Fuorcla Pischa (2848 m) - wunderschöne Schneetour im Herbst 2015


Publiziert von Renaiolo , 29. September 2015 um 17:37.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:26 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 684 m
Abstieg: 925 m
Strecke:10.9 km: Bergfahrt Sessellift Pontresina-Alp Languard - P. 2589 - Plau da l’Esen - P. 2824 - P. 2927 - Fuorcla Pischa - P. 2769 - Val da Fain P. 2172 - Bernina Diavolezza RhB
Zufahrt zum Ausgangspunkt:per pedes
Zufahrt zum Ankunftspunkt:per pedes
Unterkunftmöglichkeiten:Viele Hotels in Pontresina, unser Favorit
Kartennummer:Swiss Map online

Unser zweiter Tourentag im Oberengadin in diesem winterlichen Herbst! Was wir seit dem heftigen Schneefall von vorgestern befürchten mussten: aus der Besteigung des Piz Albris (3166 m) wird heute wohl nichts! rkroebl wird enttäuscht sein, weil wir seinen Gipfelbucheintrag nicht fötelen konnten - sorry Ray! Doch der Reihe nach und erst einmal so tun als ob! Los ging es mit der Sesselbahn hoch zur Alp Languard. Ab hier wählten wir die Aufstiegstrecke in Richtung Piz Languard. Ungefähr ab 2400 m.ü.M. war der Pfad durchgehend schneebedeckt, allerdings gut trittig. Beim P. 2733 (Plaun da l’Esen) mündet der Steinbockweg, dessen Spur nur erahnt werden konnte. Während des Aufstiegs immer wieder der Blick hinüber zur Chamanna Paradis - heute wurde nichts mit dem dort erhältlichen sagenhaft guten Früchtekuchen! Vorbei an P. 2824 stiegen wir hoch bis zum P. 2927 (Kulminationspunkt des Tages) - dort wo der felsige Aufstieg zur Chamanna Georgy (3124 m) beginnt. Leise erkannten wir, dass der Piz Languard heute wohl trotz der winterlichen Verhältnisse zu machen wäre. Unser Ziel aber lag südöstlich, eine schwach sichtbare Spur unterhalb Crasta Languard - immer ungefähr die Höhe bei ca. 2850 m haltend. Bis zur von weitem sichtbaren Fuorcla Pischa waren 2 km zurück zu legen - im durchgehend ca. 50 bis 60 cm tiefen Schnee stampfend. In der Hälfte der Strecke kreuzten wir ein entgegen kommendes Paar aus Italien, deren Trittspuren wir gerne nutzten (und sie die unsrigen…). Zur rechten „unser“ vermeintliches Gipfelziel, der Piz Albris - bei dieser winterlichen Verhältnisse nicht in unserer Reichweite (T4+ falls trocken und schneefrei). Zur linken sonnten sich wie bestellt Steinböcke auf dem Muot da la Pischa (3026 m); schliesslich ist hier die europaweit grösste Steinbockpopulation. Naja, wenn schon nichts wird mit dem Gipfel, dann wenigstens die Steinbockshow! Nach einem kurzen Gegenanstieg erreichten wir die Passhöhe auf 2848 m. Unter dem Schnee soll angeblich eine Geröllwüste liegen - unser Lieblingsgelände. Ausnahmsweise akzeptieren wir auch Schnee als Unterlagen. Von hier aus sind ein paar Spuren in Richtung Piz Albris auszumachen, welche allerdings auf halber Höhe enden. Wir suchten uns einen sonnigen und windgeschützten Rastplatz am Wasserlauf, immer wieder hochblickend zum Albris - schade, aber der Gipfel läuft uns nicht davon! Gestärkt brechen wir auf, erst einmal die Höhe immer schön dem Lauf des Wassers entlang. Unvermittelt vor uns die Schlüsselstelle des Tages bei P. 2769: eine mit Stahlseilen gesicherte Steilstufe, welche mit Schnee vollständig aufgefüllt war. Meine „knapp“ 80 kg zeigten Wirkung, konnte ich für Doris doch gute Tritte stampfen. Die eigentliche kritische Stelle aber folgt erst und unmittelbar: unterhalb der letzten Felsstufe war eine schneebedeckte Runse zu queren. Zehn Meter nur noch, und plötzlich knallte es über uns und mächtige Steine und Geröll donnerten vor uns die Runse runter - ausgelöst vermutlich von Steinwild. Uns ist das Ereignis richtiggehend in die Hosen gefahren. Wir beschlossen Abstand zu halten und die kritische Stelle einzeln und so zügig wie möglich zu queren. Uff - nochmals Schw…. gehabt - Brocken von der Grösse eines halben Meters hätten uns keine Chance gelassen. Die nächsten paar hundert Streckenmeter stiegen wir mit weichen Knien ab, immer wieder mit Blick nach oben. Zur guten Abwechslung öffnete sich der Blick ins Val da Fain (Heutal). Der weitere Abstieg verlief in Serpentinen und nur noch sporadisch über Schnee. Über einen breiten, moränenartigen Pfad erreichten wir die Fahrstrasse, welche durch das Val da Fain hoch führt bis zur Alp La Stretta. Wir halten nach Süden in Richtung Bernina Diavolezza. Gemütliches auslaufen bis zur an der Passstrasse liegenden Talstation, wo wir nach einer halben Stunde Wartezeit an der Sonne den Engadinbus bestiegen, der uns nach Pontresina brachte.
 
