Schwierigkeitsbewertung von Klettersteigen


Publiziert von Gemse, 23. September 2010 um 15:14. Diese Seite wurde 2300 mal angezeigt.

Auch bei der Klettersteigbewertung herrscht ein bunter Salat. Immer mehr Führer und Bücher übernehmen die Werteskala, die ich meinem Kommentar anfüge. Auch Klettersteigführer, die die Schweizer und fanzösischen Berge beschreiben haben diese Bewertung übernommen:
Hier die Schwierigkeitsbewertung -
Schwierigkeitsskala
Viele Buchautoren haben ihre eigenen Bewertungskriterien, wenn es um die Einstufung der Schwierigkeit von Klettersteigen geht, da eine offizielle Skala wie beim Klettern nicht besteht.
Meist fliesen in die „Wertung“ neben den eigentlichen technischen Anforderungen weitere As-pekte wie Höhe, Länge oder sogar psychische Gesichtspunkte wie Ausgesetztheit ein, die unse-res Erachtens dabei nichts verloren haben.
Denn es nützt demjenigen, der einen Klettersteig begehen will nichts, wenn der Klettersteig auf niedriger Höhe direkt an der Strasse liegt und sehr kurz ist, wenn er eine senkrechte Platte nicht überwinden kann.
Einzig Hans Kammerer unterscheidet in seinem Buch „Klettersteige in den Dolomiten“ in Tech-nik, objektive Gefahren (z.B. Steinschlaggefährdung), Ausdauer und psychische Anforderungen.
Wird aber alles in einen Topf geworfen, so wird die alleine entscheidende Frage nach der tech-nischen Schwierigkeit verwässert, was zu einer unter Umständen fatalen Falscheinschätzung führen kann.
So ist beispielsweise die Watzmannüberschreitung technisch „nur“ als leicht einzustufen, wird aber allgemein in der Literatur als „mittel“ eingestuft, da es sich ohne Zweifel um eine hochalpi-ne Tour handelt, die bei Wettersturz sehr gefährlich sein kann.
Umgekehrt verführt es zu einer niedrigeren Bewertung, wenn eine Tour niedriger gelegen ist. Zum Beispiel wird die Via Ferrata Geatano Falcipieri im Kompass Klettersteigführer „Kletterstei-ge Dolomiten Süd“ als „leicht“ bezeichnet (auch Hüsler stufte so bis zur letzten Ausgabe seines Klettersteigatlasses ein).
Ein steiler Kamin gleich zu Beginn und wenig später eine senkrechte Leiter mit luftigem Ausstieg auf ein Felsband, sowie weitere teils senkrechte Stellen deuten jedoch keinesfalls auf einen leich-ten Klettersteig hin. Wehe man verlässt sich auf solche Einstufungen und ist dann überfordert (oder nimmt wegen der Bewertung keine Sicherungen mit).
Die hier verwendete Einstufung bezieht sich daher alleine auf die technische Einstufung der je-weiligen Schlüsselstelle:


1 / 1,5 1 Karabiner (A): sehr leichter Klettersteig: Wanderweg mit (unnötiger) Seilsicherung. Seilsicherung ist mehr Zierde als Notwendigkeit
Beispiele: Vogelbergsteig, Monte Vallon Bianco, Dopplersteig (Salzburger Hochthron)


1,5 Karabiner (A): sehr leichter Klettersteig: steiniger oder felsiger Weg, dessen Seilsicherungen immer noch nicht notwendig sind, aber das Vorwärtskommen etwas erleichtern können, bzw. bei ausgesetzten Wegstellen psychologisch gut sind.
Beispiele: Schober Nordwestanstieg, Roßstein, Brünnstein, Rudl-Eller-Weg, Große Tschierspitze





2 / 2,5




2 / 2,5 2 Karabiner (A-B): leichter Klettersteig: eingeschlagene Felsstufen, Eisentritte, -klammern, große Tritt- und Griffmöglichkeiten, sowie stark gestufter Felsaufbau verlangen keine größeren Anstrengungen. Die Seilsiche-rung ist ausschließlich für das Gleichgewicht notwendig.
Beispiele: Drachenwand, Ettaler Manndl, Widauersteig, Burrone-Klettersteig




