Eine kleine Geschichte vom Grossen Ruchen


Publiziert von El Chasqui, 28. April 2013 um 21:37. Diese Seite wurde 973 mal angezeigt.

Oder wie uns ein Rucksack die Tour versaute….

Um fünf Uhr starteten wir letzten Donnerstag bei klarem Sternenhimmel, um den Skitouren-Klassiker Gross Ruchen unter die Felle zu nehmen. Zügig stiegen wir hoch, liessen schon bald die Brunni-Alp hinter uns und  schlurften gegen die Ruch-Chälen hoch. Der Höhenmesser zeigte 1800 m, als mein Skitourenkollege auf merkwürdige Gegenstände 20 Meter neben der Spur hinwies:  Da lagen Handschuhe, Mütze, ein zerfetzter Rucksack, Plasticksäcke, Pet-Flasche etc. Wir steuerten auf die Gegenstände zu und realisierten, dass wir uns auf einem rund 400m-langen Lawinenkegel befanden.

Sofort schalteten wir unsere Barryvox auf suchen um mögliche Signale zu erkennen. Wir überlegten, was passiert sein könnte: Ist da jemand aus der GR-Nordwand gefallen? Kaum, sonst wären die Steigeisen nicht im Rucksack verstaut. Kam da jemand am Vortag unter eine Nassschneelawine? Wir – in der Zwischenzeit kam uns auch noch ein Päärli zur Hilfe – suchten den ganzen Lawinenkegel ab. Keine Signale. Trotzdem meldeten wir den Vorfall vorsorglich der REGA. Diese informierte die Kantonspolizei, um abzuklären, ob die Person – ID war im Rucksack verstaut – als vermisst gilt. Für uns war klar, dass die Lawine nicht frisch war, d.h. entweder gestern  Morgen oder gestern Nachmittag nieder ging. 

Nun gingen wir den ganzen Lawinenkegel hoch, bis zum Anriss und stellten fest, dass keine Einfahrtsspuren vorhanden waren. Überhaupt, war auf den ersten Blick nicht klar, weshalb sich hier in relativ flachem Gelände eine Lawine lösen konnte. Der Blick hinauf erklärte, dass sich die gewaltige Schneemenge hoch oben am Gross Ruchen gelöst hat, über die steile Nordwand donnerte und sich so durch den untersten Teil der Ruch Chälen Richtung Brunni hinabzog. Wir suchten nun nochmals von oben nach unten und fanden auch diesmal kein Signal. Ja könnte ja sein, dass die Batterien nach einigen Stunden unter dem Schnee den Geist aufgeben… . Aber weil wir keine Einfahrtsspuren entdeckten, mussten wir annehmen, dass die Person im Aufstieg kalt erwischt wurde, das wäre dann riesiges Pech gewesen, da die Aufstiegsspur nur rund 30 Meter über den Lawinenkegel führte…..

Nun gaben wir die Suche auf, kontaktierten nochmals die REGA, machten Pause, als sich nach einigen Minuten von oben zwei Skifahrer nahten, der eine ohne Rucksack…...  Sie seien sehr früh am Morgen aufgestiegen und beim Montieren der Harsteisen sei der Rucksack an einer steilen Stelle hinuntergerutscht  und in der Dunkelheit wollten sie den Rucksack nicht suchen gehen, sie fänden ihn ja dann sicher beim Runterfahren….  Pech nur, dass der Rucksack genau auf einem Lawinenkegel zum Stehen kam.  Was lernen wir daraus? Künftig Augen zu und weiter…..
NB1: Die REGA haben wir sofort informiert, dass sich der Vorfall geklärt hat. Zum Glück war noch kein Heli unterwegs….
NB2: Bei uns war die Motivation dahin. Wir verzichteten auf den weiteren Aufstieg (schliesslich verloren wir auch zwei  Stunden) und fuhren gemütlich hinunter und „feierten“ unsere Leistung mit einem Cola Zero auf der Terrasse vom Restaurant Alpina…..
NB3: Die Tourengeher entschuldigten sich höflich.



Kommentare (24)


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rkroebl Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. April 2013 um 22:29
Auch wenn Eure Tour damit geschlissen war: Besser so als anders. Bin sicher, dass Du das auch so siehst. Und die Augen bleiben offen.

