Kurzausflug zum Titlis Gipfel (3238m)


Publiziert von Chrichen Pro , 19. Oktober 2015 um 08:24.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum: 9 Oktober 2015
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: Titlis und Wendenstockgruppe   CH-BE   CH-OW 
Zeitbedarf: 2:00
Aufstieg: 250 m
Abstieg: 250 m
Strecke:ca. 2 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug bis Engelberg / Ca. 10 Min Fussweg zur Talstation / Mit mehreren Bahnen via Station Gerschnialp, Trübsee und Stand hoch zum Klein Titlis
Zufahrt zum Ankunftspunkt:(Gleicher Weg umgekehrt)

Der Titlis Gipfel lässt sich in einer Mischung aus Mini-Wanderung und Tourismusausflug vom Klein Titlis aus leicht besteigen. Je nach Verhältnissen hat das Unterfangen mehr den Charakter einer Bergwanderung (T3+) oder einer einfachsten Hochtour.

Ein gemütlicher Ausflug soll es werden. Nicht allzu früh morgens machen wir uns also auf den Weg nach Engelberg. Ab dem Bahnhof muss man ein kurzes Stück laufen, um zur Bergbahn nach Trübsee und Klein Titlis zu gelangen. Scheinbar ist gerade einiges im Bau. Vielleicht sind deshalb die Kapazitäten eingeschränkt, auf jeden Fall aber sind wir sehr überrascht vom grossen Auflauf und den Wartezeiten. Chinesische und indische Reisegruppen dominieren das Feld.

Bei der Station Trübsee verlassen wir den Rummel und das Gedränge kurz, um das Seelein zu begutachten. Wegen der aktuellen Bauarbeiten ist das nicht wirklich lohnend. Also machen wir uns sogleich auf den Weiterweg mit Seilbahnen zum Klein Titlis. Die letzte Bahn mit sich drehender Kabine ist recht interessant. Im Gedränge hält sich das Erlebnis jedoch in Grenzen.

Oben angekommen gehen wir mit dem Lift (5. Stock) sogleich hinaus an die frische Luft. Endlich kann man wieder Atmen! Eigentlich mag ich so Tourismusmekkas mit riesigen Überbauungen nicht besonders, aber heute soll es halt mal so sein. Eine Welt von Schnee und Eis begrüsst uns, und wir gehen vorsichtigen Schrittes zur Aussichtsterrasse hinauf. Wie erwartet ist der Ausblick spektakulär. Insbesondere die Wolkenspiele auf der Südseite sind heute beeindruckend, auch wenn dadurch einige Gipfel verdeckt bleiben. Ganz im Touri-Modus machen wir Fotos und erkunden die Ecken und Winkel der abgezäunten Terrasse. Der Titlisgipfel lässt sich natürlich auch schon begutachten, und wir sind gespannt auf die Verhältnisse. Erwartungsgemäss ist der Grat mit etwas Neuschnee bedeckt. Frische Spuren sind noch keine auszumachen.

Über den gepisteten Weg gehen wir wenige Meter bis zum Beginn des kurzen Grates, über den der Gipfel erreicht wird. Schon hier legen wir die Steigeisen und Gamaschen an. Der Pickel hingegen kann bis zum Schluss im Rucksack bleiben, die Stöcke sind ausreichend. Ein einsamer Wanderer geht uns voran. Wir folgen mit grösserem Abstand seinen Spuren. Der Schnee ist hart und gut tragend - fast nie sinkt man ein. Mit den Steigeisen lässt es sich sehr angenehm gehen. Zumindest bei den aktuellen Bedingungen wird am besten stets in der Nordflanke ein wenig unterhalb des Grates im Firnschnee gegangen. So genau konnte ich das nicht beurteilen, aber es sieht so aus, als könne man den Titlis im Hochsommer der Gratkante entlang weitgehend ohne Gletscher- / Schneekontakt besteigen.

Die Hangneigung übersteigt wohl kaum je 30°. Dennoch empfiehlt sich die nötige Vorsicht, denn weiter unten klaffen zum Teil grössere Gletscherspalten. Nach einem Weilchen überholt uns ein Walliser. Er geht nur mit Bergschuhen ohne Steigeisen. Auch das geht also mit der nötigen Routine. Die Touristen bleiben dem Berg heute fern, so dass wir nur den erwähnten zwei Personen begegnen. In Anbetracht dieses Bildes von dinu111 können wir uns glücklich schätzen ob der Ruhe. Bald schon erreichen wir den "Vorhügel", eine kleine Erhebung vor dem Gipfel. Es folgt eine etwas schmalere Passage über die man den mit Fixseilen ausgerüsteten leicht ausgesetzten Gipfelaufbau erreicht. In kurzer und einfacher Kraxelei erobern wir den Gipfel, wobei wir teilweise von den Drahtseilen Gebrauch machen.

Auf dem Titlis machen wir eine augedehnte Pause, geniessen die fabelhafte Aussicht und schauen dem Wolkenspiel zu, bevor wir auf dem Aufstiegsweg wieder hinunter gehen. Die Wolken nehmen zu, die Sonne versteckt sich immer öfter. Runter geht es sehr schnell, besten Verhältnissen sei Dank! Wieder auf dem Pistenweg folgen wir diesem noch ein wenig in Richtung Nordosten und begutachten die Gletscherspalten von unten. Die Quellwolken werden immer mächtiger und eindrücklicher. Zurück bei der Überbauung auf dem Klein Titlis leisten wir uns eine Pizza und Bier - so sieht echtes Touri-Bersteigen aus :-). Danach begutachten wir noch die eher enttäuschende Gletschergrotte, bevor wir schliesslich genug vom Touri-Programm haben und uns wieder zum im trüben Nebel verschwindenden Trübsee hinabtragen lassen. Weiterhin in vollgestopften Kabinen erreichen wir schliesslich wieder Engelberg, wo wir beim Verlassen der Bahnen endlich wieder durchatmen können. Der Klein Titlis per Bergbahnen war ohne künstlichen Sauerstoff eine echte Extremleistung! Dagegen war der Titlisgipfel an der frischen Luft ein Klacks...

Spass beiseite, die Tour hat uns wirklich sehr gut gefallen und kann gerne weiterempfohlen werden. Aichen hatte grosse Freude an der ersten Tour mit Steigeisen. Trotz der Kürze sollte der Ausflug auf den Titlisgipfel nicht unterschätzt werden. Man bewegt sich in höheren Lagen und definitiv nicht mehr im Sandalengelände. Besonders eindrücklich war es, hinunter auf die herbstlich gefärbten Berge und Täler zu schauen, während wir uns selbst im hart gefrohrenen Schnee bewegten. Bei der Bewertung habe ich mich für ein "L" entschieden, obwohl die Wanderung wohl ein Grenzfall zwischen T-Skala und Hochtourenskala ist. Darüber wurde ja *schon viel diskutiert.

Tourengänger: Chrichen, Aichen


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