2,5 Karabiner (B): leichter Klettersteig: Grosse Tritt- und Griffmöglichkeiten, sowie ein keinesfalls vertikaler Verlauf des Klettersteiges verlangen keine größeren Anstrengungen. Die Seilsicherung ist meist ausschließ-lich für das Gleichgewicht notwendig. Bei Felsstufen kann aber auch schon mal kurzer Armkrafteinsatz not-wendig sein.
Beispiele: Oberlandsteig (blau), Alpspitzferrata, Mittenwalder Höhenweg, Watzmannüberschreitung



3 / 3,5 3 Karabiner (B-C): mittlerer Klettersteig: Eisentritte, -klammern oder ausreichende Tritt- und Griffmöglichkei-ten, jedoch schon steilere Anlage des Klettersteiges; zum Teil schon Armkrafteinsatz notwendig
Beispiele: Karhornklettersteig, Mathaisenkar, Furcia-Rossa-Klettersteig, Fennbergklettersteig


3,5 Karabiner (C): mittlerer Klettersteig: weitgehend Eisentritte, -klammern oder meist ausreichende Tritt- und Griffmöglichkeiten, jedoch schon steilere Anlage des Klettersteiges; immer wieder Armkrafteinsatz notwen-dig. Auch einzelne Stellen, die Reibungsklettern erfor-dern können auftreten.
Beispiele: Innsbrucker Klettersteig, Tschierspitze V, Leiternsteig (Toblinger Knoten)



4 / 4,5 4 Karabiner (C-D): schwerer Klettersteig: oft nur kleine Tritt- und Griffmöglichkeiten, eher selten Eisentritte, -klammern, senkrechte Leitern, teils vertikale Anlage erfordert nicht unerhebliche Armkraft, Reibungskletter-stellen, auch im steileren Fels können auftreten.
Beispiele: Jubiläumsgrat, Tiroler Weg (Plamorder Spit-ze), Tofana di Rozes, Monte Generoso


4,5 Karabiner (D): schwerer Klettersteig: meist nur kleine Tritt- und Griffmöglichkeiten, selten Eisentritte, -klammern, senkrechte Leitern, meist vertikale Anlage erfordert schon viel Armkraft, Reibungskletterstellen, auch im steileren Fels treten öfter auf.
Beispiele: Elferkofel, Pößnecker Klettersteig, Via ferrata Sandro Pertini, Reinhard-Schiestl-Klettersteig



5 / 5,5 5 Karabiner (D-E): sehr schwerer Klettersteig: oft kei-nerlei Tritte und Griffmöglichkeiten mehr, vertikale, teils überhängende Anlage, nur Seilsicherung oder teilweise ungesicherte Stellen, großer Armkrafteinsatz notwen-dig.
Beispiele: Citywall (Salzburg), Imster Klettersteig, Weg ohne Grenzen (Frischenkofel), Tomaselli-Klettersteig


5,5 Karabiner (E): sehr schwerer Klettersteig: über längere Passagen keinerlei Tritte und Griffmöglichkeiten mehr, vertikale, vielfach überhängende Anlage, nur Seil-sicherung oder teilweise ungesicherte Stellen, sehr gro-ßer Armkrafteinsatz notwendig.
Beispiele: Martinswand, Seewandklettersteig, Oberst-Gressel-Gedenkweg, Via ferrata Costantini, Via attrez-zata Rino Pisetta, Lehner Wasserfall (Variante)



6 6 Karabiner (E): extrem schwerer Klettersteig: fast durchgehend keinerlei Tritte und Griffmöglichkeiten mehr, vertikale, meist überhängende Anlage, nur Seilsi-cherung oder teilweise ungesicherte Stellen, extrem großer Armkrafteinsatz notwendig.
Beispiele: bisher noch nicht vergeben

Dies ist ein Diskusionsgrund,
Eure Meinung wäre interessant

Euer Karl



Kommentare (14)


Kommentar hinzufügen

WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2010 um 20:47
Hallo Karl
Kam bisher auch immer ins Schleudern, wenn ich die Klettersteigbewertung auf hikr für Klettersteigberichte benutzen wollte. Ich kenn die Hüslerbewertung (K1-K6), oder die A-E-Bewertung bzw mit Karabiner. Mit beiden komme ich gut klar und find diese auch ansprechend, verständlich und gut. Vor allen Dingen werden diese in den meisten Klettersteigbüchern auch benutzt. Das es hier im hikr-Portal für Klettersteige quasi eine Hochtourenbewertung gibt , finde ich auch etwas unglücklich. Eine Änderung der Klettersteigbewertung würde ich jedenfalls absolut zustimmen.

