Herbsttour auf den Schneck (naja, fast...)


Publiziert von Tuppie , 20. Oktober 2015 um 16:05.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:12 Oktober 2015
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1230 m
Abstieg: 1230 m
Strecke:16,20 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem (kostenpflichtigen) Giebelhausbus von Hinterstein zum Giebelhaus. Saisonabhängigen Fahrplan beachten!
Unterkunftmöglichkeiten:Keine Übernachtungsmöglichkeit im Giebelhaus!
Kartennummer:Zumstein Nr. 4 (Bad Hindelang)

Es ist nicht der goldene Oktober, wie ich ihn im Allgäu kenne. Hartnäckig hält sich wechselhaftes Wetter und so sehen wir in unseren Herbsturlaub nur selten die Sonne. Der 12. Oktober war laut Wetterbericht als wunderschöner, sonniger Herbsttag angekündigt und zum Glück sollte der Wetterbericht Recht behalten. Bei den vielen Tourenwünschen, die ich noch habe, fällt dann natürlich die Wahl schwer. Eine landschaftlich schöne Tour, möglichst im Bereich des Bärgündeletals, meiner absoluten Lieblingsecke im Allgäu.

Da der Giebelhausbus nunmehr am Morgen erst um 9:15 Uhr fährt und nachmittags um 16:10 Uhr die letzten Wanderer nach Hinterstein fährt, durfte die Tour nicht übermäßig lange werden. Allerdings hatte ich auch ehrlich gesagt keine Lust, bei Dunkelheit und Kälte allzu früh aufzubrechen. Es wird mal wieder Zeit für einen Sommerurlaub in den Bergen…

Ich fahre also mit dem 9:15 Uhr-Bus zum Giebelhaus und kann dort gegen 9:30 Uhr Richtung Bärgündeletal starten. Die Zeitangaben auf den Wegweisern sind mit Vorsicht und unter Berücksichtigung der eigenen Leistungsfähigkeit zu beachten: zum Himmeleck sollen es 3,75 Std. sein, das ist doch sehr großzügig gerechnet.

Im Obertal reicht die Sonne schon weit hinab, während ich sicher noch eine ganze Weile im kühlen morgendlichen Schatten gehen werde. Ich bin dann auch rasch auf Betriebstemperatur und wandere am Täschlefall vorbei taleinwärts. An der Abzweigung zur unteren Bärgündelealm bin ich nach gut 20 Minuten und kann um 10 Uhr die ersten Sonnenstrahlen über dem Prinz Luitpold-Haus bestaunen – ein schönes Lichtspiel.

Kurz stehe ich in der Sonne, dann geht´s wieder in die schattige Kühle. Hinter der Pointhütte (1319 m) endlich kein Asphalt mehr: auf breitem Alpweg geht’s gemütlich weiter hinauf, bis man bei der Überquerung des Stierbaches stärker ansteigt. Auf gut angelegtem Weg steige ich höher und habe einen tollen Blick auf die verfalteten Abstürze von Wiedemer und Vorderem Wilden. Auch den Weg, der linkerhand zum Prinz Luitpold-Haus hochleitet, kann man sehen. Um 10:45 Uhr habe ich die Wegabzweigung erreicht und halte mich rechts Richtung Himmeleck bzw. Laufbacher Eck. Unweit der Abzweigung sieht man die Schönberghütte, darüber wunderschön die sonnenbestrahlte Ostwand des Schneck – mein Ziel für heute – naja, nicht die Ostwand ;-)

Während ich höher steige und mein Blick immer wieder den Bergen gilt, scheue ich hinter einer Wegbiegung eine Gemse auf, die unmittelbar vor mir das Weite sucht. Als ich die Kamera draußen habe, liegen schon etliche Meter zwischen uns. Weiter oberhalb begegne ich dann noch einer ganzen Herde, die natürlich & leider bei Zeiten flüchtet. Auf etwa 1800 m Höhe verflacht das Gelände, kurzes Durchschnaufen, dann geht’s wieder steiler, aber immer einfach, höher.

Der Ausblick, der mich am Himmeleck-Sattel erwartet, ist mir bekannt, nachdem ich vor sage und schreibe 14 Jahren mit meiner Frau nach dem Laufbacher Eck-Weg über Himmeleck-Sattel und Oytal zurück nach Oberstdorf gewandert bin. Und trotzdem ist es der absolute Hammer, als dann am Sattel (2007 m) urplötzlich mit den letzten Metern die Höfats übermächtig ins Bild rückt.