Gut zu wissen, dass Leute wie Du da oben rumkraxeln.

Gruess,

Ray

El Chasqui Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 07:35
Danke, ja natürlich bleiben die Augen offen...
Gruess Urs

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 28. April 2013 um 22:36
hmm? lieber el chasqui

> Was lernen wir daraus? Künftig ...

... könntest du deine erlebnisse in einem tourenbericht festhalten, statt in einer community? oder besteht dort die gefahr, dass ihn vielleicht nicht jeder liest?

MicheleK hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. April 2013 um 23:01
lieber kopfsalat,
ganz ehrlich - dein kommentar finde ich persoenlich daneben - lieber so ein kuriosum in einer community - als die ewigen diskussionen und moralischen lehrgaenge die hier gewisse leute vom zaun reissen ...
eine schoene woche wuensche ich dir

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. April 2013 um 23:17
schliesse mich dir an, finde ich auch persönlich daneben.

da haben wir hier die wohl weltbesten software, um über seine touren und erlebnisse zu berichten. und das verlinken dieser erlebnisse mit jeder community ist nicht weiter als ein klick entfernt. aber nein ... aus welchem grund auch immer wählt man einen anderen weg. hat gar nichts mit moral zu tun, höchstens vielleicht ein wenig mit good housekeeping.

schöne woche wünsch ich auch dir.
gruss
dani

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 07:33
Hallo El Chasqui, danke für diesen informativen Community-Eintrag! Am Ende ist ja alles nochmal gut ausgegangen, wenn's euch auch leider die Tour versaut hat. Aber ihr konntet dann wenigstens am Abend stolz darauf sein, euch für die Kameradenhilfe entschieden zu haben... viele Grüße aus Oberbayern!

El Chasqui Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 07:39
Habe das natürlich bewusst nicht als Tourenbericht abgelegt, da ein Tourenbericht Angaben zur Tour beinhalten muss und dieser Vorfall hätte genau so gut in Oberbayern oder Kärnten passieren können. Ich werde nun aber diesen Eintrag hier entfernen.

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 08:09
Fänden wir schade, wenn dieser sehr gute Beitrag verschwinden würde. Lass ihn doch hier stehen oder mach trotzdem einen Tourenbericht draus, so wird er weiterhin gelesen.

Im letzten Winter gab es bei uns im Tal einen ähnlichen Vorfall. Auf einem Lawinenkegel wurde Material (Rucksack und dergleichen) gefunden, Rettungskolonne etc. ausgerückt, schlussendlich fand man den Besitzer des Materials - wohlauf und im Tessin beim Klettern.

Gerade um solche Aktionen nach Möglichkeit zu verhinden, finden wir Beiträge wie Deinen sehr wichtig. Danke dafür.

LG
N&M

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 08:21
> Gerade um solche Aktionen nach Möglichkeit zu verhinden, finden wir Beiträge wie Deinen sehr wichtig. Danke dafür.

und wie wollt ihr das bewerkstelligen?

> Augen zu und weiter ...

???

man verstehe mich nicht falsch, auf ein problem hinzuweisen, finde ich durchaus löblich und hier in der community ist dafür sicher auch der richtige platz, aber auf das ganze drum rum
> Um fünf Uhr starteten wir ... blabla ...
kann problemlos verzichtet werden.

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 08:49
WIR müssen gar nichts bewerkstelligen. Aber vielleicht informiert ein Nächster, der irgendwo seinen Plunder verliert, die Polizei, damit diese zumindest informiert ist, dass kein Ernstfall vorliegt.

Und im übrigen hätte El Chasqui diesen Beitrag in einen Tourenbericht verpacken können...auch das wäre durchaus legitim.

Aber was stören DICH denn überhaupt derartige Beiträge in der Community "Skitouren"? Ist ja eher nicht Dein Terrain... ;-)

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 09:04
> WIR müssen gar nichts bewerkstelligen.

dann ist's ja gut, dass wir darüber geredet haben!

Lulubusi hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 09:11
Da sag ich nur alles richtig gemacht!
Material gefunden, Suche begonnen usw. Solche Berggänger wünscht man sich.
Wie auch immer dies hier drin steht. Mittels Bericht oder nicht ist einfach nur egal! Wichtig sind die Infos die man daraus nimmt.