Gemse hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. September 2010 um 00:58
Ich habe meinen Kommentar auch direkt an Hikr gesendet. Die lehnen eine Änderung ihrer Bewertung ab, wie soll man da eine richtige Bewertung eines Klettersteiges durchführen, wenn sie noch nicht mal eine deutsche Übersetzung liefern?
Gruß Karl

whannes hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2010 um 21:19
>Viele Buchautoren haben ihre eigenen Bewertungskriterien, wenn es um die Einstufung der Schwierigkeit von Klettersteigen geht, da eine offizielle Skala wie beim Klettern nicht besteht.

Das stimmt so auch nicht, es gibt unzählige (ok, mit zwei Händen dürfte man sie zählen können ;-) ) Kletterskalen, primär regional verankert.

Die meisten sind halt über die Jahrzehnte gewachsen und tragen auch den regionalen Unteschieden Rechnung. Wohl gibt es Entsprechungs-Tabellen und Ähnliches, doch was sagt es aus, wenn ich eine eine 5.10 Risskletterei in die Französische Skala umrechne? Oder noch schlimmer, wenn ich versuche aus einer Bewertung vom 'British grading system' auf etwas anderes zu schliessen?

Bei den Klettersteigen ist es glaub ähnlich, in den Dolomiten gibt es die glaub schon lange während das bei uns (CH) eher ein 'neuerer' Trend ist.

Gemse hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. September 2010 um 01:05
Wie sollen aber Deutsche und Österreicher, die hauptsächlich Klettersteige einstellen, mit dem System zurechtkommen, zudem es noch in französisch abgefasst ist. Welcher Bergsteiger kann schon fließend französisch????
Meines Erachtens sind die Klettersteigbewertungen falsch, die von nicht französisch sprechenden Berggehern eingestellt wurden !!!!!

Mel hat gesagt:
Gesendet am 24. September 2010 um 07:06
mich dünkt die hüsler-bewertung mit diesem kreuz, wo auch ausdauer und psyche miteinbezogen werden, noch sinnvoll. das problem bei solchen bewertungen ist halt immer, dass gewisse dinge subjektiv sind...

mir hilft es mir beispielsweise sehr, wenn ich bevor ich einen steig in angriff nehme, hier auf hikr oder auf klettersteig.de mehrere "erfahrungsberichte" lesen kann. das dünkt mich x mal wertvoller als irgendwelche "nackten" bewertungsskalas.

Stani™ Admin hat gesagt: Please be quiet
Gesendet am 24. September 2010 um 10:56
First of all, just a reminder: to keep the discussion in one place, it is not necessary to put the same message many times in different communities. Otherwise it will considered as spam and deleted, as I did yesterday with yours.

Concerning your requests, here I repeat what we already wrote you yesterday:

1) Our grading is from "Fédération Française de la Montagne et de l'Escalade". It is used in France and partly in Switzerland. There is no translation because nobody yet proposed us one.

This is a community website, there no "customer service" or "lieferung" here.

2) We don't want to add new grading for via ferrata, we prefer an equivalence table that we can put into documentation (like: L = A = K1, WS = ...)

To summarize, if someone is really interested, we would be happy to have a translation and an equivalence table. Thanks!

Gemse hat gesagt: RE:Please be quiet
Gesendet am 24. September 2010 um 11:06
Ich kann kein Englisch

felixbavaria hat gesagt: RE:Please be quiet
Gesendet am 24. September 2010 um 18:26
I'm not a via ferrata expert, but I try to translate the most important part of the scale to German.

