Wasser so weit das Auge reicht - Piz Blas und der Ursprung des Rheins


Publiziert von Skog , 28. Oktober 2015 um 19:28.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 9 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   Gruppo Piz Blas   CH-UR   Gruppo Pizzo del Sole 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2400 m
Abstieg: 2150 m
Strecke:36 km (Tag 1: 20km, 7h , Tag 2: 16km, 4h)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Piora
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Oberalppass
Unterkunftmöglichkeiten:Cap. Cadagno Cap. Cadlimo Cna da Maighels Badushütte

Vom Ritom-Gebiet wurde mir immer wieder vorgeschwärmt und nachdem mir jemand in der Grialetschhütte die Cadlimohütte empfahl, beschloss ich, das Gebiet nun endlich selber zu erkunden. 

Entgegen meiner Gewohnheit nehme ich am Morgen in Piotta die Standseilbahn nach Ritom. Diese Bahn gehört mit ihren 87% max. Steigung zu den steilsten Standseilbahnen der Welt.  
Ab Piora starte ich meine Wanderung und komme schon bald zur Staumauer des Lago Ritoms. Diesem folge ich auf der linken Seite bis zur Cap. Cadagno wo ich mich für den direktesten Weg zum Passo dell'Uomo entscheide. Der Weg bis dorthin besteht zu einem Grossteil aus Teer- bzw. Naturstrasse und führt dann bis zu P. 1924 (kurz vor dem Lai da Sontga Maria) über eine mit losen Steinen und Kies aufgeschüttete Naturstrasse weiter. Ich bin froh, dass ich bei P. 1924 auf einen "normalen" Wanderweg komme und folge diesem in Richtung Cap. Cadlimo. Nach der Brücke steigt man zuerst etwas auf und überquert danach zwei Bäche. Kurz nach dem zweiten Bach verlasse ich den Wanderweg und gehe in nordwestlicher Richtung über Büsche und Disteln Richtung P. 2189 zur Alpe Scaione. Mehr oder weniger dem Bach folgend stosse ich etwas nach P. 2377 auf gelbe Punkte. Diese Markierungen bringen mich bis ca. P. 2484. Danach verliere ich die Markierungen und  steige etwas zu weit auf, weshalb ich die drei Seen bei Foppa della Rondadura nur von oben sehe - wenn ich mich nicht täusche, ist bei den Seen aber deutlich ein Weg erkennbar.
Etwa 300 Meter nach den Seen steuere  ich den Schutthang hochsteigend den Pass Nalps an. Dort angekommen folge ich dem grossartigen, aus fest verkeilten Steinblöcken bestehenden Grat Richtung Piz Blas. Grundsätzlich bleibe ich auf dem Grat, teilweise umgehe ich aber einige Blöcke über Wildspuren auf der südlichen Gratseite. Etwa 100 Meter unter dem Gipfel beginnt der "Weg" unangenehm zu werden. Das Gestein ist hier sehr lose und rutscht ständig weg, das Vorwärtskommen auf diesen wenigen Metern war mühsam und hat doch auch etwas Nerven gekostet. Wahrscheinlich bin ich zu weit rechts hochgestiegen - den Gipfel direkt von Süden her zu besteigen wäre wohl angenehmer gewesen.
Auf dem Gipfel angekommen ist das natürlich schnell vergessen und ich mag mich kaum sattsehen. Die Aussicht ins Val Curnera, ins Val Nalps, und ins Val Cadlimo ist grossartig und für Wasserliebhaber ein Traum - wo man hinsieht, überall finden sich Bäche und Seen.
Nach der ausgiebigen Gipfelrast mache ich mich an den Abstieg. Für diesen folge ich dem Grat Richtung Bochetta del Blas auf der westlichen Seite. Unter der Btta del Blas steige ich südlich durch loses Geröll ab und erreiche beim Felsba nd bei Senda del Blas deutlich erkennbaren Wegspuren. Der Abstieg dorthin führt über loses Geröll und ich bin froh, auf dem Felsband (Höhe P. 2648) wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Ich folge nun mehr oder weniger die Höhe haltend den teilweise sichtbaren Wegspuren über das Band bei Senda del Tanelin und treffe kurz vor der Cap. Cadlimo auf den Wanderweg zu eben dieser. Herzlich werde ich vom Hüttenteam empfangen und ebenso  gut wie herzlich bewirtet. Am späten Abend werde ich noch in die  Küche auf eine Runde Brändi Dog eingeladen - meine Spielweise ist, anders als dieses schöne Beisammensein, hoffentlich bald vergessen.

