Global Code of Conduct und andere schönfärberische Zertifikate,


Publiziert von Henrik , 14. September 2012 um 10:43. Diese Seite wurde 336 mal angezeigt.

die auch in der Warenprodukteherstellungskette angeblich zum Tragen kommen - eine durch und durch zertifizierte Welt! Das gilt für unsere Ausrüstungen und für unseren digitalen Park in der Hosentasche und im Rucksack gleichermassen.

Im Rahmen der Arcteryx -Jacken-Debatte und erstmalig überhaupt auf hikr. ist Kinderarbeit in den Kommentarfokus getreten: sehr löblich, dass Alpin_Rise dies erwähnt: ".....wobei es oft die selben Kinder bzw. die Ärmsten sind, die produzieren und sich dabei vergiften oder zu Tode schuften"!

Auch die biologische Diversität wird betroffen sein bzw. ist es schon: http://scinexx.de/dossier-detail-443-10.html 

Davon ausgenommen bin ich selbst nicht und oft stehe ich  vor der Entscheidung, falls wieder ein neues Teil her muss, wie ich verfahren soll: aktuell z. B. mit Hosen von Fjällräven, Schuhe und das Smartphone (denn Coltan brauchen alle...und das aktuelle Coltan kommt grösstenteils aus dem Kongo, gefördert durch Kinder-hände). Beim Smartphone habe ich 10 (...) Briefe (im  Abstand von einer Woche bzw. einem Monat) an die Zentrale Samsung Europa in Zürich/Wien geschrieben (eingeschrieben) und NICHT eine Antwort bezüglich Coltan/Kinderarbeit erhalten! Damit ist Samsung für mich out-of-buy. Kein aktueller Smartphone-Hersteller ist frei davon - daher bleibe ich noch bei meinem Handy (das auch nicht sauber genug ist)...


...ich hör's schon klingeln...ja lieber silberquäki, du fährst einen Geländewagen....ja, das ist richtig. Es gibt keine Entschuldigung: das Öl ist klebrig und schmutzig produziert und das Just-in-Time-Verfahren ist auch blutig geschwitzt, eher weniger von Kindern....mein RRC wird nur selten bewegt. Ich fahre bremsstaub- und feinstaubgenerierende Eisenbahn - in der CH.


Danke für die Aufmerksamkeit.

Saluti

silberquäki





Kommentare (8)


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Sputnik Pro hat gesagt: Ohne Coltan geht nichts
Gesendet am 14. September 2012 um 11:05
Aus Coltan werden die Metalle Niob und Talntal gebonnen. Für Smartphenes werden nur kleine Menge benötigt, dann die beiden widerständigen metalle werden für rostfreie und sehr harte Stähle verwendet. z.B. für die chemische Industrie und für besonders benasprichte Materialteile wie Flugzeugturbinen oder Implantate.

Wie siehst, geht ohne Zusätze von Tantal und Niob für spezielle Metalllegierungen nichts. Aufs Handy könnte man wohl verzichten können, aber auf Metallteile die einen Knochen oder Gelänke wieder zusammenhalten, wohl nicht...

Alpin_Rise hat gesagt: Lieber Henrik, das die Crux bei allem...
Gesendet am 14. September 2012 um 11:37
... was wir am Leibe tragen!

Wenn ich die Garantie hätte, dass die Kleidung der Premium-Marken fair produziert würden, wäre mir das den höheren Preis wert.
Allerdings lese ich oft, dass die Kleidung in den selben Betrieben hergestellt werden wie Billigprodukte. Unter den selben ausbeuterischen Bedingungen und im Widerspruch zu den Bekentnissen der Herstellerfirmen, die sich mit Zertifikaten schmücken und alles schönreden. Oder gar die Verantwortung abschieben an die lokalen Behörden oder Fabrikanten, welche die Arbeiterinnen bis zum Letzten auspressen.

Was helfen würde, ist rigorose Kontrolle durch externe (europäische, vom Hersteller unabhängige) Stellen und ein Durchgreifen der (allerdings meist korrupten) lokalen Behörden. Oft wird dann nur ins nächste Land ausgewichen, bis dort ein Skandal publik wird, dann wird wieder umgezogen...

Konkrete Handlungsmöglichkeiten:

- wenig konsumieren: brauche ich wirklich eine eigene Jacke für Winter und Sommer, braucht jede Sportart separate Kleidung? Ich trage z.B. inkl. Hosen/Unterwäsche für alle meine Sportarten immer das selbe Dutzend Kleidungsstücke.