Es werden mehrere Aspekte in die Bewertung einbezogen:
- die "athletische" Schwierigkeit (Steilheit, Anzahl der Sicherungspunkte)
- Länge des Klettersteigs
- Eindrücklichkeit
- Länge des Zustiegs (damit verbunden die konditionelle Anforderung)

L Leicht
WS Wenig Schwierig = Kinder und Anfänger
ZS Ziemlich Schwierig
S Schwierig = für Anfänger in erfahrener Begleitung
S+ Obere Schwierigkeit = nur für erfahrene Personen
SS Sehr Schwierig: hohe physische Anforderung, nur für sehr erfahrene Personen

Die Zeichen + und - werden zur Feinabstufung verwendet (Beispiel: ZS- < ZS < ZS+ < S- ...)

Vorsicht, die Skala bezieht nicht die aktuellen Verhältnisse (Vereisung, Schneelage, fehlende Sicherungen am Beginn der Saison, etc.) mit ein.

Zu beachten ist, dass der gleiche Steig anstrengender und damit schwieriger wird, wenn man sich ohne Not an den Seilen hochzieht.

(Nicht komplette Übersetzung, nur die wichtigsten Aspekte)

Vielleicht kann ein frz. Muttersprachler noch ergänzen?

For English translation see Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Klettersteig#France

There (meanwhile?) seems to be also an AS (Extremely difficult / ED) grade.

Gelöschter Kommentar

Gemse hat gesagt: RE:Please be quiet
Gesendet am 24. September 2010 um 22:44
Jetzt weißt Du warum ich darauf dränge, dass das französchische System überdacht werden sollte.
Gruß
Karl - Gemse

Gemse hat gesagt: RE:Please be quiet
Gesendet am 24. September 2010 um 22:47
Danke, Du hast mir geholfen
Gruß
Karl

felixbavaria hat gesagt: Fragwürdige Skala
Gesendet am 24. September 2010 um 18:15
>Meist fliesen in die „Wertung“ neben den eigentlichen >technischen Anforderungen weitere As-pekte wie >Höhe, Länge oder sogar psychische Gesichtspunkte >wie Ausgesetztheit ein, die unse-res Erachtens dabei >nichts verloren haben.
>Denn es nützt demjenigen, der einen Klettersteig >begehen will nichts, wenn der Klettersteig auf niedriger >Höhe direkt an der Strasse liegt und sehr kurz ist, >wenn er eine senkrechte Platte nicht überwinden kann.

1. Warum sollen psychologische Aspekte kein Kriterium sein? Es nützt doch keinem was, wenn er am Brett an der Zugspitze umkehren muss, obwohl der Steig als "Leicht" bewertet wurde (was er technisch definitiv ist).

2. Warum soll die Länge kein Kriterium sein? Wenn ich mich 5x eine D-Stelle hochziehen muss kann die Kraft am Ende sein, wenn's nur eine kurze D-Stelle ist, reicht die Kraft.

Gemse hat gesagt: RE:Fragwürdige Skala
Gesendet am 24. September 2010 um 22:51
1. Der Höllentalanstieg auf die Zugspitze ist nicht mit "Leicht" eingestuft sondern mit 3 B/C Die Bedeutung = 3 Karabiner (B-C): mittlerer Klettersteig: Eisentritte, -klammern oder ausreichende Tritt- und Griffmöglichkeiten, jedoch schon steilere Anlage des Klettersteiges; zum Teil schon Armkrafteinsatz notwendig.
2. Länge usw. werden bei den technischen Schwierigkeiten nicht berücksichtigt, sehr wohl aber in den zusätzlichen Anmerkungen: Beispiel wieder die Zugspitze:
Kondition: extrem (5)
Armkraft: mittel (3)
Technik: mittel (3)
Mut/Psyche: mittel (3)
Bergerfahrung: hoch (4)
Wie soll ich jetzt diese Kriterien in das französische System einpacken?

felixbavaria hat gesagt: RE:Fragwürdige Skala
Gesendet am 24. September 2010 um 22:57
Wie du richtig sagst, ist die Bewertung nur anhand der Karabinerskala also unvollständig. Das Problem hast du nun mit jeder Skala: man kann keine Tour auf eine Zahl reduzuieren.

Der einzige Ausweg wäre, für jede Art von Tour eine Bewertung mit 1-5 (z.B.) anhand verschiedener Kriterien (z.B. Ausgesetztheit, Kondition) vorzunehmen. Diese müssten sich dann auch je nach Art der Tour unterscheiden. Darunter leidet dann auch die Übersichtlichkeit.


Kommentar hinzufügen»