Augstenberg den Gipfel des Schafberg 2456m anpeilen. Beim Gipfelaufbau, wo wir mit der „offiziellen“ Spur wieder zusammenkommen, heisst uns erneut ein hartnäckiger Föhnsturm willkommen und nicht selten müssen wir auf unsere Balance achten. Den Gipfel selbst geniessen wir beinahe wortlos, denn um den anderen zu verstehen, musste man bei diesem Wind fast ein Megaphon dabei haben.

 

Macht man sich auf dem Gipfel des Schafberg 2456m Gedanken über die Abfahrt, so wird man sich schnell einmal fragen, wo man denn genau hinunterfahren soll. Einerseits gäbe es unzählige Abfahrtsvarianten, andererseits liegt noch zu wenig Schnee, um einfach querfeldein über alle Steine zu „röschten“. Weiter steht der Wunsch im Vordergrund, möglichst ohne zu „stöckeln“ zur Alp Mittelsäss zu kommen, was vom Gipfel aus betrachtet als ein Ding der Unmöglichkeit erscheint. Lässt man dann aber einmal die Skis laufen und folgt mehr oder weniger der offiziellen Aufstiegsspur, welche von Mittelsäss auf den Schafberg führt, so gelangt man beinahe ohne Stockeinsatz zur besagten Alp, wo es sich dann auch nochmals ganz gut pausieren lässt – wäre da nicht der erwähnte Wind. Wir fahren deshalb direkt weiter und finden bei der Schönenen nochmals einen herrlichen Pulverhang, welcher uns direkt nach Untersäss führt, wo wir ein letztes Mal die Sonne auf unser Gesicht strahlen lassen und mehr oder weniger Schutz vor dem peitschenden Sturm finden. Später fahren wir auf der Strasse zurück zum Parkplatz, von welchem es dann gleich weiter zur obligaten Bier- bzw. Hüttenkafi-Einkehr in St. Antönien geht.

 

Bezugnehmend auf meinen ersten Teil des Berichtes kann ich hier bestätigen, dass unsere Wahlkandidaten ausnahmsweise auch eingehalten haben, was sie im Vorfeld versprochen haben. Eine Wiederwahl würde ich aufgrund der Gipfelattraktivität und des momentan Schneemangels (die Felsbrocken sind einfach zu gross...) jedoch ausschliessen, bezugnehmend auf die Konkordanz bleibt jedoch dem Prättigau ein klarer Sitz in der Skitouren-Regierung vorbehalten.


Bericht von schlumpf




Tourengänger: Schlumpf, Bombo

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WS

Kommentare (4)


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Zaza hat gesagt:
Gesendet am 16. Dezember 2008 um 07:54
Vielleicht hatte euer Sprengkandidat am Wahltag auch ein blaues Auge, weil er am Vorabend in eine Stalltüre gelaufen war...;-)

Gruess, zaza

chrismo77 hat gesagt:
Gesendet am 16. Dezember 2008 um 11:06
Ein toller und unterhaltsamer Bericht, gratulation!

Gruess, chris

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Dezember 2008 um 11:10
Merci Chris - bin übrigens letscht Week uf Dinere HP au wieder gsi go luege, bi Dir findet mer ja schliessli immer e super Toureidee. Muess also säge, Eui Bedretto-Tour gseht ja hammermässig us - wirde diä denn mal naamache :-)

Gruess und gueti Toure!
Dominik

chrismo77 hat gesagt:
Gesendet am 16. Dezember 2008 um 11:28
Die Cavagnolo-Tour ist wirklich sehr zu empfehlen! Und im Bedretto soll's ja nun auch genügend Schnee haben... :-)

En Gruess,
Chris


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