Paternkofel (2744m) – Überschreitung Süd-Ost


Publiziert von أجنبي , 6. Oktober 2015 um 21:19.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:16 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: I   Monte Paterno   Paternkofel 
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Rifugio Auronzo – Cappella Alpini – Rifugio Lavaredo – Paternsattel – Passportenscharte – Ciadin del Passaporto – Gamsscharte – Paternkofel – Gamsscharte – Schartensteig – Büllelejoch – Laghi di Cengia – P. 2215 – Lago di Lavaredo – Rifugio Lavaredo – Cappella Alpini – Rifugio Auronzo – P. 1983 – Mautstelle (P. 1851)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:-
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto ab PP bei der Mautstelle Drei-Zinnen-Strasse
Unterkunftmöglichkeiten:Rifugio Auronzo / Albergo Miralago
Kartennummer:LK 1:25.000: Dolomiti di Sesto

Die wenigen Übernachtungsgäste im Rifugio Auronzo liessen nicht gerade auf einen Grossandrang am Paternkofel schliessen, weshalb wir gemütlich in den Tag starteten und das ausgiebige Frühstücksbuffet (wenn auch ohne Käse und Fleisch) in der riesigen Hütte genossen. Aufgrund der Kälte und des Windes wollten wir ohnehin nicht zu früh los. Kurz vor 9 Uhr marschierten wir schliesslich los. Via Rifugio Lavaredo und Paternsattel erreichten wir nach einer Dreiviertelstunde den Tunnel, der den Beginn des anspruchsvollen und vor allem ausgesetzten Teils der Tour zum Paternkofel markiert.

 

Klettergurt an, Helm auf, Stirnlampen an und los ging's in die Dunkelheit. Nach dem kurzen Tunnel führte der teils mit Drahtseilen gesicherte Steig auf einem schmalen Felsband durch die Westwand des Passportenkofels. Durch ein Felsenfenster erreichten wir nach etwa zehn Minuten die Passportenscharte. Nun wechselt die Exposition, denn es geht durch die Ostwand von P. 2589 weiter. Auf einem überdachten Felsband geht es mitten durch die Felswand, bevor man zum Ciadin del Passaporto absteigt. Von hier könnte man nun zu P. 2215 absteigen. Das wollten wir natürlich nicht und stiegen im Geröll und über ein paar Felsstufen zur Gamsscharte hoch.

 

Kurz vor der Gamsscharte erblickten wir in der Ostwand des Paternkofels das Drahtseil, das den Weiterweg vermittelte. Gerne hängte ich hier meine Selbstsicherungsschlinge ein. Kurz darauf teilte sich die Route. Wir stiegen die rechte Variante hoch und nach der Gipfelrast die linke ab. Fazit: Beide sind in technischer Hinsicht ähnlich und etwa gleich ausgesetzt. Bald erreichten wir ein schmales Band mit einem Drahtseil, das uns in weniger steiles, schuttiges Gelände führte. Kurz darauf versperrte ein Felsband den weiteren Weg. Auch hier entdeckten wir zwei Varianten, wovon wir die linke für den Aufstieg und die rechte für den späteren Abstieg wählten. Beide beinhalten eine kurze, einfache, nicht ausgesetzte, aber auch nicht gesicherte Kraxelei. Danach legte sich das Gelände ein zweites Mal. Über einen Pfad im Geröll erreichten wir nach ein paar weiteren Minuten den vernebelten Gipfel. Vom Rifugio Auronzo zum Gipfel hatten wir rund 1h 45min benötigt.

 

Ab und zu gaben die Wolken etwas Aussicht frei. Allzu viel Grund, lange auf dem Gipfel zu verweilen, hatten wir aber nicht. Zudem nahmen wir an, dass bald wohl mehr Leute am Berg unterwegs sein würden, worauf wir nicht wirklich Lust hatten (Steinschlag/Stau). Gerade bevor sich eine grössere Gruppe ans Werk machte, erreichten wir die Gamsscharte, wo sich eine 20er-Gruppe Trailrunners an den Abstieg zum Ciadin del Passaporto machte und sich unvorsichtigerweise gegenseitig die Steine auf die Köpfe warf. Wenn es schon in der Nebensaison unter der Woche so zu und her geht, wie geht's am Paternkofel wohl zur Hauptsaison oder an einem schönen Wochenende ab? Wir wollen's lieber nicht wissen und raten, auf jeden Fall einen Helm zu montieren. Loses Geröll gibt es in diesen Bergen mehr als genug.

 

Nach der Gamsscharte folgten wir dem Schartenweg zum Büllelejoch und tauchten sogleich wieder in Einsamkeit ein. Auf schmalen Wegen, oft mit Drahtseil gesichert, schlängelten wir uns zwischen den unzähligen Felstürmchen durch, stiegen in Scharten ab und auf Sättel hoch bevor wir kurzzeitig sanfteres Gelände erreichten. Nun folgten noch die Bödenscharten, bevor wir via Forcella dei Laghi in die Südflanke des Bodenknoten einbogen, Mittagsrast hielten, Klettergurt, Schlingen und Karabiner im Rucksack verstauten. Danach stiegen wir zum Büllelejoch auf, via Wanderautobahn zu den Laghi di Cengia ab und an zahlreichen Munggen vorbei bald wieder hoch zum Rifugio Lavaredo, bevor's flach zum Rifugio Auronzo ging. Für den Abstieg zur Mautstelle, wo wir das Auto tags zuvor parkiert hatten, wählten wir diesmal jenen Wanderweg, der auch auf der Wanderkarte eingezeichnet ist und etwas unterhalb des Parkplatzes bzw. der Bushaltestelle beginnt (T3). Unterhalb des Col de le Bisse vereinte er sich mit jenem Weg, den wir *tags zuvor im Aufstieg begangen hatten.

 

Zum Schluss noch ein paar Worte zu unserer Überschreitung: Wie erwähnt, raten wir dringend, einen Helm zu tragen. Klettersteigsets machen Sinn, sind aber für geübte, trittsichere und schwindelfreie Berggänger nicht zwingend nötig. Waghalsiges muss man jedenfalls nirgends vollführen. Wir trugen zwar Klettergurte, haben uns aber nur hin und wieder mittels Schlingen gesichert. Die Drahtseile sind nicht durchgehend. Auf Eisen klettert man zum Glück nirgends, sondern hat stets Fels unter den Sohlen. Die Routenfindung ist durchwegs einfach. Schwierig ist die Tour nirgends wirklich, wenn auch oft ausgesetzt. Trotz meiner Höhenangst musste ich mich jedoch nirgends überwinden. Der Ausdruck „Genuss-Klettersteig“, den der Autor des Rother Wanderführers „Dolomiten 5 / Sexten-Toblach-Prags“ für die Paternkofel-Überschreitung gewählt hat, trifft meines Erachtens zu.

 

Vor einem Jahrhundert haben sich am Paternkofel die Österreicher und Italiener drei Jahre lang die Köpfe eingeschlagen und dafür einen absurden Aufwand betrieben. Stille Zeugen dieses sinnlosen Kriegs trifft man am und um den Paternkofel allenthalben. Nicht zuletzt bewegt man sich am Paternkofel ja auf einem restaurierten Kriegssteig. Es bleibt zu hoffen, dass niemand jemals wieder auf eine derartig dämliche Idee kommt wie damals und diese schöne Bergwelt in ein Schlachtfeld verwandelt.


Tourengänger: أجنبي


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