Tauchkurs zur Jocheralm...


Publiziert von maxl, 7. Februar 2013 um 16:21. Diese Seite wurde 538 mal angezeigt.

...könnte bald Realität werden.
[www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/riesiger-speiche...]
Das wird wohl bald eine hitzige Diskussion geben. V.a. weil hier beide Positionen mit ökologischen Aspekten begründet werden: Naturschutz vs Ökostrom aus Wasserkraft...
Meinungen? Ich war zunächst entsetzt, aber irgendwo muss der Strom ja herkommen ... das ist wohl etwas komplexer als bei der expansiven Erschließung der Alpen mit Skipisten...



Kommentare (14)


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Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Februar 2013 um 17:31
also ökoLogisch ist ein pumpspeicherkraftwerk ganz sicher nicht, denn es vernichtet mehr energie, als es produziert.

vom ökoNomischen standpunkt her macht es aber durchaus sinn, denn es gibt kein annähernd gleichwertiges energie-speichermedium.

und man kann damit natürlich auch schön viel (in sinne von viel, viel) geld machen, da man zum raufpumpen billigen strom z.b. aus französischen kernkraftwerken verwenden kann. während man den selber produzierten strom später dann zu spitzenzeiten zu spitzenpreisen verkaufen kann. und für leichtgläubigere zeitgenossen sogar als öko-strom deklarieren kann.

eine win-win-situation für die kraftwerksbetreiber, während es für die natur eine reine lose-lose situation ist.

durch das dauernde raufpumpen und ablassen, wird das wasser im speichersee so stark durchmischt, dass sich keine naturnahe flora und fauna entwickeln kann. während die extremen wasserstandsschwankungen unterhalb des kraftwerks - zwischen kümmerlichen restwassermengen und schwallartigen flutwellen - fast sämtliches aquatisches leben verunmöglichen.

wer sich anschauen will, wie das aussieht, braucht nur in die schweiz zu kommen, hier hats genügend beispiele.

silberhorn Pro hat gesagt: wasserstandschwankung
Gesendet am 7. Februar 2013 um 20:44
Dabei gibt es ein Gesetz das eine Mindest-Wasserstandhöhe vorschreibet!

Alpin_Rise hat gesagt: Restwasser
Gesendet am 8. Februar 2013 um 09:57
Kopfsalat hat die Problematik von Pumpspeichern gut beschrieben.

Neben dem Eingriff ins Fliessgewässer mit dem katastrophalen Schwall-Sunk und dem Restwasser sind auch die Eingriffe ins Landschaftsbild enorm. Es werden neben dem effektiven Stausee ja auch Werkstrassen und Hochspannungsanlagen benötigt.

silberhorn, ich nehme an, du meinst die Restwassermengen. Der Fischereiverband hat zusammengefasst, wie die Kantone die seit Jahrzehnten fällige Sanierung handhaben.
Es gibt hier, föderalistisch gesprochen, verschiedenste Schafrassen, solche mit weissen und schwarzen Nasen...
Die Gesetze sind gut, jedoch nur so weit, wie sie auch umgesezt werden!

G, Rise

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Restwasser
Gesendet am 8. Februar 2013 um 10:26
punkto restwasser betrifft es aber oft nicht nur das gewässer direkt unterhalb des kraftwerks, sondern, aufgrund von umleitungen auch gewässer in nebentälern, welche mittels stollen in den stausee geleitet werden. im extremfall sogar unter der wasserscheide durch!

da läuft man einem lustig sprudelnden bächlein entlang bis zu einer entnahmestelle und 5m weiter starrt einen das komplett ausgedörrte bachbett an!

dabei kommt es nicht so sehr auf die kantone oder gemeinden drauf an, als die höhe über meer, respektive die automobile zugänglichkeit. je weiter von der nächsten strasse, desto weniger restwasser.

das gesetz wird gebrochen, wie und wo nur möglich.

silberhorn Pro hat gesagt: RE:Restwasser
Gesendet am 8. Februar 2013 um 16:56
Ja die Restwassermenge. Der Fischerverband ist mir längst bekannt und erhalte die Newslettern;-)

Gruess, maria




Kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 10:32

silberhorn Pro hat gesagt: das sieht dann so aus...
Gesendet am 8. Februar 2013 um 17:12
Ein lebendiges Beispiel vom leider sterbende Doubs

[www.wwf.ch/de/projekte/schweiz/wasserprojekte/riverwatch/dou...]