Grundsätzlich heisst es: Material verloren, Meldung machen, damit Suchaktionen nicht passieren!

Und genau auf das drum rum kann gut und gerne verzichtet werden. Vor allem solche .......... Aussagen, dass dies in einer falschen Form im Hikr stehen könnte!, von Personen die diese Sportart gar nicht betreiben und dadurch ganz einfach die nötige Erfahrung fehlt.

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 09:20

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 09:23
[www.radiopilatus.ch/artikel/detail/111052/grosseinsatz_im_mu...]

[www.bote.ch/boulevard/grossalarm-wegen-eiskletterer-muotatha...]

> Die Kapo weist darauf hin, dass Lawinenabgänge, kombiniert mit Materialverlusten, unbedingt der Polizei zu melden sind. So hätte in diesem Fall ein Grosseinsatz verhindert werden können.

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. April 2013 um 09:31
Eben...da waren wir heute ja schon mal:

> WIR müssen gar nichts bewerkstelligen. Aber vielleicht informiert ein Nächster, der irgendwo seinen Plunder verliert, die Polizei, damit diese zumindest informiert ist, dass kein Ernstfall vorliegt.


nprace hat gesagt: ...mir auch mal passiert...
Gesendet am 29. April 2013 um 08:36
Ich habe auch einen Rucksack im Abstieg vom Gälmihorn (im Sommer) gefunden. Er war recht zerrissen und vom allgemeinen Zustand her, meinten wir er sei schon zeimlich lang dort. Wir hatten keine Ausweise oder Nameneingaben gefunden und haben also nichst unternommen.
Frage: gibt es etwas sonst was man machen kann in einem solchen Fall?
Gruss
N

xaendi hat gesagt: RE:...mir auch mal passiert...
Gesendet am 29. April 2013 um 10:00
Ein Rucksack geht ja nicht einfach so verloren. Ich würde ein Foto machen, mir die genaue Fundstelle / Position merken und dies dann zur Sicherheit der Polizei melden.

Im Übrigen finde ich, dass du, [el Chasqui], absolut vorbildlich gehandelt hast. Schade, dass ihr deshalb die Tour nicht zu Ende bringen konntet. Und kopfsalat, dass du hier gleich wieder austeilen musst, finde ich schade. Da wurde schon viel Banaleres in diversen Communities diskutiert.

Henrik Pro hat gesagt: Achtung: polemikgefährdet!
Gesendet am 29. April 2013 um 09:44
...statt es wie Lulubusi zu sehen!

Bombo hat gesagt: auch erlebt
Gesendet am 29. April 2013 um 16:29
Wir hatten das selbe damals bei der 2/3-Überschreitung des Mürtschenstock erlebt. Da lag in sehr unwegsamen Gelände (was dort sowieso überall der Fall ist...) dieser Rucksack, welchen wir dann zuerst einmal zu uns holten. Ich erinnere mich, dass in der Deckeltasche die Personalien vorhanden waren, welche ich dann abgeschrieben habe.

Am Abend nach unserer Rückkehr kontaktierte ich den Inhaber. Dieser informierte mich, dass ihm der Rucksack beim Klettern hinunter gefallen ist und gleichzeitig war erstaunt, dass man sich nun bei ihm deswegen melde ("das sei doch nicht nötig"). Ich habe ihm dann von unseren Sorgen erzählt und dass wir vom Schlimmsten ausgingen, was er dann immerhin verstanden hat. Interessant war auch, dass er selber es nicht für wichtig empfunden hatte, diesen Vorfall der Polizei zu melden. Schliesslich wollte er den Rucksack "irgendwann" einmal suchen gehen.

