Projekt 100 Gipfel in 10 Tagen


Publiziert von Zuraya, 13. September 2015 um 12:13. Diese Seite wurde 1298 mal angezeigt.

Hallo liebe Welt der (Schnell-)Wanderer,

vor ein paar Monaten hatte ich die Idee, 100 Gipfel in so wenigen Tagen wie möglich zu machen. Meine Frau gab mir auch 10 Tage frei, also warum nicht starten?

Natürlich brauchte ich erst genügend Vorplanung. Die bestand darin, dass ich auf alpenvereinaktiv.com zuerst einmal irgendwo zufällig startete und dann versuchte mit realistischen Höhenmetern und Kilometern pro Tag (grob 3000hm/30km) so viele Gipfel wie möglich einzusammeln.
Natürlich stellt sich dabei zuerst einmal die Frage:
Was ist ein Gipfel? Wieviel Prominenz braucht die Kuppe mindestens um ein Gipfel zu sein? Muss es einen Namen haben und in Karten verzeichnet sein?
Wenn man einige Grate entlangschreitet, findet man sicher einige Kuppen, die mehr als 25 Meter Prominenz aufweisen aber in keiner Karte oder Führer einen Namen tragen.

Also beschränkte ich mich zuerst einmal auf alles, was in den DAV-Karten offensichtlich eine Höhenangabe trägt und eine Kuppe (also keine Scharte) ist.

Dabei fiel meine Wahl des Starts ziemlich schnell auf den Allgäuer Ostkamm.
Und es wurde ziemlich schnell klar, dass das Projekt unmöglich umsetzbar ist, wenn man sich lediglich auf Gipfel mit bezeichneten Wegen beschränkt. Die Hälfte aller Gipfel würden ohne Schild mit nur schmalen Pfaden zu erreichen und einige davon T6 oder gar T6+ mit Kletterstellen bis zum III. Grad sein.
Die Beschränkung auf die Schwierigkeit empfand ich als ein gutes Verhältnis zu Gewicht der Ausrüstung und Anzahl der möglichen Gipfel.
Lediglich das Wetter war ein Punkt, der einem einen deutlichen Strich durch die Rechnung machen konnte.

Ich fand bald auch einen recht starken Mitstreiter, der zwar ziemlich jung war, aber bereits die Tal-Zugspitze-Jubigrat-Alpspitze-Tal an einem Tag in 14 Stunden gemacht hatte. Wir waren aber noch nie zuvor eine Tour zusammen gegangen.

Die Übernachtung sollte in den jeweiligen nähesten DAV-Hütten stattfinden.

Wir sammelten in den DAV-Sektionen viele Karten und machten uns gemeinsam an die Planung. Es war ziemlich schnell klar, dass selbst bei maximaler "Gipfel-Ausnutzung" nur etwa 11 mögliche Gipfel im Schnitt am Tag drin waren. Und dabei würden wir kaum die 3000hm pro Tag unterschreiten. Teilweise sogar 3700hm pro Tag.

In der Zeit von Anfang Juli bis Anfang August hatte man sich dieses Jahr ziemlich an das stabile und heiße Wetter gewöhnt. Wir wollten irgendwie nicht wahrhaben, dass sich das noch ändern wird. Geplant war der Start für den 15. August. Und da Felix einfach nicht mehr freie Zeit zusammen bekam, musste die Tour bereits am 22. August wieder enden. Es blieben uns also lediglich 8 ganze Tage.

Grob geplant hatten wir: Start in Sonthofen, über den Entschenkopf-Kamm ans Nebelhorn, dann übers Laufbacher Eck zum Prinz-Luitpold-Haus, dann zur Kemptner Hütte, weiter zur Rappenseehütte und ab ins Lechtal. Valluga, Parseierspitze und danach wieder runter.
Dann kam, drei Tage vor Tourenstart, der per Wetterbericht versicherte Wettereinbruch. Samstag/Sonntag starker Regen und teilweise Schneefallgrenze bis 2300/2400m runter.
Also warfen wir noch einmal alles um, versetzten den Tourstart auf Montag und starteten mit dem Ziel: 50 Gipfel in 5 Tagen.
Um das zu erreichen nahmen wir wirklich jeden "Popel"-Haufen mit und zählten selbst Steinbichel (923m) - eine Art Stein im Wald mit 10 Meter Prominenz als Gipfel.
Das Wetter war aber bis zum Freitag morgen so vernebelt, dass einige Gipfel rausfielen. Am Schneck-Hauptgipfel drehten wir wegen Nässe und Nebel um.

