Die Absurditäten eines Hobbys


Publiziert von Wolfgang Schaub, 18. Dezember 2009 um 08:28. Diese Seite wurde 323 mal angezeigt.

Europäische Höhepunkte ist das Thema. Da es kleine Hügelchen zusammenbringt mit respektablen, großen Bergen, suche ich nach dem gemeinsamen Nenner: Das sind die Gipfel.

Mann-o-mann, was ist das toll zu studieren, was jede Nation so auf ihren höchsten Punkt stellt! Was sie als ihren ur-eigenen Höhepunkt ansieht!

Die Deutschen haben, ihrem Nationalcharakter gemäß, einst ein Grenzübergangshäuschen auf die Zugspitze gestellt, in dem ein Paßbeamter Wache schob und nach dem "Bundespersonalausweis" fragte, wenn man nach Österreich überwechseln wollte, nur um ein ruhiges Plätzchen zu finden, wo man hätte sein Brot verzehren können.

Die Franzosen haben nix auf ihrem Höchsten, einfach gar nix. Außer Schnee und kalte Finger. Hm.

Die Russen haben eine Büste von Karl Marx auf ihren Elbrus gestellt, ganz sendungsbewusst. Nur haben so viele Bergsteigergenerationen mit dem Pickel darauf eingedroschen und sich Stückchen als Andenken herausgebrochen, daß von dem armen Trierer Philosophen nur noch ein Stumpf aus dem Schnee ragt.

Anderswo stehen Unterstandshüttchen obenauf, Fahnen, Vermessungssteine, Militärstationen, Funkmasten, Radar. Es ist die wahre Pracht zu sehen, wie sich jede Nation darstellt.

Was mache ich also, wenn mir auf einem Gipfel das Militär den Weg versperrt? Wie in Gibraltar, der europäischen Türkei, auf Zypern und sonstwo? Mit den Soldaten reden und sehen, ob sie mich reinlassen, nur um ein Bild vom Gipfel aufzunehmen? Nachts unerkannt über den Zaun steigen?

Seht ihr: DAS ist es, was die Faszination ausmacht, nicht das Besteigen des Berges. Jeder Berg ist nur ein Steinhaufen und verdient nicht mehr beachtet zu werden als nötig. Jeder Berg verhält sich wie eine Prostituierte, lässt sich von jedem besteigen, der nur ein bisschen Anstrengung und Schweiß abliefert. Ich kann Berge nicht ihrer selbst lieben, ich liebe nur mich, wenn ich oben stehe. Und ich liebe es, Menschen als Hindernisse zu überwinden. Daher mein Hobby: Es konfrontiert mich mit dem Militär, mit Bürokraten, mit Geheimdienstlern, mit Ignoranten. Ich sehe das ganze Spektrum.



Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Gelöschter Kommentar

Wolfgang Schaub hat gesagt: RE:Ironie oder was?
Gesendet am 18. Dezember 2009 um 19:24
Ganz recht. Normalerweise suche ich auch die Ruhe auf Bergen. Wollte nur beschreiben, wie weit man degeneriert, wenn man das Hobby "Höchste Europas" mit DER Hartnäckigkeit betreibt, wie sie mir zu eigen ist.

Gerade auf den Höchsten konzentrieren sich manchmal die Massen. Das verleidet einem oft das Bergerlebnis. Da zählt dann einfach mehr, oben gewesen zu sein und abgehakt zu haben. Auf den ganz Kleinen in meiner Sammlung, den Unbeachteten, auf die niemand steigt, weil sie nicht alpinistisch genug sind, finde ich oft die Ruhe besser. Die Lerchen im Frühlingshimmel über dem Schlounerberg von Selfkant fallen mir ein, oder die absolute Stille im Torfstich um die Winkelhörne im Saterland - ganze 13 Meter hoch. Nicht zuletzt auf dem Gipfel von Ferdinandea, 8 Meter unter dem Meeresspiegel, von Fischlein umschwommen vor mich hinblubbernd.

So kommt es, dass ich oft die "Schöneren" links liegen lassen muss, weil ich mich auf die Höchsten konzentriere. Da werde ich Teil der Massen, und das ist schade. Aber das Hobby schreibts so vor,


Kommentar hinzufügen»