- Langlebiges bevorzugen: lieber die Qualitätsjacke 10 Jahre tragen als in der selben Zeit vier Aldi-Jacken verschleissen. Ich sehe in den Bergen immer weniger Leute mit alter, genutzter Ausrüstung.

- Verzicht auf Ultraleicht-Ware. Verschleisst schneller, ist teurer, bringt im Endeffekt in unserem Einsatzbereich wenig. Mein Rucksack Deuter Guide 35 ist zwar ein gutes halbes Kilo schwerer als die Leichtlinien, hält aber bereits 6 Jahre tadellos.

- Europäische oder gar inländische Produktion bevorzugen: Die Produktionsbedingungen sind etwas besser als in Südostasien (EU bzw. EU-Nähe) und die Transportwege kleiner. Schuhe können z.B. oft aus Italien bezogen werden.

- Den Herstellern e-mails, Briefe, Telefonate machen, wo man sich erkundigt über die Produktion oder einen Protest anbringt. Das selbe im Bergsporthandel. Ich hoffe, dass einst die Produktionsbedingungen ein entscheidendes Verkaufsargument bei allen Marken wird.

- Gute (Aufklärungs-) Arbeit zum Thema mach übrigens die EVB. Eine Mitgliedschaft/Spende erhöht den Druck auf die Kleiderhersteller - finanziert durch den Kauf einer 300.- anstatt einer 800.- Jacke!

Kennt sich jemand in dem Business profund aus und kann uns Marken empfehlen? Ich blick bei den Labels nicht mehr durch - und wenn ich über schwarze Schafe mit Label lese, fehlt mir auch das Vertrauen in selbige...

G, Rise

kopfsalat Pro hat gesagt: das naheliegenste fehlt ...
Gesendet am 14. September 2012 um 12:21
> Verzicht auf Ultraleicht-Ware. Verschleisst schneller, ist teurer, bringt im Endeffekt in unserem Einsatzbereich wenig. Mein Rucksack Deuter Guide 35 ist zwar ein gutes halbes Kilo schwerer als die Leichtlinien, hält aber bereits 6 Jahre tadellos.

fühle mich da angesprochen. kann dem aber sehr leicht und mit einem wort (das in deiner auflistung - wohl als kind des kaufzeitalters - komplett fehlt) kontern: flicken!

wenn bei mir was kaputt geht, dann flicke ich es erst mal. eine nähmaschine leistet hierbei gute dienste. und der vorteil, für ultraleichtes brauchts keine industriemaschine, da reicht auch oma's alte vom dachboden.

oder man kann gerade noch einen schritt weiter gehen und sich das ultraleichte zeug gerade ganz selber nähen.

nb: mein golite "breeze" hat knapp 60l volumen, wiegt 450g und hält nun schon seit 10 jahren, obwohl ich ihn sehr oft und auch unter widrigsten umständen benutze.


leichte grüsse

dani

Alpin_Rise hat gesagt: RE:das naheliegenste fehlt ...
Gesendet am 14. September 2012 um 12:47
Ja, flicken! Hat seine Grenzen, wenn die Materialien am Ende sind. Und die Leichtmaterialien lassen sich meiner Erfahrung nach schlechter flicken. Ein Cordura 1000 nähe ich mit groben Nadeln/Sternchenfaden, die Stöffchen der UL-Linien zerreissen da schnell. Und mit Leim und dergleichen ists oft mit der Stabilität vorbei.

Eine Krux sind die Reisverschlüsse. Entweder man ist handwerklich sehr begabt und setzt einen neuen (bzw. anderen alten) selbst ein oder bezahlt annähernd so viel für den Ersatz wie für ein neues Teil... bietest du so einen Service?

Übrigens lassen sich alte Kleider/Rucksäcke als Ersatzteillager horten, dir muss ich das wohl nicht mehr sagen ;-)

Krass, dass dein Rucksack so lange hält. Ich bin froh, wenn mein Deuter 10 Jahre macht!

G, Rise

kopfsalat Pro hat gesagt: umdenken
Gesendet am 14. September 2012 um 13:54
flicken ist vorallem eine frage des könnens, nicht des materials. was ja auch der grundgedanke hinter UL ist, nämlich (unnütze) ausrüstung durch können zu ersetzen.

braucht natürlich zeit und erfahrung, kann man nicht einfach vom bürostuhl aus im laden kaufen gehen und dann damit auf die T5-tour gehen.

