Baschlis Gipfel Nordgrat und eine psychiatrische Auseinandersetzung


Publiziert von ossi , 30. Oktober 2015 um 09:12.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:23 Oktober 2015
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-ZH   Zürcher Oberland 
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 400 m
Strecke:Bauma-Seewadel-Cholerbach-Nordgrat-Baschlis Gipfel-Ferenwaltsberg-Bettswil-Bäretswil
Zufahrt zum Ausgangspunkt:S 26 bis Bauma
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Bushaltestelle Bärenplatz in Bäretswil
Kartennummer:1:25000 Hörnli

Unerwartet schöne Tour orografisch links der Töss.

Beschreibung von Delta: www.hikr.org/tour/post3106.html

Teil 1: Die Tour

Ich hatte mich mit meinen alltagstauglichen Trekkingschuhen und natürlich ohne Pickel aufgemacht, um mal kurz den Nordgrat zu machen...Von Bauma nach Seewadel und hinein ins Tal des Cholerbachs. Irgendwann hört der Weg auf und man folgt dem Bach über zahlreiche Bäume, an denen man sich zigfach die Bänder reissen könnte. Das Tal zeigt sich erstaunlich wild mit zahlreichen kleinen, reizvollen Naturschönheiten. Bald ist der offensichtliche Nordgratsporn erreicht, dessen Aufstieg bei Herrn Delta mustergültig beschrieben ist.

Die bei Delta erwähnte Umgehung der unüberwindbaren Nagelfluhstufe halte ich als Einzelstelle für recht anspruchsvoll (eher T5 statt wie beschrieben T4, aber nur eine Einzelstelle), vielleicht beweist sich hier meine Ausrüstung auch nicht als optimal. Die Stufe wird links durch Steilgras umgangen. Anschliessend deutlich einfacher, aber sehr reizvoll einem schmalen Grätchen entlang bis zum Ausstieg bei einem alten Holzhüttchen.

Der obere Teil des Nordgrates mit direktem Ausstieg kurz unter dem Baschlis Gipfel ist recht einfach (T4), gibt landschaftlich aber einiges her. Vor allem die untere Hälfte dieses zweiten Teils zeigt dem Anfänger des Tösstalbergsteigens mustergültig die Schönheiten des Alpinwanderns in dieser Gegend auf. Wenig unterhalb Bräch folgt man einem Forststrässchen in einen breiten Wiesenkessel. Nach Überqueren eines Bachs (Pkt. 928) führt der Sporn hoch, bis er unterhalb des Gipfels undeutlicher wird und schliesslich in der waldigen Flanke aufgeht. Man folgt stets dem Sporn, im unteren Teil einer Steilstufe links ausweichend.

Vom Gipfel nach Ferenwaltsberg und den Markierungen entlang über  Hinter Bettswil nach Bäretswil. Die Weganlage durch ein kleines Waldtobel an einem stillen Weiher vorbei ist sehr gelungen, ich war positiv überrascht.


Teil 2: Psychiatrische Auseinandersetzung

Nur knapp einen Monat nach Verlust meiner Kamera ist es mir tatsächlich gelungen, unter beinahe identischen Bedingungen die Kamera nochmals zu verlieren. Natürlich hatte ich dank meiner Erfahrung vom letzten Mal die entscheidenden Parameter diesmal in Sekundenschnelle erfasst,  treffsicher die nötigen Entscheidungen getroffen und konsequent umgesetzt. Tatsächlich habe ich bereits nach lächerlichen 40 Minuten (letztes Mal waren es zwei Stunden) und ohne einen einzigen Verhauer zielsicher meine Kamera aufgespürt, indem ich ca. 200 HM abgestiegen und von da konsequent auf meiner Linie aufgestiegen bin. Das Interessante dabei: Sie lag knappe zehn Meter hinter mir am Boden...

Nach dieser und weiteren ähnlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit stellt man sich natürlich die Frage, ob hier eventuell mehr dahinter steckt. In der Tat bin ich beim Durchblättern der WHO-Klassifikation psychischer Krankheiten auf ein interessantes Syndrom gestossen:
 
Das Berglurchsyndrom aus dem Spektrum der Persönlichkeitsstörungen. Benannt nach einem prominenten, besonders charakteristischen Musterpatienten.