83_Stefan hat gesagt:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 18:58
Da ich ja direkt am Fuß des Jochbergs wohne, werfe ich jetzt auch mal meine Meinung in den Raum...
Ich bin 100 % gegen dieses Projekt, dem ich eigentlich auch keine größeren Chancen zur Umsetzung gebe, denn der Jochberg ist einer DER Hausberge der Münchner. Dort würde man sich schlicht und einfach zu viel Gegenwind einhandeln, denke ich.
Ich bin aber schon der Meinung, dass man im Allgemeinen solch ein Pumpspeicherwerk in bestimmtem Rahmen als "ökologisch" ansehen kann, denn mit dem "grünen" Strom kommt auch die fehlende Grundlast und damit ein Energiespeicher-Problem. Das effizientere Speichern von Energie sehe ich als Bedingung für den vollständigen Umstieg auf "grüne" Energie. Auf welche Weise sei mal dahingestellt... am besten aber natürlich möglichst umweltfreundlich.
Das Thema "Restwassermenge" spielt im angesprochenen Beispiel überhaupt keine Rolle, denn das Reservoir wäre der Walchensee, immerhin fast 200 Meter tief und bereits durch das seit 1924 bestehende Walchenseekraftwerk mit dem darunter liegenden Kochelsee verbunden (an dem ich wohne). Daher hat er bereits einen stark schwankenden Wasserspiegel (das Walchenseekraftwerk ist ein Spitzenlastkraftwerk); Flora und Fauna sind dort übrigens in hervorragendem Zustand. Ebenso wären weitere Überleitungen von Gewässern kein Thema, denn alles was fließt, wird bereits in den Walchensee abgeleitet. In Deutschland legt man aber zum Glück mittlerweile großen Wert auf das Thema "Restwassermenge"; früher war das Flussbett der Isar zwischen Ausleitung und Sylvensteinspeicher in Trockenzeiten nahezu wasserleer, heute kommt dies glücklicherweise nicht mehr vor.
Im Vordergrund aber steht der kapitale Eingriff ins Landschaftsbild am Jochberg, der wohl nur mit "Vergewaltigung der Natur" zu umschreiben ist. Es gibt sicherlich viele Orte, an denen die Verschandelung zumindest nicht so offensichtlich und tiefgreifend wäre, daher meine klare Ablehnung gegen dieses Projekt.
Wir alle können etwas gegen solche Projekte tun: Energie sparen! Wir leben viel zu energieaufwändig, angefangen bei der Christbaumbeleuchtung, über nachts hell erleuchtete Straßenzüge bis hin zu Stand-By-Geräten. Irgendwann werden wir dafür die Rechnung bekommen, dessen sollten wir uns im Hier und Jetzt bewusst sein.
In diesem Sinne: Viele Grüße an alle HIKR vom "Brennpunkt" Jochberg ;-) !

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 19:12
pump-speicher-kraftwerk [nicht-gleich] speicher-kraftwerk. nur so als anmerkung.

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 19:17
Selbstverständlich! Aber auch ein Pumpspeicherkraftwerk dient der Energiespeicherung. Eine Batterie lädt sich schließlich auch nicht von alleine auf, sondern benötigt Strom, den man reinsteckt.
Wenn wir Speicherkraftwerke mit natürlichem Zulauf nutzen können, ist dies natürlich besonders vorteilhaft, wird aber beim "Energieumstieg" kaum als Speichermedium ausreichen, fürchte ich.

Schneemann hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 19:25
Die Trennung ist aber oftmals nicht so einfach wie in der Theorie. Viele Speicher-Kraftwerke werden zeitweise auch als Pump-Speicher verwendet.

Schneemann hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Februar 2013 um 20:06
Ehrlich gesagt finde ich es nicht so einfach. Speicherseen sind wohl im Auge vieler Menschen keine Verschandelung der Landschaft, sondern oftmals eher eine Verschönerung. Ein Bergsee umgeben von tollen Gipfeln ist nicht gerade unattraktiv.

Andererseits muss man sagen dass Pumpspeicherung, entgegen aller früherer Prognosen, derzeit ökonomisch wenig attraktiv ist. Da wundert es doch eher wenn solche Projekte dennoch angegangen werden. Pumpspeicherung rentiert sich nur wenn man teuren Strom zur Deckung des Spitzenbedarfs verkaufen kann. Hier gibts aber im Moment starke Konkurrenz durch die Solarenergie und die Windkraft. Die liefern nämlich Strom vor allem zu den Spitzenzeiten, nämlich am Mittag wenn die Sonne am stärksten ist (Solarkraft) und im Winter wenn der Verbrauch besonders hoch ist (Windkraft). Und dieser Trend wird sich verstärken wodurch die Pumpspeicherung okönomisch zunehmend unattraktiv wird.

Kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Februar 2013 um 11:18
das problem für den pump-speichersee ist nicht in erster linie das speichern und ablassen, sondern das künstliche rauf- und rein-pumpen. dadurch werden die natürlichen wasser-"schichten" durcheinandergebracht. mit fatalen folgen für die bestehende aquatische flora und fauna, denn meist brauchts nicht viel, um die natürlich gewachsene artengemeinschaft zu zerstören. egal ob der teich nun jahrzehntelang unter naturschutz stand.

frag mal alpin_rise. das ist sein spezial-gebiet.

maxl hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2014 um 14:29
Falls es jemanden interessieren sollte: das DIng wird jetzt aller Voraussicht nach nicht gebaut. Die bayerische Staatsregierung nimmt aus wirtschaftlichen Gründen Abstand vom Projekt und will sich jetzt vermehrt der österreichischen Ressourcen bedienen...


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