> Krass, dass dein Rucksack so lange hält. Ich bin froh, wenn mein Deuter 10 Jahre macht!

kannst dir als nachfolge-modell ja dann einen selber nähen: www.rayjardine.com/ray-way/Backpack-Kit/index.htm

ja, reissverschlüsse sind ein grauen. ich versuche, wenn immer möglich darauf zu verzichten, was erstaunlich gut geht, wenn man das design entsprechend ändert.

UL hat eben viel mit querdenken zu tun. statt die gängige kommerzielle lösung blind zu akzeptieren, sucht man sich eigene.

***

aber ich gebe dir recht, nur einfach seine bestehende ausrüstung durch ultarleichte zu ersetzen, ohne dass dabei ein umdenken stattfindet, ist überhaupt nicht dienlich. in keiner hinsicht.

1Gehirner hat gesagt: Gutes Thema
Gesendet am 16. September 2012 um 19:18
Ich hab mich damit vor einiger Zeit mal auseinandergesetzt (als Christ fühl ich mich da noch etwas stärker in der Verantwortung), als ich ein Zelt kaufen wollte. Der einzige Hersteller, der am Ende meiner Recherchen übrig blieb, war Vaude: Süddeutscher Familienbetrieb, menschenfreundlich, mit einer Linie ökologisch produzierter Zelte. Nix Börsenidiotie und Aktionärsdiktat. Nix Quartalszahlen. Nachhaltige Produktion, keine Kinderarbeit, keine vergifteten südostasiatischen Flüsse (oder erst um zwei Ecken rum, irgendwoher kommen die Stoffe ja, aber auch da scheint sich Vaude seine Gedanken gemacht zu haben). Alle anderen Hersteller, die ich mir angeschaut hatte, hatten irgendwo mehr Dreck am Stecken. Deuter fand ich noch sehr überzeugend. Eine andere einheimische und empfehlenswerte Marke scheint mir Ortlieb zu sein, von denen brauch ich aber seit 15 Jahren nix mehr (meine damals geschenkt bekommenen Packtaschen tun's halt leider immer noch)...

Klar, man gibt für nachhaltige, ökologische, fair produzierte und ungiftige Produkte deutlich mehr Geld aus. Man muß sich aber mal klarmachen, was es heißt, ein Zelt für 500-1000 statt 300 EUR zu kaufen: Das soll ja 10-20 Jahre halten.

Umgerechnet auf einen Arbeitsmonat und den prozentualen Anteil der Kaufkosten an meinem Gehalt verschwindet das sogar gegenüber der alljährlich gekauften neuen Jeans... und das Argument, lieber etwas zu kaufen, was man selber flicken kann, ist hier dann sehr wichtig. Was man beim ersten Loch wegschmeissen muss, geht 3-4x so stark ins Geld.

Wo ich widersprüchliche Angaben gefunden hab, ist zu Salewa -- die kriegen von einer Öko-Ratingseite für Firmen relativ un-grüne Unternehmenspolitik bescheinigt. Weiß jemand was über Salewa?

Was ich aus Prinzip nicht kaufen würde, schon wegen der unmöglichen Rechtspolitik, sind Hersteller wie Jack Wolfskin. Wer es nötig hat, Hausfrauen mit Herstellzahlen im einstelligen Bereich auf tausende von Euro zu verklagen, weil sie ein ÄHNLICHES Symbol wie die Wolfspfote auf ihre Täschchen gestickt haben (was ist mit Happypet???), kann seine Jacken, Zelte etc. gern behalten.

1Gehirner hat gesagt: RE:Gutes Thema
Gesendet am 16. September 2012 um 19:21
Nachsatz: Mein 60l-McKinley- und mein Deuter Alpin-Rucksack halten jetzt auch schon >10 Jahre... und die haben wirklich kein leichtes Leben gehabt... und auch schon Konservendosen, scharfkantige Pappverpackungen und sonstige Sachen transportieren müssen, die nicht zum Standardgepäck gehören. Keine Ahnung, ob sich an deren Qualität seit damals was geändert hat.

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. September 2012 um 09:01
> Nix Börsenidiotie und Aktionärsdiktat. Nix Quartalszahlen.

es geht noch viel weiter. solange das wirtschaftliche wachstum als etwas per se gutes, erstrebenswertes angesehen und auch so in den akademien gelehrt und gelernt wird, solange werden wir die obigen probleme nicht in den griff bekommen.

die paar out-door-jacken sind da ein tropfen auf den heissen stein und die zertifikate vorallem dazu da, unser schlechtes gewissen zu beruhigen.


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