Nach einer erholsamen Nacht (die wenigen Hüttengäste werden auf die verschiedenen Zimmer aufgeteilt) und einem guten zMorgen mache ich mich im Nebel auf zur Bochetta Cadlimo. Für den Nachmittag ist Regen gemeldet. Bis zum Btta Cadlimo will ich mich entscheiden, ob ich die Tour wie geplant über den Grat vom Pizzo Barbarera zum Pizzo Giübin auf den Pizzo Centrale durchführen soll, oder ob ich mich nach einer Alternative umsehen soll. 
Da sich der Nebel immer mehr verdichtet und ich den möglicherweise nassen Grat etwas scheue, entscheide ich mich mit viel Reue gegen den Plan. Ich wähle bei der Btta Cadlimo den Weg Richtung Passo Bornengo und folge damit nun doch dem Weg, der mir bein zNacht in der Hütte empfohlen worden ist. Nachdem ich auf dem Passo Bornengo den Nebel hinter mir lasse, bin ich mit der Entscheidung schon etwas zufriedener und geniesse den Blick ins Val Maighels, welches ich bis kurz vor der Cap. Maighels immer leicht abwärts gehend durchwandere.
Bei P. 2263 zweige ich rechts ab und folge dem weiterhin gut präparierten Weg zum Lai da Tuma, dem Ursprung des Rheins.
Mit Kuchen im Kopf entscheide ich mich für einen Abstecher zur Badushütte, wo ich vom Hüttenwart auf Zeit (die Hütte wird im Frondienst durch den SAC Manegg geführt) herzlich empfangen werde. Ein nettes Gespräch ergibt sich und ich "verhocke" mich in der warmen Küche - am liebsten würde ich gleich bleiben. Ich verabschiede mich mit der Versicherung, dass ich im nächsten Jahr etwas mehr Zeit mitbringe und trete aus der Tür in den Schneesturm (woher ist denn der gekommen?!). Spätestens jetzt ist jeder Zweifel bezüglich der Tourenänderung verflogen: Einerseits wäre dieser Wetterumsturz auf dem Grat für mich wohl ein Problem gewesen, andererseits (und das scheint mir viel wichtiger), wäre ich sonst nicht bei Koni in der Badushütte vorbeigekommen, und diese Begegnung möchte ich nun definitiv nicht missen.

Der Schneesturm ist krass und sehr beeindruckend. Bis zum Pazolastock sehe ich nur weiss. Aber so schnell wie er gekommen ist, ist er auch wieder weg. Eine Dreiviertelstunde nach dem Aufbruch sehe ich bereits wieder blauen Himmel. Nach dem Pazolastock geht es nur noch abwärts und schneller als mir lieb ist, stehe ich am Bahnhof beim Oberalppass.

Fazit: Eine grossartige Tour mit vielen Eindrücken und netten Bekanntschaften.
Auf den Fahrstrassen-lastigen Weg via Passo dell'Uomo würde ich beim nächsten Mal wohl verzichten und stattdessen den wbw Weg über die Btta della Miniera wählen. Die Wanderwege sind alle problemlos zu begehen und die Wegfindung zum Piz Blas geht mit etwas Gespür gut. Der Grat ist teilweise etwas ausgesetzt und die letzten ca. 100 Höhenmeter bis zum Gipfel sind durch das lose Gestein ziemlich rutschig. Die Hände kamen bei dieser Tour aber nicht zum Einsatz.
 


Tourengänger: Skog


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