Ein genialer Blick, die man hier hat. Zeit für eine kurze Pause, die ich trinkend und fotografierend nutze. Dann nehme ich den letzten Aufstiegsabschnitt in Angriff: steil, aber auf gutem Pfad, geht es höher. Um kurz nach 12 Uhr, nach 14 Minuten Aufstieg, erreiche ich dann auch den „Gipfel“ des Himmelecks (2152 m) und mache abermalige Pause, begeistert nun von den Nahblicken, die sich jetzt auf den Schneck bieten. Von hier sieht die Ostflanke des Schneck beängstigend aus. Überhaupt: ein optisch irrwitziger Berg! Doch auch der Blick auf das von hier fast harmlos wirkende Himmelhorn ist toll. Den grandios steilen und ausgesetzten Rädlergrat kann man hier nicht einmal erahnen. Klein und silbrig in der Sonne glänzend erkennt man das kleine Gipfelkreuz, welches 2014 von Adrian Frigerio & Freunden hier installiert wurde (tolles Video hierzu auf www.youtube.com).

Fehlt noch das letzte Stück: vom Himmeleck-Gipfel geht es wenige Meter hinab in einen Sattel zwischen Schneck und Himmeleck und dann deutlich steiler weiter bergauf. Schmal schlängelt sich der Weg empor, ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit und vor allem Trittsicherheit schadet auch hier nicht. Aber aufgrund des Pfades ist der einfachste Weg vorgegeben. Gegen 12:25 Uhr bin ich oben am Südgipfel des Schneck auf 2259 m: keine 10 Meter trennen mich vom Hauptgipfel, aber der extrem ausgesetzte Reitgrat, der mir bevorstehen würde, hält mich zurück. Das Stück ist kurz, aber seit ich verheiratet bin und Kinder habe, habe ich doch an Mut (oder wie soll man es nennen?) an solchen Stellen eingebüßt. Vielleicht einmal mit Führer. So oder so ist der Blick genial, auch von hier: Hochvogelgruppe, Wildengruppe, Hornbachkette, Rauheckzug (Erinnerungen an mein schönes Bergerlebnis 2014 werden wach), Mädelegabelgruppe, natürlich die Höfats, Ifen, Nebelhornberge, Daumengruppe, Rauhhornzug und und und, es ist einfach nur herrlich. Ein grandioses Panorama vom Hauptgipfel gibt es auf mountainpanoramas.com.

Ich trage mich ins Gipfelbuch ein, welches in einer Gedenkkassette steckt, picknicke und mache Fotos. Bei solch einem Wetter möchte man gar nicht weg. So entschließe ich mich für einen langsamen Abschied vom Schneck und werde am Himmeleck sicher nochmals Rast einlegen. In einer knappen Viertelstunde steige ich gemütlich zum Himmeleck ab, mache hier abermals Pause und bin nach weiteren acht Minuten am Himmeleck-Sattel.

Letzte Fotos, dann steige ich auf gleichem Weg wieder ab. Ein paar Wanderer kommen mir entgegen, ansonsten wandere ich alleine Richtung Giebelhaus. Zum Glück kann ich größtenteils noch die Sonne genießen, das tut gut! Anfangs war das Zeitpolster bis zum letzten Bus zurück nach Hinterstein um 16:10 Uhr noch recht groß, doch „dank“ meiner ständigen Fotostopps schrumpft dieses Zeitpolster. Egal, Stress wird dennoch nicht aufkommen. Ich genieße die herrliche Landschaft und steige gemütlich tiefer. Gegen 14:50 Uhr bin ich an der Querung über den Stierbachs und mache nochmals Pause, blicke immer wieder zurück Richtung Großer Wilder.

Ab hier wird der Weg dann deutlich breiter und flacher, so dass man die letzten Kilometer ganz entspannt, an der Pointhütte und am Täschlefall vorbei, zum Giebelhaus spazieren kann. Ohne Stress bin ich dann um kurz vor 16 Uhr am Giebelhaus und fahre mit dem letzten (!) Bus um 16:10 Uhr nach Hinterstein zurück.

Durchgangszeiten:
09:25 Giebelhaus
10:45 Abzweigung P.L. Haus - Himmeleck (unweit der Schönberghütte)
11:35 Himmeleck-Sattel
12:25 Schneck-Südgipfel
13:25 Himmeleck-Sattel
15:55 Giebelhaus


Tourengänger: Tuppie

Galerie


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