Mein Fazit:

- eigener Rucksack mit wasserfestem Stift immer beschriften (und von Zeit zu Zeit kontrollieren bzw. nachbessern)

- falls möglich sofortige Kontaktaufnahme mit möglichen Inhabern der Gegenstände

- jeweils Meldung an Polizei und nach Absprache mit dieser evtl. an REGA (erledigt meist die Polizei)


--> El Chasqui: sehr vorbildlich von Euch! Auch super, dass Du dieses Thema hier erörterst (meiner Meinung nach sogar besser hier in der Community, man sieht es hier anhand der Reaktionen)

--> Kopfsalat: es scheint mal wieder, als hätte es bei Dir im Garten nicht genug geregnet. Wie sonst kann man sich Dein ständig negatives Verhalten erklären? Vielleicht solltest Du mal wieder Deine Erde erneuern oder Dein Salat einer Wurmkur unterbreiten, aber diese ständige Nörglerei kann einem richtig auf den Sack bzw. Salat gehen. Pfui.

jfk hat gesagt:
Gesendet am 29. April 2013 um 20:32
Auch wenn das Ganze für euch recht frustrierend gewesen sein muss, finde ich dass ihr alles richtig gemacht habt. So mancher Berggänger sollte sich ein Vorbild an euch nehmen! Ich hoffe, dass du dem ganzen auch etwas positives abgewinnen kannst und weiterhin mit offenen Augen auf Tour bist.

Es ist wichtig und gut dass du dieses Erlebnis mit uns teilst, so hat das Ganze doch noch einen Sinn und andere können etwas daraus lernen.

Gruss Jonas

jfk hat gesagt: Haftung?
Gesendet am 29. April 2013 um 21:07
Eine Frage bleibt für mich nach dieser Geschichte doch noch: Wer hätte im Falle einer teuren Rettungsaktion die Kosten übernommen?

Die Richtlinien des SAC sind für mich in diesem Fall nicht ganz klar formuliert. Trotzdem könnte man aus meiner Sicht zwei Punkte zumindest teilweise anwenden:

> Wer sich von einer Tour nicht wie vereinbart zurückmeldet und trotz telefonischen und anderen Nachforschungen nicht gefunden wird, muss die Kosten für die daraufhin angeordnete Suchaktion ersetzen, auch wenn diese unnötig oder ergebnislos war.

>Wer für einen Dritten, der sich in Not befindet, Hilfe besorgt, haftet nicht für die Kosten der durch ihn veranlassten Hilfeleistungen.

Beide gehen für mich in die Richtung, dass wohl der Besitzer des Rucksacks haften würde. Oder täusche ich mich und am Ende würde die Rega auf den Kosten sitzen bleiben oder der aufmerksame Berggänger müsste die Haftung übernehmen? Wer weis mehr?

Lulubusi hat gesagt: RE:Haftung?
Gesendet am 29. April 2013 um 21:18
Eines ist klar!
Derjenig der die Rettung alarmiert haftet nie!!! Und muss keine bedenken haben, dass er irgend welche Kosten zu tragen hat!

Ausnahme, irgend so ein dödel macht dies als jux, aber das ist ein anderer Fall.

marmotta hat gesagt: RE:Haftung?
Gesendet am 29. April 2013 um 21:55
Das ist eine (juristisch) interessante Frage! Meines Wissens haftet der Berggänger nur, wenn ihm hinsichtlich der ausgelösten Aktion ein Verschulden nachgewiesen werden kann. Dies dürfte regelmässig dann der Fall sein, wenn für das Verhalten in den Bergen anerkannte Regeln oder Richtlinien, die jeder verständige Berggänger kennt oder kennen müsste, bewusst verletzt werden. Bei Würdigung der Gesamtumstände des vorliegenden Falles gehe ich davon aus, dass der betroffene Berggänger, der den Rucksack verloren hat, im Zweifel eher nicht haften würde...

Wobei nicht klar ist, ob der "Rucksackverlierer" die Umstände der möglichen Fundsituation (Lawinenkegel etc.) erkennen konnte. Aber bloss "Rucksackverlieren und nicht gleich Kapo anrufen" reicht meines Erachtens nicht aus, um ihn (durch die REGA) haftbar zu machen.

Dies ist allerdings nur meine laienjuristische Einschätzung - bin gespannt auf andere (fundierte) Aussagen!!

G.
marmotta

El Chasqui Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. April 2013 um 23:06
Besten Dank für die interessanten und konstruktiven Beiträge!

Wir haben uns tatsächlich auch überlegt, wer die Kosten für einen REGA- bzw. SAC-Einsatz übernommen hätte. Wahrscheinlich hätte das die Allgemeinheit berappt.., ich denke nicht, dass der Berggänger oder sogar wir für diese Kosten hätten haften müssen.



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