Hauptsymptome:
1. Der Patient produziert während einer Bergtour eine Panne, die bei Aussenstehenden ein Gefühl belustigenden Unverständnisses auslöst.
2. Die produzierte Panne steht nicht in Zusammenhang mit den zu erwartenden natürlichen Anforderungen an die gemachte Tour.
3. Der Patient weigert sich hartnäckig, aus den gemachten Erfahrungen zu lernen.

Es sind einige Beispiele vorhanden, welch sich gut zur Illustration des Krankheitsbildes eignen:
- Der Patient K.Z. aus S. weigert sich hartnäckig, Fotos aus seiner Tour nach Hause mitzubringen. So verliert er in Tour "A" seine Kamera, in Tour "B" lässt er sie in einer Felsspalte verschwinden und in Tour "C" hat er den Akku nicht mit dabei.
- Der Patient K.Z. aus S.  will eine Tour im Alpstein unternehmen und besteigt dazu den Zug, der an den Bodensee fährt.
- Während Patient C.G. aus W. auf dem Weg zu einer Skitour in Zürich umsteigt, bleibt sein Begleiter Rucksack mit dem nötigen Equipment lieber noch ein Weilchen im Zug sitzen.
- Die Patienten K.Z. aus S. und C.G. aus W. versuchen wiederholt, gemeinsam den Gipfel des Chüemettlers zu besteigen. Obwohl der Gipfel bei gutem Wetter selbst vom Zürcher Bürkliplatz eindeutig identifiziert und unschwierig erreicht werden kann, ist den beiden bisher keine gemeinsame Besteigung gelungen.

Tourengänger: ossi


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Kommentare (6)


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Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. Oktober 2015 um 11:13
Gegen das Kamera-Verlust-Syndrom gibts ein auch von der World Psychiatric Association anerkanntes Mittel, das für ein kleines Aufgeld in jedem Baumarkt erstanden werden kann: ein Stück Schnur.

Nic hat gesagt:
Gesendet am 30. Oktober 2015 um 12:37
Das Problem mit der Kamera kenne ich nur zu gut. Habe es letztes Jahr geschafft innerhalb von 6 Wochen zwei Kameras zu verlieren...

ossi hat gesagt: Schön...
Gesendet am 31. Oktober 2015 um 08:29
...wenn mutige Menschen -inspiriert durch diesen Bericht- ein Tabu brechen und öffentlich sagen: "Ja, wir sind auch betroffen". Das macht Mut.

Baumarktschnur: Leider fällt die Schnur seit 2014 unters Betäubungsmittelgesetz. Sie wird nur noch auf Rezept abgegeben und muss verschlossen aufbewahrt werden. Wer Schnur bezieht, braucht dies auf einer Liste mit Angabe des Verwendungszwecks zu visieren.

2bd hat gesagt: patient meldet sich
Gesendet am 31. Oktober 2015 um 17:39
darf ich mich ebenfalls ins patientenbuch eintragen?
ich meine, kameras verlieren, das kenne ich so gut, dass es fast kein symptom mehr ist, eher eine gewohnheit.
aber bei der anfahrt zur mythenüberschreitung die schuhe im zug liegenlassen, sie per umweg über autostop im zum glück noch stehenden zug in arth-goldau abholen und von derselben automobilistin (ha, mein charm!) zum ausgangspunkt gebracht zu werden, damit bin ich doch fast schon ein starpatient, nicht wahr?

2bd hat gesagt: schnüerli ohne schnüerli
Gesendet am 31. Oktober 2015 um 17:52
nun sitze ich im zug, voll ausgerüstet, um morgen endlich die schnüerlifortsetzung zu machen. und stelle beim lesen eurer beiträge fest, dass ich tatsächlich das kameraschnüerli (soviel immerhin habe ich gelernt) zuhause vergessen habe …
ab jetzt können wetten abgeschlossen werden, was morgen wohl mit meiner kamera geschieht

Henrik Pro hat gesagt: Verliert ihr denn genauso
Gesendet am 1. November 2015 um 10:04
schnell auch eure Helme wie Kameras... dachte jetzt an GoPros.


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