Fazit:
Auch ohne Gipfelerlebnis eine überaus eindrückliche Tour - mit der Erfahrung, viel Glück gehabt zu haben. Das nächste Mal dann in umgekehrter Richtung, und hoffentlich mit Gipfelglück!
 
Parameter:
Strecke: 10.925 km
Aufstieg: 684 m
Abstieg: ca. -925 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 28 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 50 Min.
 
GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4
Ausgewertet mit GPS-Track-Analyse

Tourengänger: Renaiolo


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Geodaten
 27335.gpx Track 26.09.2015 - Fuorcla Pischa

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Kommentare (14)


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passiun_ch hat gesagt: Schneestampfen mit Vergnügen
Gesendet am 29. September 2015 um 18:40
Es gibt Momente, da kann man Glück gebrauchen.
HG Michael

Renaiolo hat gesagt: RE:Schneestampfen mit Vergnügen
Gesendet am 30. September 2015 um 07:02
Ja, heute war unser spezieller Glückstag... LG Ruedi

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. September 2015 um 20:31
auch ohne Piz Albris; schöne Tour habt ihr da gemacht!

LG, Richard

Renaiolo hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2015 um 07:04
Danke Richard, wie Du schon in Deinem Bericht vom August 2013 geschrieben hast: "Sehr schöne Tour, selbst ohne Piz Albris". Uns hats trotz winterlicher Verhältnisse sehr gut gefallen. LG Ruedi

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2015 um 10:23
wunderschöne Engadin-Bilder - die Kombination Herbst-Winter ist stets eine sehr dekorative;
solch Glück - auch beim Steinschlag - erlebt man gern!

lg Felix

Renaiolo hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2015 um 11:07
Lieber Felix, danke Dir für den netten Kommentar! LG Ruedi

SCM hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2015 um 11:23
Die Steinböcke bei der Fuorcla Pischa sind definitiv immer eine Reise wert! Wir haben uns kurz überlegt am Sonntag auch dorthin zu gehen, es dann aber doch bleiben lassen!

Zum Glück ging der Steinschlag Vorfall doch noch glücklich aus!

Renaiolo hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. September 2015 um 13:22
Danke für Deinen Kommentar, Sebastian! Ja, wirklich ein Glückstag war das! LG Ruedi

CampoTencia Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. September 2015 um 16:49
Da hattet ihr ja ein paar tolle Tage im Engadin. Ist halt schon eine schöne Ecke! Und interessante Bilder habt zurück gebracht

LG Herbert

Runner Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. Oktober 2015 um 10:46
ich bin neidisch ;-)

Renaiolo hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. Oktober 2015 um 10:58
So ist's richtig! Deinen 'Fuorcletta da Runner' haben wir leider nicht gesehen, der Piz Languard stand dazwischen;-). LG Ruedi

Runner Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. Oktober 2015 um 15:33
Ja, Hauptsache gesund zurück ! Sache mached er... tztztztzt

Renaiolo hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. Oktober 2015 um 16:05
Mir händs jo grad rächtzitig ghöre cho...

Runner Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Oktober 2015 um 12:48
zum Glück ...!


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