Es war ziemlich schnell klar, dass für die sichere Umsetzung des Projekts noch einige Sachen nicht ganz richtig geplant waren:
-Ich für meinen Teil brauche bei solch Touren eine warme Mahlzeit am Abend, auf den meisten Hütten gibt es nur bis 18:30/19:30 warmes Essen. Hier müsste man sich mit den Hüttenwirten irgendwie absprechen: Essen warm halten, oder eben erkaltetes Essen, oder: gut planen, essen und abends nochmal starten.
-Motivation. Man braucht etwas, um die nötige Motivation und Konzentration aufrecht zu erhalten. Hierfür denke ich, dass ein gutes Team und Menschen, die gut miteinander auskommen nicht ausreichen. Man braucht richtig Feuer und jeder muss für das Ziel kämpfen! Meine eigene Motivation war definitiv nicht ausreichend.

Wir kamen am vierten Abend auf der Rappensee-Hütte mit 37 Gipfeln im Gepäck und etwas zermürbt an. Den Wilder Kamm samt Höllhörner fielen komplett raus wegen Nässe und Nebel und auch Hochvogel und Fuchskarspitze mussten dem warmen Essen weichen.


Jetzt wende ich mich an die Hikr-Community und möchte wissen, ob es hier ein paar Leute gibt, die sich in der Umsetzung eines solchen Projekts sehen. Wer ist fit und motiviert genug, um das umzusetzen? Wer empfindet erst im T5/T6-Bereich am Berg wirkliche Freude und ist im Moment?

Ich möchte das Projekt nächstes Jahr im Sommer noch einmal angehen. Ich bin offen für alle Gebiete der Alpen, würde aber sagen, dass Hochtouren wegen Gepäckwahl aus der Reihe fallen und, da ich mich jetzt im Allgäuer Ostkamm recht gut auskenne, macht es Sinn, nochmal dort hin zu gehen. Eigentlich wollte ich die Tour zwar in für mich recht unbekannten Gebieten machen, das ist aber nicht so wichtig.

Wer sich also mit mir gern zusammensetzen würde, um das Projekt umzusetzen, darf sich gerne melden!

Grüße,
Marian



Kommentare (7)


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Andy84 Pro hat gesagt:
Gesendet am 14. September 2015 um 10:34
Grias di Marian,

schönes Projekt.
Und auch sicher in den Allgäuern in 10 Tagen realisierbar.
Gerade in den Allgäuern könnt ich dir gut weiterhelfen, hab da schon mehr als 3/4 aller Gipfel bestiegen.
Meld dich einfach wenn du wieder in die Planungsphase gehst, wenn es sich zeitlich machen lässt würd ich mitgehen.
VG Andy

klemi74 hat gesagt: Tipp
Gesendet am 15. September 2015 um 16:55
Schau Dir mal den Ostteil der Niederen Tauern an! Gerade die Rottenmanner und Wölzer Tauern bestehn aus langen und gipfelreichen Kämmen, die meist eher leicht begehbar sind. Problem: es gibt nur wenige Hütten in günstiger Lage. Einfach in der Karte schauen und basteln...
Nebenbei: wenn Du dort 100 Gipfel machst, sind wahrscheinlich 40 bis 60 hikr-Erstbegehungen dabei!

Gruß,
Karsten

Zuraya hat gesagt: Vielen Dank
Gesendet am 16. September 2015 um 20:16
Hi Andy,
danke für das Angebot. Was bedeutet 3/4 aller Gipfel? Hast du die "schweren" ausgelassen, oder hast du sozusagen gebietsweise abgearbeitet?
Wenn man einen Ortskundigen kennt, kann man sich natürlich so Sachen wie Wilderkamm-Überschreitung leisten und hat dabei noch Zeit gut gemacht. Wenn man bei so einem Projekt Strecken weglos im II.-III. lange gehen muss und nicht genau weiß, wo, verliert man eher Zeit.

