God Tamangur - Europas höchstgelegener Arvenwald


Publiziert von CampoTencia Pro , 30. September 2015 um 21:26. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Val Müstair
Tour Datum:29 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 450 m
Abstieg: 570 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Lü, cumün
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo S-charl
Kartennummer:1239 Sta. Maria, 1219 S-charl

Es ist kalt und die Wolken hängen tief, als wir kurz vor 9 Uhr in Sagliains auf den Zug nach Zernez warten. Das ist auch in Zernez noch nicht anders, wo wir dicht gepfercht im übervollen Postauto in Richtung Ofenpass losfahren. Als wir uns Buffalora nähern, reissen die Wolken auf, die Sonne bricht durch und wir haben freien Blick auf Munt Buffalora und Piz Daint. Viele Passagiere steigen hier und in Süsom Givè (Passhöhe) aus und wir haben Platz genug für die Weiterfahrt nach Fuldera. Hier wechseln wir in ein kleineres Postauto, das uns nach Lü hochfährt.
 
Die Sonne scheint aus dem blauen Himmel, die Sicht auf die Berge ist ungetrübt und klar. Ein herrlicher Herbstag steht uns bevor! Wir marschieren auf der ausgebauten Alpstrasse hoch nach Champatsch, wo wir endlich auf den Wanderweg wechseln können. Auf Serra wird es dann für kurze Zeit recht steil, bis wir auf 2230m in das flache Gelände vor dem Pass da Costainas gelangen. Der Weg ist trocken, der Schnee, der vor einer Woche fiel, hält sich nur noch auf den Bergspitzen. Es bläst ein kalter Südwind und wir laufen einige Zeit, bis wir ein windgeschütztes Plätzchen für die Mittagspause finden. Über uns fliegen immer wieder Tannenhäher vorbei und wir freuen uns jetzt schon auf die Arven in God Tamangur.
 
Wir sind nicht die einzigen Wanderer, die den prächtigen Tag nutzen. Auf Alp Astras sitzen viele an geschützten Plätzchen und geniessen die freie Sicht zum Piz Vallatscha. Wir hingegen gehen weiter, queren das Flüsschen und an Tamangur Dadaint vorbei streben wir God Tamangur zu. Es handelt sich dabei um den in Europa höchstgelegenen, zusammenhängenden Arvenwald. Da stehen Arven einzeln oder dicht zusammen, junge Triebe wie auch steinalte Bäume. Von manchen steht nur noch der Strunk da. Die Farben der rindenlosen Überreste reichen von tiefem Rotbraun über Gelb zu Weiss und die Maserung wirkt wie ein kunstvolles Gemälde. Wir schauen den Tannenhähern nach, die von Arve zu Arve fliegen, und lassen die Düfte von Arvennadeln und -zapfen wirken. Leider finden wir keine ganzen Zapfen mit Arvennüsschen, die Tannenhäher waren wohl zu hungrig und haben einen grossen Wintervorrat angelegt.
 
Nach ausgiebigem Betrachten und Fotografieren verlassen wir den Wald und gelangen schliesslich zur verwaisten Alp Tamangur Dadora. Es tut weh, die grossen, zerfallenen Ställe ansehen zu müssen. Zwei grosse Tafeln informieren die Vorbeikommenden zum Thema Waldreservat God Tamangur, Arve, Tannenhäher und die nähere Umgebung. Da erfährt man, dass einzelne Arven hier bis 700 Jahr alt werden und dass die Arve die einzige Föhrenart Europas mit 5 Nadeln ist.
 
Auf dem weiteren Weg folgen wir mehr oder weniger dem noch kleinen Flüsschen Clemgia, steigen dabei etwa 300m ab, bis wir S-charl erreichen, wo wir die Zeit bis zur Abfahrt des Postautos mit einem Bierchen in der Gartenwirtschaft verbringen.

Tourengänger: CampoTencia, Krokus


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