Hexensteig & Seewli


Publiziert von Bombo , 30. September 2015 um 22:36.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:20 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Aufstieg: 1420 m
Abstieg: 1340 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW oder ÖV bis Talstation der Seilbahn Silenen - Chilcherberge
Zufahrt zum Ankunftspunkt:mit PW oder ÖV bis Talstation der Seilbahn Obers Schwandi - Erstfeld
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1192 "Schächental"

Wenn die Hexe mit dem Pfaff... 


Auf den Hexensteig habe ich mich schon lange gefreut - klein aber fein soll er sein und das alles in den dunklen Katakomben des Pfaffenturms - und dennoch wird geraten die Stirnlampe gegen den Hexenbesen auszutauschen? Wenn das mal nicht alles "gspässig" sich anhört - das wollten wir uns heute an diesem wettertechnisch unsicheren Tag einmal genauer ansehen.

Der frühmorgendliche Regen liessen wir noch getrost auf die Dächer prasseln und erst zur fortgesetzten Stunde besteigen wir die kleine, luftige Seilbahn, welche uns von Silenen hinauf zum Ändi 1159m bzw. nach Chilchenbergen bringt. Von hier aus folgen wir dem Wanderweg, welcher durch den Rüteliwald zum nicht übersehbaren Hexensteig-Wegweiser bringt. Diesem folgend erreichen wir wenige Minuten später den markanten Felsschlitz mit der zum Glück offenen Eingangstüre, welche uns nun in das Reich der Hexe führt.

Ausgerüstet mit den üblichen Hexenutensilien, welche uns vor einem Sturz vom Besen bewahren, gondeln wir zuerst via Tyrolienne über die kleine Schlucht und klinken uns dort zum ersten Mal in die Vertikale. Ein Mix aus zahlreichen Baumstämmen und Metallbügel und -stifte führt uns von einer Ecke zur anderen, hoch zur nächsten Etage, raus auf die luftige (und wirklich super coole) Aussichtsbank, wieder weiter zur nächsten Etage und irgendwann dann auch noch zum senkrecht aufgestellten Baumstamm, an dessen Ästen sich man nun zum Finale hocharbeitet. Wer nicht ständig nur auf seinen Besen schaut wird einerseits mit der Hexe selbst, andererseits aber auch mit einem doch eher knöchernen Zeitgenossen Bekanntschaft machen. Da haben die Erbauer des Steiges an nichts gespart und viel Liebe zum Detail geschenkt. 

Wir wussten, dass der Hexensteig nicht zu lange dauert und so stehen auch wir leider viel zu schnell schon wieder am Ausstieg. Auch wenn man nur selten Felskontakt hat, so hätte ich gerne noch einige Etappen in diesem schönen Pfaffenturm verbracht - aber wie bei einem Berggipfel: weiter geht's halt einfach nicht, leider. 

Bei der Obulus-Hexe spendeten wir nicht nur dankbar unseren Beitrag sondern genossen auch eine kurze Vesper, bevor wir unsere alpine Reise zum höchsten Punkt des Pfaffen 1835m fortsetzten. Schade, dass die Wolken die Gegend einlullten - zu schön wäre hier die Aussicht, vor allem auch, weil es noch tolle Aussichtsbänklis hätte. 

Via Römersbalm und Riedersegg erreichten wir die längere Traverse, welche nun hinüber zum anfänglich versteckten Seewli 2028m führt. Hier verwöhnte uns dann die Sonne mit wärmenden Strahlen und verzauberte diesen wunderschönen Ort in ein kleines Paradis. Das Schwarz Stöckli 2568m diente als eine perfekte Kulisse - es kam fast schon ein wenig Voralpen-Matterhorn-Stimmung auf. Man möge uns das eine oder andere zuviel geschossene Foto verzeihen. 

Via Seeuferweg gelangten wir dann anschliessend zuerst leicht ansteigend, dann wieder absteigend zurück zu den Alphütten Uf den Bielen 2032m. Hier hätte man die Wahl zwischen dem kürzeren Zigerweg welcher direkt zur Alp Öfeli 1752m führt oder dem weitläufigen alpinen Wanderweg, welcher einem via Stich 2289m und Bödmer 2048m hinunter zur Alp Öfeli 1752m bringt. Weil wir zu diesem Zeitpunkt nichts vom Zigerweg wussten (schlechte Vorbereitung...) wählten wir somit die zweite Variante, welche zeitlich wie auch aus Gründen der Distanz nicht unterschätzt werden sollte. 

Sehr zügigen Schrittes erreichten wir somit oben genannte Wegpunkte, genossen kurz vor dem Stich noch die Beobachtung eines stolzen Steinbockes und stiegen dann mit nochmals erhöhtem Tempo hinunter zum Ronenhüttli 1516m und weiter nach Obers Schwandi 1113m, wo wir die komfortable Seilbahn hinunter nach Erstfeld benützten. 

Spätestens hier wurde uns bewusst, dass ein genüsslicher Flug mit dem Hexenbesen vermutlich weniger Kraft und Energie gekostet hätte, als unsere gewählte Variante - welche übrigens keineswegs langweilig oder nicht empfehlenswert ist - im Gegenteil - nur sollte man hierfür einfach genügend Zeit einrechnen. 


Fazit: 

Wer nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung hat, der sollte unbedingt einmal den Hexensteig ausprobieren. Dank urchiger Seilbahnunterstützung von Silenen aus ist man schnell oben und ebenso schnell auch wieder unten. Alle anderen, also diejenigen, welche mindestens einen 3/4-Tag Zeit haben, dem sei unsere Variante bzw. die Variante mit dem Zigerweg empfohlen. Der Zigerweg führt bei den Alphütten Uf den Bielen den Südflanken des Rinderstock entlang und kommt dann mit unserer Wegvariante zusammen. Wer also auf den Gipfel des Rinderstock verzichten möchte, dem sei vermutlich priorität der Zigerweg empfohlen. 

Ein grosses Dankeschön den Erbauern des Hexensteiges und der sympathischen Hexe, welche liebevoll ihr Hexenbuch am Ende des Steiges pflegt. Und noch etwas: wer dort keinen Obulus spendet muss sich nicht wundern, wenn er beim nächsten Blitzeinschlag sich in eine stinkende und lauthals quackende Kröte verwandelt. Und Ihr wisst ja, was mit Kröten passiert, welche in der Nähe eines Hexentrank-Topfes quaken...


Material:

Klettersteig-Set
Helm
Bergschuhe
Stirnlampe wird keine gebraucht (solange es Tageslicht hat...)


Tolle Tour mit den beiden Berghexen Schusli und Yamaha

Tourengänger: Bombo, Schusli


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