Hi Karsten,

danke für den Tipp! Bin da jetzt mal grob drüber gefahren und kam grob mit 10.000hm/110km auf etwa 55 Gipfel (die man in der Kompass-Karte findet - also gibts sicherlich noch ein paar mehr) Das aber auch nur, wenn ich davon ausgehe, dass die 5-6 Übergänge, die ich jetzt geplant habe, auch weglos machbar sind...
Auffallend ist in dem Gebiet, dass man nie wirklich absteigen muss (vll bis zum Sölkpass auf 1780m) und das ist für die Motivation schon mal ziemlich gut!

Mit meiner II.-Grad-Tauglichkeit haperts gerade sowieso etwas. Gestern habe ich eine Feierabendrunde auf die Schlafende Hexe gemacht und gemerkt, dass ich für 75 Meter Kletterei im II.Grad doch eine halbe Stunde brauche.
An der Überschreitung von Mädelegabel zur Hochfrottspitze war ich deutlich sicherer unterwegs.

Grüße,
Marian

dulac Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. September 2015 um 13:14
Wenn es nicht unbedingt T5/T6 sein muss und Du Dich mit T2/T3 zufrieden gibst, dann würde ich empfehlen, Dir einmal das Gebiet zwischen bzw. um Comersee und Luganersee anzusehen.

Eine erste Etappe könnte hier etwa sein: Start beim Rifugio Menaggio – Monte Grona – Monte Bregagno – Mottone di Rozzo - Monte Marnotto – Monte Tabòr – Cima Pianchette – Pizzo di Gino – Motto della Tappa – Mottone della Tappa - Monte Stabbiello – Monte Seghor - Gazzirola – Cima Moncucco – Monte Bar – Capanna Monte Bar. Auf dieser Strecke hat es darüberhinaus noch weitere Gipfel, die lokal wohl Namen haben, die auf den Karten allerdings fehlen.

Auf dem Bergzug Monte Tamaro – Monte Lema sollten sich ebenfalls rund 10 Gipfel finden lassen, ebenso wie auf einer Runde zwischen Monte Generoso, Sasso Gordona und am Ende dem Monte Bisbino.

Dann ist da noch der Klassiker Triangolo Lariano, das Dreieck im Comersee zwischen Como/Brunate und Bellagio. Es gibt verschiedene Routen, aber rund 10 Gipfel sollten hier schon auch zusammen kommen.

Insgesamt eine wirklich attraktive Gegend, die Berge mit z.T. nur wenig über 1000m sind in Wahrheit nicht so „niedrig“ wenn man bedenkt, dass die Seen auf 200 m liegen.

Falls Du es noch nicht kennst, möchte ich Dich auf die auf Online-Karten hinweisen, wo Du Dir die Gegenden in unterschiedlichen Maßstäben anzeigen lassen kannst (außerhalb des Gebiets der Schweiz allerdings etwas eingeschränkt).

Für einen ersten Eindruck eines Teils der oben angeführten möglichen ersten Etappe kannst Du Dir mal die Fotos zu diesem *Bericht und in Gegenrichtung dieses Foto ansehen.

LG Wolfgang

grabblop hat gesagt: Ähnliches Projekt 100 Gipfel in 30 Tagen
Gesendet am 11. November 2015 um 13:54
Servus Marian,
sehr coole idee und mein absoluten Respekt wenn du 100 Gipfel in 10 Tagen schaffst!

ich und mein Bruder hatten eine ähnliche Idee.

https://www.youtube.com/watch?v=uFob8yF2McA


http://www.hikr.org/tour/post97502.html

Hab die Gipfelpunkte auch mal hier auf Hikr hinzugefügt.

Kannst dir ja mal anschauen und dich inspirieren lassen ;)


Nic hat gesagt:
Gesendet am 11. November 2015 um 18:26
Die Ammergauer wären auch interessant für dieses Projekt. Da sollten auch 100 Gipfel in 10 tagen machbar sein. Eventuell in Kombination mit den Allgäuern!?

VG Nico

abenteurer Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. Dezember 2017 um 10:34
Servus Marian,

ich kann jetzt nicht alle Kommentare lesen, aber ich würde die Tuxer u. Kitzbüheler Alpen empfehlen. Da müssten 10 Gipfel am Tag drin sein. Aber wohl nicht jeden Abend ein warmes Essen. Da muss man wohl einen Kocher, Topf, Nudeln u vielleich Tomatenmark mitnehmen. Tomatenpulver ist zwar in vielen Trockenprodukten vorhanden, kann im Einzelhandel nicht gekauft werden (allerdings Tomatensuppenpulver).


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